Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

«Versorgung Asylsuchender ist immense Herausforderung»

NACHRICHTEN

 
«Versorgung Asylsuchender ist immense Herausforderung»
 


Die Flüchtlingskrise beschäftigt auch die Heilberufler in Sachsen-Anhalt. Bei deren Neujahrsempfang in Magdeburg betonten der Präsident der Landesapothekerkammer, Dr. Jens-Andreas Münch, und die Präsidentin der Ärztekammer, Dr. Simone Heinemann-Meerz: «Die medizinische Versorgung ist eine immense Herausforderung, die die Heilberufler des Landes Sachsen-Anhalt gern annehmen.»
 
Flüchtlinge in Deutschland können Gesundheitsleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz in Anspruch nehmen. Die Umsetzung des Gesetzes auf kommunaler Ebene verlaufe jedoch recht unterschiedlich. Dass nicht geklärt sei, welche Leistungen vom Land, den Landkreisen und den Städten übernommen werden, verunsichere Ärzte und Apotheker gleichermaßen. «Wir fordern eine einheitliche und weitgehend unbürokratische Möglichkeit der Versorgung bei gleichzeitig landesweiter Einführung der Gesundheitskarte», so Münch. Es dürfe nicht so weit kommen, dass Heilberufler, die Flüchtlinge versorgen, auf den Kosten der Behandlung oder des Rezeptes sitzen bleiben. Auch müsse ein länderübergreifender Datenaustausch sichergestellt werden.
 
Flüchtlinge ließen sich zum Teil mehr als ein Mal registrieren und würden dadurch oft auch mehrfach (wieder)geimpft, so Heinemann-Meerz. Das sei nicht hinnehmbar, zumal es die Ressourcen im Gesundheitswesen zusätzlich belaste. Unumgänglich sei zudem die Etablierung von Strategien zur besseren sprachlichen Verständigung mit Flüchtlingen. Zwar stünden in Arztpraxen und Apotheken Fragebögen oder Merkblätter beispielsweise auf arabisch zur Verfügung, doch sei dies für eine adäquate Versorgung meist nicht ausreichend.
 
Der gesetzlich geforderten umfassenden Aufklärung über Diagnose und Therapiemaßnahmen könne bislang aufgrund von Sprachproblemen oftmals nicht Rechnung getragen werden, unterstrich der Vorsitzende des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt, Dr. Burkhard John. Er plädierte für die Einrichtung von zentralen Anlaufstellen mit Dolmetschern. Sollte die Flüchtlingskrise anhalten, sei auch eine Aufstockung der Hausarztsitze unumgänglich, zumal die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung in vielen Bereichen schon heute nicht mehr gewährleistet sei. 
 
Insbesondere die zur Notfallbehandlung verpflichteten Zahnärzte seien im direkten Konflikt mit der gesetzlichen Vorgabe zur Wahrung der Patientenrechte, unterstrich der Präsident der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Frank Dreihaupt. Zahnärzte stünden angesichts mangelnder Sprachkenntnisse von Asylsuchenden in Notfällen oftmals mit einem halben Bein im Gefängnis, da Patienten nur nach ausreichender Aufklärung über Risiken behandelt werden dürften. Auf der Suche nach Lösungen habe er von der Politik bisher jedoch keine Antworten bekommen. «Wir fühlen uns von der Politik allein gelassen.»
 
Für ihr Engagement in der Flüchtlingskrise dankte Norbert Bischoff, Minister für Arbeit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt, den Apothekern und Ärzten. «Eine Zeit wie diese, in der Menschen durch viele Länder ziehen, um eine Heimat zu finden, war noch nie da. Nun ist Mut angesagt, das Miteinander zu klären, damit alle in Freiheit und Würde leben können», sagte er. (cb)
 
14.01.2016 l PZ
Foto: Fotolia/napatcha
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Große Studie: Herzrisiko von NSAR neu beurteilt

Klassische nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) und Hemmer der Cyclooxygenase (COX) 2 können das Risiko für eine Herzinsuffizienz...



DAV und AXA vereinbaren Arzneiberatung

Ab Oktober können Vollversicherte Kunden der privaten Krankenversicherungen AXA und DBV in vielen Apotheken einen neuen Service in Anspruch...



Ärzte-Kritik an Gröhe wegen «Eingriff in die Selbstverwaltung»

Die Bundesärztekammer (BÄK) hat Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) massive Eingriffe in die Selbstverwaltung des Gesundheitswesens...



Neue Köpfe im BAH-Vorstand

Die Führungsspitze bleibt, eine Etage darunter gibt es neue Gesichter. Nach der Mitgliederversammlung des Bundesverbandes der...

 
 

Rivaroxaban: Neue Zweifel an Zulassungsstudie
Ging bei der Zulassungsstudie des Gerinnungshemmers Rivaroxaban (Xarelto®) alles mit rechten Dingen zu? Das «British Medical...

Private Krankenversicherungen: Höhere Beiträge in Sicht
Viele privat Krankenversicherte müssen nach einem Medienbericht bald mit zum Teil massiven Beitragserhöhungen rechnen. Nach Informationen...

Studie: Herzinfarkt-Vorwissen kann Leben retten
Wer Symptome eines Herzinfarkts kennt, kann im Ernstfall einen lebensrettenden Zeitvorsprung haben. Zu diesem Ergebnis kommt der Deutschen...

Ärzte und Kassen: Keine Finanzprobleme durch Flüchtlinge
Krankenkassen und Ärzteschaft sind Darstellungen der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry entgegengetreten, es gebe im deutschen Gesundheitssystem...

Medikationsplan: Fachärzte wollen Apotheker einbinden
Die Apotheker haben kürzlich mit Blick auf die für den 1. Oktober geplante Einführung des bundeseinheitlichen Medikationsplans erneut ihrem...

ZB Med: Die Linke sieht Zukunft düster
Gelingt der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin (ZB Med) bis Ende 2019 der Umbau von der klassischen Bücherei zum modernen...

Leukämie: Alter Bekannter wird neues Target
Forscher haben ein neues Angriffsziel für Arzneistoffe zur Behandlung der akuten myeloischen Leukämie (AML) identifiziert. Wie ein von...

Arzneimittelverschrei­bungen: Apotheker darf ergänzen
Apotheker dürfen künftig ein Rezept um den fehlenden Vornamen und die Telefonnummer des verordnenden Arztes eigenverantwortlich ergänzen....

Masern in Amerika offiziell für ausgerottet erklärt
Der amerikanische Kontinent ist offiziell komplett frei von Masern. «Das ist ein historischer Tag für die Region und auch für die Welt»,...

Kerntransfer: Baby mit Erbgut dreier Menschen geboren
Unter Federführung US-amerikanischer Ärzte ist erstmals ein Baby zur Welt gekommen, das mittels Kerntransfer drei genetische Eltern hat....

Schulpsychologen: Bedarf erheblich höher als Angebot
In vielen Schulen ist die Versorgung mit Schulpsychologen aus Sicht ihres Berufsverbands nur mangelhaft. «Wir können in den letzten Jahren...

Glücksspielsucht: Experten wollen Prävention fördern
Menschen mit Glücksspielsucht und ihre Angehörigen sollten öfter die Beratungsstellen um Hilfe bitten. Dazu hat heute in Potsdam...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU