Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

Tod bei klinischem Test: Französische Behörden ermitteln

NACHRICHTEN

 
Tod bei klinischem Test: Französische Behörden ermitteln
 


Die Gesundheitsbehörden und die Justiz untersuchen die Ursachen des schweren Zwischenfalls während einer klinischen Phase-1-Studie, bei dem in Frankreich mehrere Menschen zu Schaden gekommen sind - einer so schwer, dass er zwischenzeitlich gestorben ist. Mitarbeiter der Aufsichtsbehörde IGAS, der für Medikamentensicherheit zuständigen Behörde ANSM und der Polizei haben dafür das Labor der Firma Biotrial im nordfranzösischen Rennes durchsucht und Mitarbeiter befragt. Das Unternehmen hatte das Medikament getestet.
 
Am Sonntag war ein Versuchsteilnehmer gestorben, der nach der Einnahme des Wirkstoffs zunächst für hirntot erklärt worden war. Fünf weitere Patienten werden im Krankenhaus behandelt. Vier von ihnen sollen unter neurologischen Beschwerden leiden, die nicht näher beschrieben wurden. Die französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine bezeichnete den Zustand der Patienten heute als «stabil».
 
Seit vergangenem Juli hatten 90 gesunde Menschen den Wirkstoff des portugiesischen Herstellers Bial bekommen. Am Freitag war bekanntgeworden, dass sechs Versuchsteilnehmer im Alter zwischen 28 und 49 Jahren ins Krankenhaus mussten und einer von ihnen für hirntot erklärt wurde.
 
Biotrial-Chef François Peaucelle sprach von «unvorhersehbaren, ungeklärten und unerklärlichen Ereignissen». Der Wirkstoff soll nach früheren Angaben Touraines auf Stimmungsschwankungen und Angstgefühle sowie auf motorische Störungen bei neurodegenerativen Erkrankungen abzielen. Neurodegenerative Erkrankungen sind meist langsam fortschreitende Erkrankungen des Nervensystems, bei denen immer mehr Nervenzellen verloren gehen, wie etwa bei Parkinson. Der Hersteller selbst sprach von einem Wirkstoff im «Schmerzbereich».
 
Touraine kritisierte einen aus ihrer Sicht zu späten Alarm durch das Labor, in dem das Medikament an gesunden Freiwilligen getestet wurde. «Angesichts eines so schweren Falles wurde vom Labor erwartet, sich schneller an die Gesundheitsbehörden zu wenden.» Den Opfern sicherte Touraine Unterstützung durch Staat, Labor und Versicherungen zu. (gm)
 
18.01.2016 l PZ/dpa
Foto: Fotolia/fotomek
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Demenz: Vorhofflimmern und Blutverdünner als Risikofaktoren

Patienten mit Vorhofflimmern (VHF), die zur Prävention von Schlaganfällen das Antikoagulanz Warfarin einnehmen, haben ein höheres Risiko...



Körpereigene Nanopartikel zum Antibiotika-Transport

Eine neue Forschergruppe am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) will eine Technologie entwickeln, mit der...



Kammer informiert Berufsberater über Apothekenberufe

Um mehr junge Leute für einen Apothekenberuf zu begeistern, geht die Apothekerkammer Westfalen-Lippe nun auch verstärkt den indirekten Weg....



Falsch dosierte Zytostatika: Apotheker unter Betrugsverdacht

Im Fall des Bottroper Apothekers, der massenhaft Krebsmedikamente in betrügerischer Absicht zu niedrig dosiert haben soll, fordern...

 
 

Crystal Meth: Neue S3-Leitlinie vorgestellt
Seit heute ist Deutschland das erste Land mit einer S3-Leitlinie, die Empfehlungen zum Umgang mit Crystal-Meth-Abhängigen macht. «Der...

Berufsstarter unter Stress: «Generation Z» schaltet auf Abwehr
Selbst Berufsstarter plagen sich laut einer Gesundheitsstudie schon häufig mit typischen Volkskrankheiten herum. Mehr als jeder dritte der...

UN entschuldigen sich für Cholera-Ausbruch in Haiti
Nach jahrelangem Zögern hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eine Schuld der Vereinten Nationen für den Cholera-Ausbruch 2010 in Haiti mit...

Drei Viertel der deutschen Männer essen zu viel Fleisch
Die meisten Deutschen essen deutlich mehr Fleisch, als für sie gesund wäre: 74 Prozent der Männer und 45 Prozent der Frauen überschreiten...

Welt-Aids-Tag: Impfstudie in Südafrika gestartet
Erstmals seit sieben Jahren soll eine potenzielle Impfung gegen HIV getestet werden. Teilnehmen an der randomisierten placebokontrollierten...

Hilfsmittel: BGH erlaubt Erlass der Zuzahlung
Händler dürfen bei der Abgabe ärztlich verordneter Hilfsmittel an gesetzlich Versicherte auf die Zuzahlung verzichten und auch mit diesem...

Innovationsfonds: Zwei Förderprojekte mit Apotheken
Unter den Projekten, die 2016 Mittel aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) erhalten, sind auch zwei mit...

Pflege: Gesetz soll bessere Beratung bringen
Die 2,8 Millionen Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen sollen künftig besser über Möglichkeiten der Pflege beraten werden. Kommunen...

Kammer: EuGH-Urteil gefährdet Patientensicherheit
Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Rx-Preisbindung erregt weiter...

Corticoid-Nasensprays: Rezeptfrei nur nach Erstdiagnose
Im Oktober wurden Nasensprays mit den Wirkstoffen Mometason und Fluticason aus der Verschreibungspflicht entlassen. Damit stehen neben...

Anhörung zum HHVG: Beinahe gut
Das geplante Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung (HHVG), das für mehr Transparenz und Qualität in diesem Markt sorgen...

PCSK9-Hemmer und das Diabetesrisiko
Möglicherweise erhöhen PCSK9-Antikörper wie Alirocumab und Evolocumab das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Die neue Klasse von...

Blaue Hand: Neues Logo für Schulungsmaterial
Damit wichtiges Schulungsmaterial zu Medikamenten nicht mit Werbung verwechselt wird, gibt es künftig ein neues Logo zur Kennzeichnung: Die...

Computerspielsucht trifft vor allem Jungen und Männer
Knapp sechs Prozent der 12- bis 25-Jährigen in Deutschland zeigen nach einer Krankenkassen-Studie Anzeichen einer Computerspielsucht....

Psychologe: Schlafmangel führt zu «sozialem Jetlag»
4,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) an...

Welt-Aids-Tag: UN warnen vor Anstieg von Neuinfektionen
Die Zahl der jährlich neuen HIV-Infektionen unter Jugendlichen könnte nach Schätzungen der Vereinten Nationen im Jahr 2030 bis zu 400.000...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU