Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

Arzneimittelpreise: Kassen fordern mehr Transparenz

NACHRICHTEN

 
Arzneimittelpreise: Kassen fordern mehr Transparenz
 


Im Zuge der stark gestiegenen Arzneimittelausgaben fordern die Kassen von der Pharmaindustrie mehr Transparenz im Arzneimittelmarkt. «Innovationen haben ihren Preis, aber wir wollen einen Nachweis über die angeblich hohen Forschungskosten», sagte der Vorstandsvorsitzende des Verbands der Ersatzkassen (vdek), Christian Zahn, heute auf einer Pressekonferenz in Berlin. Die Kassen wüssten zurzeit nicht, auf welcher Basis die Pharmahersteller ihre Preise überhaupt kalkulieren.
 
Wenn ein Pharmaunternehmen die kostenintensive Forschung als Argument für die teuren Preise im ersten Jahr der Markteinführung anführt, «dann will ich auch einen Nachweis dafür, dass für dieses Medikament hohe Forschungskosten entstanden sind», betonte die Vorstandsvorsitzende des vdek, Ulrike Elsner.
 
Nach Angaben des vdek sind die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für Arzneimittel im Jahr 2014 gegenüber dem Vorjahr um knapp 10 Prozent auf 33,4 Milliarden Euro gestiegen. 17 Prozent ihrer Gesamtausgaben musste die GKV demnach 2014 für Arzneimittel aufwenden. Dies entspreche in etwa den Aufwendungen für die ambulante ärztliche Versorgung. Besonders kostenintensiv sind nach Angaben der Ersatzkassen dabei die patentgeschützten Arzneimittel, wie etwa das Hepatitis-C-Medikament Sovaldi®. Grundsätzlich verursachten Medikamente mit Patentschutz 44 Prozent der gesamten Arzneimittelkosten, stellten aber nur 7 Prozent der Verordnungen, unterstrich Elsner.
 
Das 2011 eingeführte Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) hat aus Sicht der Kassen als Instrument zur Kostenregulierung die Erwartungen nicht erfüllt und bedarf daher einer Korrektur. Von den ursprünglich von der Politik prognostizierten jährlichen zwei Milliarden Euro Kosteneinsparungen im Arzneimittelsektor hat das Gesetz nach Angaben des GKV-Spitzenverbands bis Ende 2014 lediglich eine Entlastung von 600 Millionen Euro gebracht. Der im Zuge der frühen Nutzenbewertung ausgehandelte Erstattungspreis soll deshalb künftig auch rückwirkend für das erste Jahr der Markteinführung gelten, forderte Elsner. Bislang können die Hersteller hier die Preise selbst festlegen.
 
Mehr Transparenz braucht es aus Sicht der Kassen zudem beim Thema frühe Nutzenbewertung. Die Ergebnisse des Gemeinsamen Bundesauschusses kämen immer noch zu wenig bei den Ärzten und damit auch in der Versorgung an. Elsner forderte, die Praxissoftware der Ärzte schneller anzupassen, damit diese automatisch über das Ausmaß des Zusatznutzens eines neuen Medikaments informiert sind. (et)
 
Lesen Sie dazu auch
Wirkstoffprofil Sofosbuvir|Sovaldi®|83|2014 in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe
 
20.01.2016 l PZ
Foto: Fotolia/vege
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Organspende: Kommissionen legen Bericht vor

Kontrolleure haben an drei Universitätskliniken Manipulationen bei der Transplantation begehrter Spenderorgane festgestellt. Systematische...



Polymedikation: Barmer-Projekt ohne Apotheker

Die Barmer GEK will Patienten mit Polymedikation künftig besser vor Wechselwirkungen schützen – allerdings ohne Mitwirkung von Apothekern....



Niedersachsen: Bundesratsinitiative für mehr Assistenzhunde

Die niedersächsische Landesregierung will sich für eine bessere Unterstützung von Menschen einsetzen, die auf Hunde als Helfer angewiesen...



Prostatakrebs-Studie: Viele Fragen nach vorzeitigem Ende

Nach dem Abbruch der großen deutschen Prostatakrebs-Studie «Prefere» sind sich Experten uneins über das weitere Vorgehen. Beteiligte...

 
 

Arzneimittel: Suchmaschinen sagen Rückrufe voraus
Ist etwas mit einer Arzneimittelcharge nicht in Ordnung, weiß das Internet es oft bereits einige Tage vor dem offiziellen Rückruf. Das fand...

Schon wenige Zigaretten pro Tag können das Leben verkürzen
Auch Gelegenheitsraucher schrauben ihr Risiko für einen vorzeitigen Tod langfristig merklich hoch. Das bestätigt eine neue Studie aus den...

Emulgatoren scheinen Darmkrebsrisiko zu erhöhen
Der Konsum von Emulgatoren, die zur Stabilisierung von verarbeiteten Lebensmitteln verwendet werden, fördert Entzündungen im Darm und...

Psychiatrische Erkrankungen bei Soldaten nehmen zu
Die Zahl der Bundeswehrsoldaten, die wegen psychiatrischer Erkrankungen in ärztlicher Behandlung sind, nimmt nach einem Medienbericht...

Schutz für Kinder: Initiative will Rauchen in Autos verbieten
Die Nichtraucher-Initiative Deutschland (NID) hat an Bundesregierung und Bundestag appelliert, das Rauchen im Auto im Beisein von Kindern...

Patientenschützer fordern strengere Kontrolle von Apotheken
Nach Manipulationsvorwürfen gegen einen Apotheker in Nordrhein-Westfalen hat die Deutsche Stiftung Patientenschutz schärfere Kontrollen der...

Krebs: Pilz-Halluzinogen lindert Depression und Angst
Das in psychedelischen Pilzen vorkommende Halluzinogen Psilocybin kann bei Krebspatienten im Endstadium Angst und Depression mildern. Wie...

Sensible Kundendaten: Apotheker passen auf
Deutsche Apotheker denken, dass sie sensible Daten ihrer Kunden ausreichend schützen. Das ist das Ergebnis einer Apokix-Umfrage des...

Hepatitis-C-Therapie: PRAC bestätigt Hepatitis-B-Reaktivierung
Unter einer Therapie mit direkt wirkenden antiviralen Arzneimitteln gegen Hepatitis C kann eine schlummernde Hepatitis B wieder aufflammen....

Fitnessarmbänder: Mängel beim Datenschutz
Eine bundesweite Überprüfung von Fitnessarmbändern hat Lücken beim Datenschutz aufgezeigt. 16 solcher Geräte wurden getestet, keines habe...

IQWiG: Nutzen von Gentests bei Brustkrebs fraglich
Bei bestimmten Brustkrebs-Patientinnen eingesetzte Gen-Tests bringen nach derzeitigem Stand keinen klaren Erkenntnisgewinn bei der...

Digitalisierung: Gesundheitswesen hinkt hinterher
Die deutsche Gesundheitswirtschaft läuft nach Ansicht des Soziologen Josef Hilbert Gefahr, auf wichtigen Feldern der Digitalisierung den...

Handicaps: Jeder Vierte in Europa sieht sich eingeschränkt
Jeder Vierte in der Europäischen Union sieht sich durch gesundheitliche Handicaps im Alltag eingeschränkt. Die Zahl nannte die europäische...

Nuklearer Notfall: NRW stockt Iodtabletten-Vorrat auf
Das Land Nordrhein-Westfalen will bei einem Atomunfall bis zu drei Millionen Haushalte mit Iodtabletten versorgen. Dafür wurden zusätzlich...

Demenz: Vorhofflimmern und Blutverdünner als Risikofaktoren
Patienten mit Vorhofflimmern (VHF), die zur Prävention von Schlaganfällen das Antikoagulanz Warfarin einnehmen, haben ein höheres Risiko...

Körpereigene Nanopartikel zum Antibiotika-Transport
Eine neue Forschergruppe am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) will eine Technologie entwickeln, mit der...

Kammer informiert Berufsberater über Apothekenberufe
Um mehr junge Leute für einen Apothekenberuf zu begeistern, geht die Apothekerkammer Westfalen-Lippe nun auch verstärkt den indirekten Weg....

Falsch dosierte Zytostatika: Apotheker unter Betrugsverdacht
Im Fall des Bottroper Apothekers, der massenhaft Krebsmedikamente in betrügerischer Absicht zu niedrig dosiert haben soll, fordern...

Crystal Meth: Neue S3-Leitlinie vorgestellt
Seit heute ist Deutschland das erste Land mit einer S3-Leitlinie, die Empfehlungen zum Umgang mit Crystal-Meth-Abhängigen macht. «Der...

Berufsstarter unter Stress: «Generation Z» schaltet auf Abwehr
Selbst Berufsstarter plagen sich laut einer Gesundheitsstudie schon häufig mit typischen Volkskrankheiten herum. Mehr als jeder dritte der...

UN entschuldigen sich für Cholera-Ausbruch in Haiti
Nach jahrelangem Zögern hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eine Schuld der Vereinten Nationen für den Cholera-Ausbruch 2010 in Haiti mit...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU