Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Niedrigerer Blutdruck durch Blutspende

NACHRICHTEN

 
Niedrigerer Blutdruck durch Blutspende
 


Regelmäßig Blut zu spenden, senkt bei Hypertonie-Patienten den Blutdruck. Der Effekt übertrifft sogar den, der sich üblicherweise mit einem einzelnen pharmakologischen Wirkstoff erzielen lässt. In einer kontrollierten Beobachtungsstudie mit 292 Teilnehmern an der Berliner Charité senkten vier Blutspenden à 480 ml in einem Jahr den Blutdruck um durchschnittlich 12,2 mmHg systolisch (von 155,9  auf 143,7 mmHg) und 6,9 mmHg diastolisch (von 91,4  auf 84,5 mmHg). Das galt jedoch nur, wenn die Probanden zu Beginn einen erhöhten Blutdruck gehabt hatten. Bei der Hälfte der Studienteilnehmer, deren Blutdruckwerte im Normbereich lagen, bewirkten die Blutspenden keine Blutdrucksenkung. Bei Hypertonikern war die Wirkung dagegen dosisabhängig, das heißt je häufiger sie Blut spendeten, desto stärker sank der Blutdruck. Das berichten die Studienautoren um Dr. Sundrela Kamhieh-Milz im Fachjournal «Transfusion».
 
Eine Blutspende ist nichts anderes als ein Aderlass, eine Behandlungsmethode, die in früheren Zeiten gegen alles Mögliche eingesetzt wurde – meist nicht unbedingt zum Wohl des Patienten. Heutzutage kommt der Aderlass schulmedizinisch nur noch selten zum Einsatz, etwa bei Patienten mit krankhaft erhöhten Eisenwerten aufgrund der Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose. In der Naturheilkunde ist der Aderlass als sogenanntes ausleitendes Verfahren aber durchaus noch gebräuchlich. Die Menge des entnommenen Bluts kann dabei von 50 bis 500 ml variieren.
 
Die Arbeitsgruppe von Dr. Andreas Michalsen, Professor für klinische Naturheilkunde an der Charité, forscht schon seit Jahren an den Effekten des Aderlasses auf den Blutdruck. Die jetzt vorgelegte Studie ist jedoch größer und mit einem Jahr Beobachtungszeit auch länger als frühere Untersuchungen. Um Verzerrungen durch andere Faktoren möglichst auszuschließen, wurden die Probanden dazu angehalten, ihren Lebensstil während dieser Zeit beizubehalten, also nicht vermehrt Sport zu treiben oder die Ernährung umzustellen. «Die gemessene Blutdrucksenkung scheint tatsächlich auf die Blutspende allein zurückzugehen», glaubt Michalsen. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Patienten, deren Blutdruck zu Beginn mit Werten über 160/100 mmHg stark erhöht gewesen war. Bei ihnen reduzierten vier Blutspenden die Werte um durchschnittlich 17,1 mmHg systolisch und 11,7 mmHg diastolisch.
 
Warum der kontrollierte Blutverlust diese Wirkung entfaltet, ist noch unklar. Die Arbeitsgruppe hatte den verringerten Ferritin-Spiegel als Auslöser in Verdacht; diese Vermutung bestätigte sich jedoch nicht. Womöglich spielt das Verhältnis von alten zu jungen Erythrozyten die entscheidende Rolle. Sicher ist jedoch, dass zusätzliche Blutspenden von Hypertonikern in der Transfusionsmedizin hochwillkommen wären. «Patienten mit Bluthochdruck können durch regelmäßiges Blutspenden gleichzeitig sowohl sich selbst als auch anderen Gutes tun», sagt Michalsen. Man muss kein Naturheilkundler sein, um das gut zu finden. (am)
 
DOI: 10.1111/trf.13428
 
Mehr zum Thema Herz-Kreislauf
 
04.02.2016 l PZ
Foto: Fotolia/Andrey Popov
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Pharmacon Meran: Mehr junge Besucher

Die Veranstalter des Pharmacon in Meran haben nach dem Abschluss des Kongresses eine positive Bilanz gezogen. Es seien noch einmal mehr...



Hautkrebsschutz: Besser bedecken als eincremen

Sonnencreme schützt beim Sonnenbaden nicht vor Hautkrebs. Das betonte Teresa Amaral vom Zentrum für Dermatoonkologie der...



Impfberatung: Kitas müssen Verweigerer künftig melden

Die Bundesregierung will konsequenter gegen Eltern vorgehen, die sich einer Impfberatung verweigern. Das geht aus dem Entwurf eines...



Drug targeting: Von adressierten Päckchen und Schleusentoren

Ein Drug Targeting, also die zielgenaue Anreicherung eines Arzneistoffs am Wirkort nach systemischer Gabe, ist für viele Arzneistoffe...

 
 

Reisedurchfall: Trinken und Paracetamol
Wer im Urlaub Durchfall bekommt und ein Schmerzmittel nehmen möchte, sollte am besten Paracetamol wählen. Darauf wies Professor Thomas...

Ramadan: Gläubige sollten Medikamente trotzdem nehmen
Muslime sollten auch während der Fastenzeit weiter ihre Medikamente nehmen. Darauf hat die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher...

Obama sieht Gesundheitsversorgung «insgesamt bedroht»
Der frühere US-Präsident Barack Obama hat eindringlich dafür geworben, die von ihm eingeleitete Reform des amerikanischen Gesundheitswesens...

Knochenmarkspende: Gemeinsam gegen Blutkrebs
In Deutschland sind mit gut 7,4 Millionen Menschen so viele Knochenmarkspender registriert wie noch nie zuvor. Das geht aus Zahlen des...

Tabakanbau: Warum Rauchen auch der Umwelt schadet
Die Deutsche Krebshilfe führt Rauchern nicht nur die gesundheitlichen, sondern auch die ökologischen Folgen des Rauchens vor Augen. «Die...

Stratifizierte Medizin: Es gibt noch Luft nach oben
Sogenannte Präzisionsarzneimittel, die nur bei Patienten mit bestimmten Eigenschaften wirken, werden momentan noch nicht optimal genutzt....

Digitale Gesundheitsdienste: Zwischen Skepsis und Vertrauen
Rund die Hälfte der Deutschen steht digitalen Gesundheitsdiensten skeptisch gegenüber. Das geht aus einer Studie hervor, die der Verein...

In der Pipeline: MAB für die kranke Haut
Was haben Avelumab, Dupilumab und Brodalumab gemeinsam? Drei Gemeinsamkeiten und viele Details stellte Professor Dr. Manfred...

Neue Arzneimittel: 2016 war ein gutes Jahr
Insgesamt 32 neue Wirkstoffe kamen im Jahr 2016 in Deutschland neu auf den Markt – der Großteil davon Sprung- oder Schrittinnovationen....

Verstopfung: Besser beraten in der Apotheke
Wer an chronischer Verstopfung leidet, kann sich in der Apotheke diskret und persönlich beraten lassen. Darauf wies der Apotheker Christian...

FIP: Arzneimittelentwicklung besser einbetten
Bei der Entdeckung und Entwicklung neuer Arzneimittel sollen künftig nicht mehr einzelne Krankheiten isoliert betrachtet werden....

CRISPR/Cas9: Tatsächliche und zukünftige Anwendungen
Das als Genschere bekannt gewordene CRISPR/Cas9-System ermöglicht eine ganze Reihe von neuen medizinischen Optionen. Was bereits angewandt...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU