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Soziale Robotik: Maschine – ganz menschlich

MAGAZIN

 
Soziale Robotik

Maschine – ganz menschlich


Von Ulrike Abel-Wanek / Als Staubsauger und Rasenmäher sind Roboter schon in vielen Haushalten unterwegs. Im Rahmen des europäischen Projekts L2TOR* halten sie jetzt auch Einzug in Kitas und sollen Kindern im Vorschulalter helfen, Sprachen zu lernen.

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Nao ist 60 Zentimeter groß, hat Arme, Beine und ein ansprechend kindliches Gesicht. Der kleine Roboter eines französischen Herstellers ist Mittelpunkt eines Projekts der Forschungsgruppe des Exzellenzclusters Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC) der Universität Bielefeld. Die Wissenschaftler wollen dafür sorgen, dass Roboter-Systeme plus Tablet-PC das frühe Sprachenlernen unterstützen. Dabei geht es um den Zweitsprachenerwerb von Vorschulkindern im Alter von etwa fünf Jahren. Spielerisch sollen diese mit Sprachkenntnissen ausgestattet werden, die sie für die Schule brauchen. Zielgruppen hierzulande sind Kinder aus Einwandererfamilien, die Deutsch lernen sollen ebenso wie deutsche Kinder, die zum Beispiel auf den Englischunterricht vorbereitet werden. Für das auf drei Jahre angelegte Projekt kooperieren Informatiker, Pädagogen und Sprachwissenschaftler in einem Konsortium aus fünf Universitäten in Deutschland, England, den Niederlanden und der Türkei.




Roboter Nao soll Kindern Fremdsprachen beibringen.

Foto: CITEC/Universität Bielefeld


Der gesellschaftliche Bedarf für frühes Sprachtraining ist heute schon vorhanden. Etwa ein Drittel der unter Fünfjährigen in Deutschland hat laut Statistischem Bundesamt Migrationshintergrund. Und Fremdsprachenunterricht in Englisch für die Kleinsten ist bei Eltern sehr gefragt. Aber in großen Gruppen mit Kindern unterschiedlicher ethnischer und sozialer Hintergründe bringt er Lehrer und Erzieher auch an ihre Leistungsgrenzen. Ob und wie technische Helfer hier unterstützen können, soll die Studie nun zeigen. Eins zu eins soll Nao mit jedem Kind individuell lernen – jeweils auf seinem eigenen Leistungsniveau. »Es geht aber nicht darum, Pädagogen und Erzieher zu ersetzen«, betont Professor Stefan Kopp von CITEC. Roboter seien ein zusätzliches Angebot, aus kindlicher Sicht seien sie ein »Spielzeug«, das riesigen Spaß mache und große Neugier wecke. Für effektiveres Lernen will man sich diese Effekte zunutze machen.

 

Nao kann nicht nur sehen, hören sprechen und laufen. Mithilfe seiner Programmierung soll er auch »klug« genug sein, das was er sieht und hört zu verarbeiten und entsprechend zu handeln. Zum Beispiel Mimik und Gestik eines Kindes verstehen und erkennen, ob es aufmerksam oder frustriert ist. Und er muss helfen können, wenn es im Unterricht mal nicht so gut läuft. Sollte ich einen Schritt zurückgehen und den Stoff wiederholen? Für Nao keine problematische Entscheidung, denn er erhält pädagogische Kompetenz per Programm. Zu den Inhalten des Kurses gehören Vokabeln und einfache grammatische Strukturen, aber auch die in Fremdsprachen oft schwierigen Wortarten wie Präpositionen. Ein Tablet-PC wird den Lernstoff visuell präsentieren.

 

Bis dahin ist für Informatiker Kopp noch viel zu tun: »Uns beschäftigt vor allem die Frage, ob das alles so funktionieren wird.« In etwa eineinhalb Jahren soll Nao zum ersten Mal mit einem Kind zusammentreffen. Wenn die Technik dann soweit ist, bedürfe es auch einer gesellschaftlichen Debatte, so Kopp. »Wollen wir solche Lernspielroboter, um mit unseren Kindern Sprachen einzuüben beziehungsweise brauchen wir sie vielleicht sogar?« /

 

*) L2TOR – gesprochen: El Tutor – »Second Language Tutoring using Social Robots« (Förderung des Zweitsprachenerwerbs mit Robotern)

 

Weitere Informationen: www.techfak.uni-bielefeld.de/ags/soa – Forschungsgruppe Kognitive Systeme und soziale Interaktion



Beitrag erschienen in Ausgabe 03/2016

 

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