Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Protein aus Muttermilch als Waffe gegen Bakterien

NACHRICHTEN

 
Protein aus Muttermilch als Waffe gegen Bakterien
 


Aus dem in Muttermilch enthaltenen Protein Lactoferrin haben britische Forscher ein synthetisches Virus hergestellt, das antimikrobiell wirkt. Zusätzlich kann es als Genfähre für humane Zellen genutzt werden, berichten die Forscher um Dr. Valeria Castelletto im Fachjournal «Chemical Science».
 
Die zunehmenden Antibiotika-Resistenzen machen es erforderlich, neue antimikrobielle Prinzipien zu erforschen. Das Team vom National Physical Laboratory in London untersuchte daher das antimikrobielle Lactoferrin aus der Muttermilch genauer. Das Molekül gehört zum angeborenen Immunsystem und kann Bakterien, Pilze und sogar Viren bei Kontakt zerstören. Für die antimikrobielle Eigenschaft ist hauptsächlich eine kleine Domäne des Proteins verantwortlich, die aus sechs Aminosäuren besteht. Aufgrund der Struktur dieses Fragments gingen die Forscher davon aus, dass es sich, wenn es in größerer Zahl vorkommt, spontan zu einer Kapsel zusammenlagern kann.
 
Das Team synthetisierte die Fragmente, die sich tatsächlich zu virusähnlichen Peptid-Kapsiden zusammenlagerten. Diese konnten nicht nur Bakterien erkennen und binden, sondern perforierten auch deren Membran, wie die Forscher im Hochgeschwindigkeits-Rasterkraftmikroskop beobachteten. «Die Kapseln wirkten wie Projektile, die effizient und schnell die Membran durchlöcherten», sagt Hasan Alkassem, der an der Untersuchung beteiligt war.
 
Menschliche Zellen wurden dagegen nicht zerstört, hier konnten die Kapside eindringen wie Viren. Die Partikel könnten daher in gentherapeutischen Ansätzen zum Einschleusen von genetischem Material genutzt werden. Die Forscher testeten diese Transfektionseigenschaft mit einer Modell-silencingRNA (siRNA), die ein Zielgen stilllegt. Wenn dieses Molekül den Lactoferrin-Fragmenten beigemischt wurde, bildeten sich Kapside, die im Innern die siRNA einschlossen. In Zellkultur konnten die synthetischen Viren das genetische Material in menschliche Zellen einschleusen und in diesen das Zielgen ausschalten. Die Forscher hoffen, dass das künstliche Virus eingesetzt werden kann, um als Genfähre zu therapeutischen Zwecken zu dienen und dabei gleichzeitig antimikrobiell zu wirken. (ch)
 
DOI: 10.1039/c5sc03260a
 
28.01.2016 l PZ
Foto: Fotolia/evgenyatamanenko
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Adipositas: Bariatrische Operationen bergen Risiken

Operationen zur Gewichtsreduktion sollten bei adipösen Menschen nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Analyse erfolgen. Das betonte der...



Terror: Reißerische Berichte können zur Nachahmung anregen

Der Hamburger Psychiater Michael Schulte-Markwort plädiert nach den Gewalttaten in München, Würzburg und Ansbach für einen...



Prostatakrebs: Kampagne für mehr Offenheit

Männer reden nicht gerne über Krankheiten – schon gar nicht, wenn es um urologische Probleme geht. Wie eine internationale Befragung...



Hepatitis: Übertragungskette muss unterbrochen werden

Das Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat größere Anstrengungen im Kampf gegen von Viren...

 
 

Bayer: Gewinnsprung durch blühendes Pharmageschäft
Gut laufende Geschäfte mit neuen Medikamenten haben dem Pharma- und Pflanzenschutzkonzern Bayer im zweiten Quartal einen kräftigen...

Zoll: Illegale Doping- und Potenzmittel weiterhin gefragt
Der Handel mit illegalen Doping- und Potenzmitteln blüht. «Es ist kein Einbruch festzustellen», sagt der Sprecher der Zollfahndung...

Metformin könnte Frühgeburten verhindern
Das orale Antidiabetikum Metformin kann bei einem erhöhten Frühgeburtsrisiko eine zu frühe Entbindung verhindern – zumindest bei Mäusen. Im...

Versicherungstarife der Kassen: Belohnung oder Bedrohung?
Im Rahmen von Bonuszahlungen belohnen Kassen das gesundheitsbewusste Verhalten ihrer Versicherten. Die Grünen sehen dadurch das...

Körpergröße: Menschen waren vor 100 Jahren erheblich kleiner
Die größten Frauen leben in Lettland, die größten Männer in den Niederlanden. Das hat eine Studie des Imperial College in London ergeben....

ABDA: Entwurf zum Pharmagesetz setzt richtige Impulse
Neben dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hat sich nun auch die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände zum...

Pharmagesetz: BPI kritisiert Referentenentwurf
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) reagiert erwartungsgemäß verärgert auf den Referentenentwurf zum sogenannten...

Jugendliche: Alkohol und Tabak sind das Hauptproblem
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung hält Alkohol und Tabak unter Jugendlichen für ein größeres Problem als illegale Drogen....

Antioxidanzien: Oft unnötig, manchmal schädlich
Reaktive Sauerstoffspezies und der von ihnen ausgelöste oxidative Stress gelten als schädlich und werden mit verschiedenen Erkrankungen in...

Umfrage: Schönheitseingriffe liegen im Trend
Schönheitschirurgen weltweit haben 2015 deutlich öfter Hand angelegt als ein Jahr zuvor. Es seien über eine Million mehr Behandlungen...

Stada: Investor lehnt Kandidaten für neuen Aufsichtsrat ab
Bei der Neubesetzung des Aufsichtsrats von Stada sperrt sich Großaktionär Active Ownership Capital (AOC) gegen Vorschläge des...

Oft symptomfrei, meist chronisch: Die Tücken der Hepatitis C
Eine Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus kann tückisch sein: Sie kann symptomfrei verlaufen, wird in den meisten Fällen chronisch und zählt...

Nach Anschlägen in Bayern: Bessere Krisendienste geplant
Nach der Attacke von Würzburg, dem Amoklauf von München und dem Bombenanschlag von Ansbach will Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml...

Genetik: Geklonte Schafe altern nicht frühzeitig
Geklonte Schafe können normal altern. Sie erleiden nicht zwangsläufig dasselbe Schicksal wie Klonschaf Dolly, das früh Gelenkbeschwerden...

Zika: Baby mit Schädelfehlbildung in Spanien geboren
Erstmals ist in Spanien die Geburt eines Zika-infizierten Babys mit Hirnschädigung bekannt geworden. Es handele sich um den ersten Fall...

Pharmagesetz: 100 Millionen Euro für Apotheken
Jetzt ist es offiziell: Die Apotheken sollen mehr Geld für die Abgabe von Rezepturen und Betäubungsmitteln (BtM) bekommen. Wie heute aus...

Berichte über Depression als Gewaltursache oft «fahrlässig»
Nach den jüngsten Terroranschlägen und Amokläufen werden Depressionen oft voreilig und undifferenziert als Ursache für die Gewalttaten...

Apothekenkooperationen: Führungswechsel bei Avie
Die Apothekenkooperation Avie hat Dominik Klahn zum neuen Geschäftsführer berufen. Wie die hundertprozentige Tochter der Kohl Medical AG...

Noch mehr Meldungen...












DIREKT ZU