Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Reisediarrhö: Besser vermeiden als behandeln

NACHRICHTEN

 
Reisediarrhö: Besser vermeiden als behandeln
 


Reisediarrhö ist nach wie vor ein beratungsrelevantes Thema in Apotheken. Hier müsse man vor allem auf die Prävention setzen, da die therapeutischen Mittel begrenzt sind, machte Professor Dr. Thomas Weinke (Foto) vom Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam auf dem Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming deutlich.
 
Die häufigsten Auslöser dieser gastrointestinalen Infektionen sind enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC), Noroviren und Clostridium difficile. Da sich in einigen Regionen der Welt die Hygienestandards deutlich verbessert hätten, nehme das Problem der Reisediarrhö tendenziell ab. Eine Restgefahr bestehe jedoch noch vor allem auf Reisen in Südostasien, Afrika und Südamerika.
 
Als Prävention stehen Händehygiene und Lebensmittelhygiene im Vordergrund. Eine antibiotische Prophylaxe sei Studien zufolge zwar wirksam, aber aufgrund der Auswirkungen auf die Darmmikrobiota nicht empfehlenswert. In speziellen Situationen kann eine Cholera-Impfung gegeben werden, die aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit der Erreger auch gegen EHEC wirkt. Empfehlen könne man diese Schutzmaßnahme bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder bei Immunsupprimierten. Zur prophylaktischen Wirkung von Probiotika sei die Datenlage unzureichend.
 
Die Infekte sind meist gutartig und selbstlimitierend und mit einer oralen Rehydratation ausreichend behandelt. Bei unkomplizierten Verläufen könne Loperamid eingesetzt werden, um die Symptome abzumildern, sagte Weinke. Bei schweren Erkrankungen darf es nicht angewendet werden, da sonst der Erreger länger im Gastrointestinaltrakt verbleibt als ohne Behandlung. Bei fieberhaften und blutigen Durchfällen kann eine Antibiotika-Therapie für eine «möglichst kurze Dauer» erfolgen. Dies könnte als einmalige Gabe von Azithromycin oder zweimalige Gabe von Ciprofloxacin geschehen. «Tannin, Kaolin, Pektin und medizinische Kohle haben in der Therapie keinen Stellenwert mehr», sagte der Mediziner. (ch)
 
19.01.2016 l PZ
Foto: Alois Müller
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Stada: Schlagabtausch in Frankfurt

Jedes Jahr findet in Frankfurt am Main die Stada-Hauptversammlung statt. In den vorangegangenen Jahren waren die Veranstaltungen nur mäßig...



Withaferin A bei Mäusen gegen Übergewicht wirksam

Withaferin A, ein Inhaltsstoff der Schlafbeere (Withania somnifera), hat bei Mäusen mit diätinduzierter Adipositas (DIA) zu einer...



Modellprojekt in Sachsen: Diabetes-Test bei Babys

Neugeborene sollen künftig in Sachsen für ein Modellprojekt auf ihr Typ-1-Diabetes-Risiko getestet werden. Das Screening zu einer möglichen...



Chinoxaline: Möglicher Ansatz gegen Ebola gefunden

Wissenschaftler haben einen neuen Ansatz identifiziert, um Infektionen mit RNA-Viren zu bekämpfen: sogenannte Austritt-Inhibitoren, die die...

 
 

Stada: Gut besuchte Hauptversammlung
Die bevorstehende Kampfabstimmung um den Stada-Aufsichtsrat hat zu einer Rekordbeteiligung bei der Hauptversammlung geführt. Heute sind in...

Wespen: Unterschiede im Giftcocktail erkennen
Der Spätsommer ist Wespenzeit. Für Allergiker eine bedrohliche Situation, denn ein Wespenstich kann lebensgefährlich sein. Eine...

ARZ Haan: 2015 Zuwachs von 10 Prozent
Das Geschäftsjahr 2015 ist für Abrechnungsspezialist ARZ Haan gut gelaufen: Der Umsatz stieg um 10 Prozent auf 47,8 Millionen Euro, wie der...

GKV: Kassenplus im ersten Halbjahr
Die Finanzlage der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hat sich zur Jahresmitte weiter verbessert. Die 118 Kassen verbuchten Ende Juni...

FXIa-Inhibitor: Gerinnungshemmer mit geringem Blutungsrisiko
Der ideale Gerinnungshemmer senkt das Risiko für Thrombosen, ohne das für Blutungen zu erhöhen. Diesem Ziel sind Wissenschaftler um Dr....

Forscher: Normalgewicht beugt Krebs vor
Wer übergewichtig ist, hat Experten zufolge ein erhöhtes Risiko für viele Arten von Krebs. Das war für einige Krebsarten bekannt und wurde...

Klinisches Krebsregister: Es gibt viele Baustellen
Bis Ende 2017 muss in allen Bundesländern das klinische Krebsregister aufgebaut sein. Das hat der Bundestag 2013 gesetzlich geregelt. Wie...

Halbjahreszahlen: Apobank mit durchwachsenem Ergebnis
Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) hat im ersten Halbjahr 2016 einen Jahresüberschuss nach Steuern von 30,4 Millionen Euro...

Klimawandel könnte Zahl der Ambrosia-Allergiker verdoppeln
Der Klimawandel könnte nach Forscherangaben in Europa eine wahre Heuschnupfenwelle verursachen. Eine besondere Rolle spiele dabei die...

Die Linke: Regierung nimmt Lieferengpässe nicht ernst
Die Bundesregierung spielt nach Ansicht der Linken das Problem anhaltender Lieferengpässe bei Arzneimitteln herunter. Die stellvertretende...

Zwangsbehandlung psychisch Kranker: Neuregelung nötig
Die gesetzlichen Regeln zur ärztlichen Zwangsbehandlung psychisch Kranker müssen nachgebessert werden, weil sie verfassungswidrige Lücken...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU