Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

Bewertung von Orphan Drugs: Auch SPD kritisiert Verfahren

NACHRICHTEN

 
Bewertung von Orphan Drugs: Auch SPD kritisiert Verfahren
 


Dass Arzneimittel für seltene Krankheiten bei der Nutzenbewertung eine Sonderstellung einnehmen, stößt zunehmend auf Kritik. Nachdem in der vergangenen Woche der GKV-Spitzenverband gefordert hatte, die Erstbewertung für sogenannte Orphan Drugs auszubauen, damit diese auf ihren tatsächlichen Nutzen geprüft werden können, bringt sich nun die SPD mit einem ähnlichen Appell ins Gespräch. Sie sieht vor allem die Hersteller in der Pflicht. Diese lehnen weitere Hürden bei der Bewertung allerdings ab.
 
Orphan Drugs wiesen häufig gar keinen oder nur einen geringen Zusatznutzen auf, erklärte Hilde Mattheis, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, in einer Mitteilung. Dieser Befund, den der GKV-Spitzenverband zuvor erstellt hatte, müsse in die anstehende Novelle des Arzneimittelgesetzes einfließen, forderte Mattheis. Bei der Gesetzesneuerung, die in diesem Sommer in Kraft treten soll, werde es «auch darum gehen, wie das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz zu verbessern ist», so die Gesundheitsexpertin. «Wenn überteuerte Produkte angeboten werden, müssen Rückerstattungen an die Krankenkassen ermöglicht werden, denn es können nicht Versichertengelder für Medikamente ausgegeben werden, die gar nicht ihren Zweck erfüllen.»
 
Derzeit können Pharmahersteller ein Jahr lang den Preis selbst festlegen, bevor Unternehmen und Krankenkassen einen Preis auf Grundlage der Zusatznutzenbewertung aushandeln. Für Orphan Drugs wird ein Zusatznutzen auch ohne Bewertung grundsätzlich unterstellt. «Wenn die Pharmahersteller für neue Medikamente sehr hohe Preise verlangen, dann erwarten die Versicherten, die diese Kosten zu tragen haben, zu Recht eine verbesserte Wirkung», kommentierte Mattheis die aktuelle Rechtslage. Diese Erwartung betreffe alle Arten von Krankheiten – «egal ob selten oder Volkskrankheit». Es sei Aufgabe der Hersteller zu beweisen, «dass ihre Produkte so wirken, wie sie es versprechen».
 
Der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) sieht sich indes mitnichten am Zuge. Orphan Drugs hätten mit ihrer Zulassung ihr «positives Nutzen-Risiko-Profil eindeutig bestätigt bekommen», teilte der BAH heute mit. Neue Hürden bei der Bewertung aufzubauen, sei für die Entwicklung der Präparate und mit Blick auf die betroffenen Patienten «fatal». Wenn das Ausmaß des Zusatznutzens noch nicht quantifizierbar sei, liege dies an den «besonderen Umständen der Erkrankungsfälle», betonte der stellvertretende BAH-Hauptgeschäftsführer, Dr. Hermann Kortland, in einer Mitteilung.
 
Seitdem vor gut fünf Jahren das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes in Kraft getreten ist, richten sich die Preise nach dem Zusatznutzen neuer Präparate im Vergleich zu jenen, die bereits auf dem Markt sind. Die Sonderregelung für Orphan Drugs wird immer wieder kritisiert. Oftmals stehen dabei die relativ hohen Preise für diese Arzneimittel im Fokus der Debatte. (com)
 
29.01.2016 l PZ
Foto: Fotolia/Kneschke
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Schmidt bleibt ABDA-Präsident

Friedemann Schmidt (Foto) steht für weitere vier Jahre an der Spitze der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Die...



ABDA: Vizepräsident Arnold wiedergewählt

Der Vizepräsident der ABDA ‒ Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Mathias Arnold (Foto), geht in die Verlängerung: Die...



ABDA-Vorstand: Milz vertritt die Apothekenmitarbeiter

Bei der Mitgliederversammlung der ABDA ‒ Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hat heute nicht nur die Wahl des Präsidenten...



Europa: Fast jeder Vierte raucht

23,9 Prozent der in der Europäischen Union lebenden Personen ab 15 Jahren rauchen: 19,2 Prozent tun dies täglich, weitere 4,7 Prozent...

 
 

Regeln für Frühchen-Stationen: Verfassungsklage gescheitert
Mehrere Krankenhaus-Betreiber sind mit einer Verfassungsklage gegen Vorgaben für Früh- und Neugeborenen-Stationen gescheitert. Das...

Großbritannien: Millionenstrafe für Pfizer
Wegen «überhöhter und ungerechter» Preise für ein Epilepsie-Medikament soll der US-Pharmakonzern Pfizer in Großbritannien eine hohe Strafe...

Datenschutz: ABDA will klare Formulierungen
Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände wünscht sich beim Thema Datenschutz klare Regeln. Hintergrund sind Pläne des...

Neuer Wirkstoff: Hoffnung für Babys mit Muskelatrophie
In einer Phase-II-Studie hat der experimentelle Arzneistoff Nusinersen die Muskelfunktion und Nervenaktivität von 20 Babys mit spinaler...

Fieber bei Kindern: Medikamente nicht immer nötig
Fieber bei Kindern ist eine sinnvolle Abwehrreaktion des Körpers und muss nicht immer medikamentös behandelt werden. Darauf weist der...

Bundesweit einmalig: Düsseldorf plant Cannabis-Abgabestellen
Düsseldorf will als bundesweit erste Stadt lizensierte Abgabestellen für Cannabis ermöglichen. Der Stadtrat habe den Gesundheitsausschuss...

Medikationsplan: Glaeske will Apotheker stärker einbinden
Der im vergangenen Oktober bundeseinheitlich eingeführte Medikationsplan ist ein wichtiger Baustein zur Verbesserung der...

Organspende: Kommissionen legen Bericht vor
Kontrolleure haben an drei Universitätskliniken Manipulationen bei der Transplantation begehrter Spenderorgane festgestellt. Systematische...

Polymedikation: Barmer-Projekt ohne Apotheker
Die Barmer GEK will Patienten mit Polymedikation künftig besser vor Wechselwirkungen schützen – allerdings ohne Mitwirkung von Apothekern....

Niedersachsen: Bundesratsinitiative für mehr Assistenzhunde
Die niedersächsische Landesregierung will sich für eine bessere Unterstützung von Menschen einsetzen, die auf Hunde als Helfer angewiesen...

Prostatakrebs-Studie: Viele Fragen nach vorzeitigem Ende
Nach dem Abbruch der großen deutschen Prostatakrebs-Studie «Prefere» sind sich Experten uneins über das weitere Vorgehen. Beteiligte...

Arzneimittel: Suchmaschinen sagen Rückrufe voraus
Ist etwas mit einer Arzneimittelcharge nicht in Ordnung, weiß das Internet es oft bereits einige Tage vor dem offiziellen Rückruf. Das fand...

Schon wenige Zigaretten pro Tag können das Leben verkürzen
Auch Gelegenheitsraucher schrauben ihr Risiko für einen vorzeitigen Tod langfristig merklich hoch. Das bestätigt eine neue Studie aus den...

Emulgatoren scheinen Darmkrebsrisiko zu erhöhen
Der Konsum von Emulgatoren, die zur Stabilisierung von verarbeiteten Lebensmitteln verwendet werden, fördert Entzündungen im Darm und...

Psychiatrische Erkrankungen bei Soldaten nehmen zu
Die Zahl der Bundeswehrsoldaten, die wegen psychiatrischer Erkrankungen in ärztlicher Behandlung sind, nimmt nach einem Medienbericht...

Schutz für Kinder: Initiative will Rauchen in Autos verbieten
Die Nichtraucher-Initiative Deutschland (NID) hat an Bundesregierung und Bundestag appelliert, das Rauchen im Auto im Beisein von Kindern...

Patientenschützer fordern strengere Kontrolle von Apotheken
Nach Manipulationsvorwürfen gegen einen Apotheker in Nordrhein-Westfalen hat die Deutsche Stiftung Patientenschutz schärfere Kontrollen der...

Krebs: Pilz-Halluzinogen lindert Depression und Angst
Das in psychedelischen Pilzen vorkommende Halluzinogen Psilocybin kann bei Krebspatienten im Endstadium Angst und Depression mildern. Wie...

Sensible Kundendaten: Apotheker passen auf
Deutsche Apotheker denken, dass sie sensible Daten ihrer Kunden ausreichend schützen. Das ist das Ergebnis einer Apokix-Umfrage des...

Hepatitis-C-Therapie: PRAC bestätigt Hepatitis-B-Reaktivierung
Unter einer Therapie mit direkt wirkenden antiviralen Arzneimitteln gegen Hepatitis C kann eine schlummernde Hepatitis B wieder aufflammen....

Fitnessarmbänder: Mängel beim Datenschutz
Eine bundesweite Überprüfung von Fitnessarmbändern hat Lücken beim Datenschutz aufgezeigt. 16 solcher Geräte wurden getestet, keines habe...

IQWiG: Nutzen von Gentests bei Brustkrebs fraglich
Bei bestimmten Brustkrebs-Patientinnen eingesetzte Gen-Tests bringen nach derzeitigem Stand keinen klaren Erkenntnisgewinn bei der...

Digitalisierung: Gesundheitswesen hinkt hinterher
Die deutsche Gesundheitswirtschaft läuft nach Ansicht des Soziologen Josef Hilbert Gefahr, auf wichtigen Feldern der Digitalisierung den...

Handicaps: Jeder Vierte in Europa sieht sich eingeschränkt
Jeder Vierte in der Europäischen Union sieht sich durch gesundheitliche Handicaps im Alltag eingeschränkt. Die Zahl nannte die europäische...

Nuklearer Notfall: NRW stockt Iodtabletten-Vorrat auf
Das Land Nordrhein-Westfalen will bei einem Atomunfall bis zu drei Millionen Haushalte mit Iodtabletten versorgen. Dafür wurden zusätzlich...

Demenz: Vorhofflimmern und Blutverdünner als Risikofaktoren
Patienten mit Vorhofflimmern (VHF), die zur Prävention von Schlaganfällen das Antikoagulanz Warfarin einnehmen, haben ein höheres Risiko...

Körpereigene Nanopartikel zum Antibiotika-Transport
Eine neue Forschergruppe am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) will eine Technologie entwickeln, mit der...

Kammer informiert Berufsberater über Apothekenberufe
Um mehr junge Leute für einen Apothekenberuf zu begeistern, geht die Apothekerkammer Westfalen-Lippe nun auch verstärkt den indirekten Weg....

Falsch dosierte Zytostatika: Apotheker unter Betrugsverdacht
Im Fall des Bottroper Apothekers, der massenhaft Krebsmedikamente in betrügerischer Absicht zu niedrig dosiert haben soll, fordern...

Crystal Meth: Neue S3-Leitlinie vorgestellt
Seit heute ist Deutschland das erste Land mit einer S3-Leitlinie, die Empfehlungen zum Umgang mit Crystal-Meth-Abhängigen macht. «Der...

Berufsstarter unter Stress: «Generation Z» schaltet auf Abwehr
Selbst Berufsstarter plagen sich laut einer Gesundheitsstudie schon häufig mit typischen Volkskrankheiten herum. Mehr als jeder dritte der...

UN entschuldigen sich für Cholera-Ausbruch in Haiti
Nach jahrelangem Zögern hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eine Schuld der Vereinten Nationen für den Cholera-Ausbruch 2010 in Haiti mit...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU