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Mit Mythen zu Obstipation aufräumen

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Mit Mythen zu Obstipation aufräumen
 


Die verfügbare Evidenz hat in den vergangenen Jahren die traditionelle Ansicht zu Verstopfung grundlegend verändert. Das machte Dr. Hiltrud von der Gathen (Foto), Apothekerin aus Recklinghausen,  in ihrem Vortrag auf dem Pharmacon in Schladming deutlich. So sei eine chronische Obstipation keine Befindlichkeitsstörung ohne Krankheitswert, durch Selbstverschulden verursacht und somit durch Änderung des Lebensstils leicht zu beheben. Das Gegenteil sei der Fall, wie die AWMF-Leitlinie «Chronische Obstipation» aus dem Jahr 2013 deutlich hervorhebe.

 

Für eine zeitgemäße Beratung von Patienten in der Apotheke gelte es, mit einigen Mythen aufzuräumen. Dass eine Verstopfung durch Flüssigkeitsmangel hervorgerufen werde, stimme nur, wenn der Patient dehydriert sei. Bei ausreichender Flüssigkeitsversorgung habe eine zusätzliche Flüssigkeitsaufnahme keinen Effekt. Bevor man die Empfehlung gebe, mehr zu trinken, müsse zudem ausgeschlossen werden, dass keine Herz- oder Nierenerkrankung vorliegt, riet die Apothekerin. Auch die häufig genannte Empfehlung, ausreichend Ballaststoffe zu sich zu nehmen, sei kritisch zu hinterfragen. So sei eine Aufnahme von 30 g Ballaststoffen pro Tag aus der Nahrung eher unrealistisch. Für bestimmte Patienten, sei auch der Rat zu mehr Bewegung nicht umzusetzen, etwa in der Palliativ- oder Pflegesituation. Zudem habe in einer Studie zusätzliche körperliche Aktivität bei obstipierten Patienten und Gesunden keinen Einfluss auf die Verdauung gezeigt.

 

Da diese Basismaßnahmen häufig wenig Effekte zeigen, sei bei der Mehrheit der Patienten mit chronischer Obstipation eine medikamentöse Therapie notwendig. Auch bei dem Einsatz von Laxantien gelte es, einige Vorbehalte abzubauen. So sei es nicht nachweisbar, dass es bei einer bestimmungsgemäßen Therapie zu Elektrolytverschiebungen komme. Auch eine Gewöhnung sei nicht zu fürchten: «Wenn nach Absetzen eines Laxans die Verstopfung wieder auftritt, bedeutet dies nur, dass die Krankheit noch fortbesteht, nicht dass eine Abhängigkeit besteht.» Mittel der Wahl sind laut Leitlinie Macrogol, Natrium-Picosulfat und Bisacodyl. Deren Einsatz muss den aktuellen Empfehlungen zufolge nicht mehr zeitlich begrenzt werden, betonte von der Gathen. «Hier muss ein Umdenken in der Apothekerschaft stattfinden.» (ch)

 

19.01.2016 l PZ

Foto: Alois Müller

 

 

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