Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Demenz: Nur wenige Medikamente helfen ein bisschen

NACHRICHTEN

 
Demenz: Nur wenige Medikamente helfen ein bisschen
 


Die meisten Medikamente gegen Demenz sind wirkungslos, aber einige wenige helfen Experten zufolge zumindest etwas. So könne etwa die Gruppe der Acetylcholinesterase-Hemmer die Fähigkeit der Patienten fördern, ihre Alltagsaktivitäten zu verrichten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Expertengruppe, die am 27. Januar in Berlin eine überarbeitete «Leitlinie Demenzen» vorstellte. Es gebe auch Hoffnung, dass Alzheimer und andere Demenzen durch Präventionsmaßnahmen gebremst oder sogar verhindert werden könnten.
 
«Die Hinweise verdichten sich, dass eine Alzheimer-Demenz nicht allein Schicksal ist», sagte Professor Frank Jessen, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Köln. «Es gibt wahrscheinlich Möglichkeiten, das Risiko einer Erkrankung zu mindern. Als Faustregel gilt: Was dem Herz gut tut, hilft auch dem Gehirn.» Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Zuckererkrankung, Übergewicht oder Rauchen erhöhen den Fachleuten zufolge auch die Wahrscheinlichkeit für eine spätere Demenz. Körperliche Bewegung und ein aktives soziales Leben könnten helfen, die Erkrankung zu bremsen.
 
Eine «Anti-Demenz-Diät» gebe es zwar nicht, aber Hinweise, dass etwa Fisch gut sei und eine Ernährungsweise, wie sie im Mittelmeerraum üblich sei. Von der Einnahme von Hormonersatz-Präparaten zur Prävention von Demenz raten die Experten ab. In Deutschland leben den Angaben zufolge bis zu 1,5 Millionen Menschen mit Demenz, zwei Drittel davon sind Alzheimer-Patienten – Tendenz in der alternden Gesellschaft steigend.
 
Familienmitglieder, die Demenz-Patienten betreuten, müssten besser unterstützt werden. Gerade die persönliche Betreuung sei gleichrangig mit medikamentöser Behandlung zu sehen, sagte Wolfgang Maier von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und einer der Initiatoren der überarbeiteten Leitlinie. «Wir fordern daher systematische Beratungs- und Trainingsangebote für Angehörige», hieß es.  
 
Anfang des Jahres trat das zweite Pflegestärkungsgesetz in Kraft, das demente Patienten und Pflegebedürftige mit körperlichen Behinderungen beim Zugang zu Pflegeleistungen gleichstellt. Zudem wurde die Unterstützung der pflegenden Angehörigen verbessert. Nur die Hälfte der Demenzkranken werde in der Versorgung als solche erkannt, erläuterten die Experten der beiden für die Leitlinien federführenden Gesellschaften – die DGPPN und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Und noch weniger erhielten eine Behandlung nach den medizinischen Standards.
 
Mehr zum Thema Alzheimerr und Demenz
 
28.01.2016 l dpa
Foto: Fotolia/Peter Maszlen
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Verhütung: Unter Umständen zwei Pillen danach notwendig

Zur Verhütung einer Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr werden unter anderem Levonorgestrel-haltige Notfallkontrazeptiva...



Medikationsplan: Apotheker sehen Schwachstellen

Ab dem 1. Oktober haben gesetzlich Krankenversicherte, die dauerhaft mindestens drei verordnete Arzneimittel einnehmen, Anspruch auf einen...



Sprachstörungen: Ursache immer klären!

Sprachstörungen, auch Aphasien genannt, sind immer eine rote Flagge, die Ursache dafür muss geklärt werden. Das machte der Notfallmediziner...



Volksleiden Nykturie: Oft ist es ein Alarmsignal

Häufiges nächtliches Wasserlassen, die Nykturie, kann ein Warnsignal für eine behandlungsbedürftige Erkrankung sein. «Fälschlicherweise...

 
 

Gesetzentwurf nach KBV-Skandal: Neue Vorschriften in Sicht
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zieht Konsequenzen aus dem Skandal um hohe Pensionszahlungen und rechtswidrige...

Legal Highs: Umfassendes Verbot beschlossen
Der Bundestag hat ein umfassendes Verbot von modernen künstlichen Drogen verabschiedet. Bisher konnten die Hersteller von sogenannten Legal...

Zahngesundheit: An die Dritten denken!
Gesunde Zähne hat bekanntermaßen nur, wer sie regelmäßig und richtig putzt. Oft übersehen wird aber, dass auch bei Teil- und Vollprothesen...

Biosimilars: Politik setzt auf Selbstverwaltung
Um den Versorgungsanteil der Biosmilars am Markt zu erhöhen, halten Gesundheitspolitiker von Regierung und Opposition gesetzliche...

Multifokallinsen: Gleitsichtbrille im Auge
Eine Augenoperation aufgrund des grauen Stars (Katarakt) bedeutet heute nicht mehr automatisch, dass der Patient anschließend eine Brille...

Medikationsplan: 163 Millionen Euro für Ärzte
Der GKV-Spitzenverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben sich über die Vergütung niedergelassener Ärzte für das Jahr...

Opioide: Mehr Verordnungen, mehr Beratungsbedarf
Mit der steigenden Abgabe von Opioiden steigt auch der Beratungsbedarf von Patienten in den Apotheken. Im Jahr 2015 seien 18,4 Millionen...

Tularämie: Frau infiziert sich mit Hasenpest
Eine Frau aus Karlsruhe hat sich mit Tularämie, der sogenannten Hasenpest, infiziert. Laut der Nachrichtenagentur dpa bestätigte dies heute...

Zuckerberg: Milliardenspende für Grundlagenforschung
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und seine Ehefrau, die Kinderärztin Priscilla Chan, haben sich ein hohes Ziel gesteckt: Sie wollen noch in...

Zu viel Quecksilber in Sparlampen: BGH bestätigt Verbot
Für Energiesparlampen, die zu viel giftiges Quecksilber enthalten, wird es auf dem deutschen Markt keine Nachsicht geben. Der...

Flüchtlinge stellen Ärzte vor neue Herausforderungen
Der Zuzug von Flüchtlingen stellt auch Ärzte vor neue Herausforderungen. «Es kann sein, dass wir Krankheiten zu Gesicht bekommen, die wir...

Umfrage: «Dr. Google» verwirrt viele Nutzer
Gesundheitsinformationen im Internet können nicht den fachmännischen Rat von Ärzten und Apothekern ersetzen. Laut einer repräsentativen...

USA: Zulassung für Mittel gegen Duchenne-Dystrophie
Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat Eteplirsen (Exondys™ 51, Sarepta Pharmaceuticals) die bedingte Zulassung zur Behandlung...

Finanzierung geklärt: Cochrane-Zentrum soll Stiftung werden
Die Frage nach der langfristigen Finanzierung des deutschen Cochrane Zentrums für evidenzbasierte Medizin ist offenbar gelöst: Wie der...

EMA: Blutprodukte sind Zika-frei
Arzneimittel, die aus menschlichem Blutplasma gewonnen werden, sind in Europa frei von Kontaminationen mit dem Zika-Virus. Gleiches gilt...

Antibiotika: Vier-Punkte-Plan gegen Resistenzen
Bereits beim Weltwirtschaftsforum in Davos haben zahlreiche Pharmaunternehmen angekündigt, sich verstärkt im Kampf gegen antimikrobielle...

MLP Gesundheitsreport: Steigende Kosten, weniger Zeit
Der Kostendruck im Gesundheitssystem wirkt sich zunehmend auf die Auswahl der Therapieoptionen aus. Immer mehr Patienten haben den...

Hepatitis B: Therapiestopp kann sinnvoll sein
Bei einer chronischen Infektion mit Hepatitis-B-Viren (HBV) kann es vorteilhaft sein, die antivirale Therapie zu unterbrechen. Denn nach...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU