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Herzerkrankungen: Auch ein soziales Problem

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Herzerkrankungen: Auch ein soziales Problem
 


Im Osten Deutschlands, mit Ausnahme von Berlin, sterben nach wie vor prozentual deutlich mehr Menschen an Herzerkrankungen als in den alten Bundesländern. Diesen schon seit Jahren bestehenden Trend bestätigt erneut der aktuelle Herzbericht, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Neu ist, dass sich die Herausgeber dieses Mal auch intensiv mit der Ursachenforschung beschäftigt haben.
 
«Es sind vor allem soziale Faktoren, die für die Unterschiede verantwortlich sind», sagte Professor Dr. Andreas Stang, Epidemiologe am Universitätsklinikum Essen und Autor des entsprechenden Kapitels im Herzbericht. Schlechte Bildung, Arbeitslosigkeit und eine prekäre soziale Lage seien etwa in Sachsen-Anhalt deutlich weiter verbreitet als in der alten Bundesrepublik. «Beobachtungsstudien haben gezeigt, dass drohende oder bestehende Arbeitslosigkeit sowie eine geringe Bildung Determinanten sind von Lebensstilfaktoren wie Rauchen, körperliche Inaktivität und ungesunde Ernährung», sagte Stang. Diese wiederum führten direkt zu biomedizinischen Risikofaktoren wie Adipositas, Dyslipidämie, Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck.
 
Um das Problem an der Wurzel zu packen, reiche es daher nicht, nur die biomedizinischen Faktoren zu diskutieren. «Das ist ein Auftrag an die Politik.» Die Arbeitslosigkeits- und Bildungsverlierer-Quoten zu senken, die Vermittlung von Gesundheitswissen in Schulen zu stärken und einen besseren Nichtraucherschutz durchzusetzen, sei ebenso Herzinfarktprävention wie die medizinische Prävention. Hierzu gehöre es, noch nicht aufgedeckte Fälle von Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen durch Vorsorgeuntersuchungen zu entdecken und dann konsequent zu behandeln. «Die Zahl der unentdeckten Hochdruckpatienten und Diabetiker geht in die Millionen. Deshalb müssen gerade in diesen Regionen die Menschen für die Bedeutung der Messung von Bluthochdruck, Cholesterol und Blutzucker sensibilisiert werden», sagte Stang.
 
Die Ergebnisse der von Stang geleiteten Studie «Kardiovaskuläre Risikofaktoren im Bundeslandvergleich» sind 2014 im «Deutschen Ärzteblatt» erschienen. Der von der Deutschen Herzstiftung in Kooperation mit mehreren kardiologischen Fachgesellschaften herausgegebene Herzbericht ist über den unten genannten Link im Internet abrufbar. (am)
 
DOI: 10.3238/arztebl.2014.0530
 
Lesen Sie dazu auch
Herzbericht (externer Link)
 
Mehr zum Thema Herz-Kreislauf
 
27.01.2016 l PZ
Foto: Fotolia/Trojanowski
 

 

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