Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Tropenkrankheit Melioidose verbreiteter als geglaubt

NACHRICHTEN

 
Tropenkrankheit Melioidose verbreiteter als geglaubt
 


Die Melioidose, eine durch das Bakterium Burkholderia pseudomallei verursachte, potenziell tödliche Erkrankung, ist weltweit offenbar deutlich weiter verbreitet als bislang angenommen. Zu diesem Schluss kommt ein Autorenteam um Dr. Direk Limmathurotsakul von der Universität Oxford, das die Ergebnisse einer «evidenzbasierten Vorhersage» in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals «Nature Microbiology» veröffentlichte. Demnach tritt der Erreger außer in den 45 Ländern, von denen das bekannt ist, höchstwahrscheinlich auch in 34 weiteren auf, vornehmlich in Afrika, Asien und Südamerika. Die Autoren schätzen, dass jährlich 89.000 Menschen an Melioidose sterben – fast so viele wie an den Masern.
 
B. pseudomallei ist ein Saprophyt, also ein Bakterium, das sich von totem organischem Material ernährt. Es lebt im Boden und in Oberflächenwasser in den Tropen und Subtropen. Menschen infizieren sich durch direkten Kontakt, etwa beim Bestellen von Reisfeldern. Der Erreger dringt meist durch kleinste Hautläsionen in den Körper ein, aber auch die Inhalation oder das Verschlucken von kontaminiertem Staub sind mögliche Infektionswege. Laut Robert-Koch-Institut ist die Inkubationszeit sehr unterschiedlich und kann lediglich zwei Tage, aber auch bis zu mehrere Jahre betragen.
 
Melioidose, Pseudorotz oder auf Englisch auch Whitmore’s Disease manifestiert sich zunächst als kleiner Knoten in der Haut an der Eintrittsstelle des Erregers mit Schwellung der lokalen Lymphknoten. Die Patienten haben Fieber und fühlen sich krank. Die lokalisierte Infektion kann rasch in eine generalisierte Form übergehen mit Abszessen am ganzen Körper und häufig auch einer Beteiligung der Lunge. Diese verläuft oft tödlich, auch bei antibiotischer Therapie. Immunsupprimierte, Diabetiker, Patienten mit chronischer Nierenerkrankung und Menschen mit exzessivem Alkoholkonsum sind besonders gefährdet, an einer Melioidose zu erkranken.
 
Laut Limmathurotsakul liegen die globalen Hotspots mit dem höchsten Infektionsrisiko in Südost- und Südasien, dem tropischen Australien, dem westlichen Afrika südlich der Sahara und Südamerika. Daneben ist in Zentralamerika, dem südlichen Afrika und dem mittleren Osten von einem beträchtlichen Risiko auszugehen. Die Autoren glauben, dass die Melioidose selbst in Ländern, in denen sie bekanntermaßen vorkommt, aufgrund des schwierigen Nachweises stark unterdiagnostiziert ist.
 
Sie erstellten auf Basis der gemeldeten Fälle von 1910 bis 2014 eine Weltkarte des Erregers, wobei sie das Vorkommen auf Planquadrate von 5 x 5 km2 genau erfassten. Anhand der Bodenzusammensetzung schätzten sie die Wahrscheinlichkeit ab, mit der B. pseudomallei dort überdauert. Auf diese Weise identifizierten sie eine Reihe von Staaten, in denen der Erreger höchstwahrscheinlich endemisch ist, auch wenn er dort noch nie nachgewiesen wurde. Dort und in den Ländern mit bereits bekanntem Vorkommen sollte der Erkrankung aus ihrer Sicht stärkere Aufmerksamkeit zukommen. (am)
 
DOI: 10.1038/NMICROBIOL.2015.8
 
12.01.2016 l PZ
Foto: Fotolia/ALCE
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Homöopathie: FDA warnt vor Belladonna-Produkten

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA warnt vor homöopathischen Arzneimitteln, die auf Basis der schwarzen Tollkirsche (Atropa...



Rx-Boni: Gerichtsverfahren hat sich erledigt

Die Wettbewerbszentrale wird das Verfahren zu Rx-Boni vor dem Oberlandesgericht...



Mehr Diabetiker als vermutet: Jeder Zehnte leidet daran

In Deutschland leben mehr Menschen mit Diabetes als bisher geschätzt: Inzwischen leidet rund jeder zehnte Bundesbürger mit einer...



GKV: Finanzplus lässt auf stabilen Zusatzbeitrag hoffen

Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr ein Finanzplus von rund 1,4 Milliarden Euro eingefahren. Das Geldpolster der...

 
 

Rx-Versandverbot: Ressorts sind sich nicht einig
Das von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geplante Versandverbot für verschreibungspflichtige Medikamente ist nach wie vor...

Stada: Erstes verbindliches Übernahmeangebot eingegangen
Der Pharmakonzern Stada hat heute das erste rechtlich verbindliches Übernahmeangebot erhalten. Laut Ad-hoc-Meldung von Stada umfasst die...

WHO: Immer mehr Menschen leiden an Depressionen
Die Zahl der Menschen mit Depressionen steigt weltweit rasant. Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren 2015 rund 322...

Farbige Fun-Kontaktlinsen: Fragwürdiger Fastnachtsspaß
Freiverkäufliche Fun- oder Crazylinsen sollten nur so kurz wie möglich im Auge gelassen und am besten unter augenärztlicher Kontrolle...

Krankenkassen wollen Zyto-Ausschreibungen behalten
Die deutschen Krankenkassen ziehen alle Register, um das geplante Ende der Zyto-Ausschreibungen zu verhindern. In einem Schreiben an die...

Depressionen: Merkel sieht Aufklärungs- und Handlungsbedarf
Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht großen Handlungsbedarf für die Aufklärung über Depressionen – und für Gespräche mit Arbeitgebern...

Studie: Image der Pharmaindustrie bleibt schlecht
Die Pharmaindustrie hat weiterhin ein schlechtes Image. Nach Ansicht von fast drei Vierteln der Deutschen (73 Prozent) ist die Branche vor...

Alkohol an Karneval: Risiken nicht verharmlosen
Gerade im Karneval herrscht beim Alkohol oft Narrenfreiheit. Psychiater und Suchtexperte Darius Chahmoradi Tabatabai, Chefarzt am Vivantes...

Grippewelle: Höhepunkt wohl überschritten
Die schlimmste Phase der Grippesaison in Deutschland ist wahrscheinlich überstanden. Die Welle halte zwar an, allerdings scheine der...

Morbus Fabry: Selten und häufig übersehen
Bis zur Diagnose der seltenen Erkrankung Morbus Fabry vergehen im Schnitt 13 bis 18 Jahre. «Bei jungen Patienten mit Schlaganfall sowie bei...

Philippinen: Terrorgefahr für Apotheker ohne Grenzen
Hilfsorganisationen sollen ihre deutschen Mitarbeiter wegen akuter Terrorgefahr von der philippinischen Insel Mindanao abziehen. Nach...

Orphan Disease: Herausforderung für Arzt und Patient
Etwa vier Millionen Menschen in Deutschland haben besondere Symptome. Sie stellen Ärzte oft jahrelang vor Rätsel, bis klar ist: Der Patient...

Kinder: Psychotherapie zu Hause statt in der Praxis
Psychiater und Psychotherapeuten wollen die Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher verbessern. Ein Kernelement sei dabei der...

Gröhe: Kindergesundheit besser und früher stärken
Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat eine gemeinsame Kraftanstrengung von Eltern, Kitas, Schulen, Ärzten sowie Verbänden gefordert,...

Stiftung Warentest: Gutes Urteil für teurere Inkontinenzhilfen
Die Stiftung Warentest hat 19 Inkontinenzhilfen im Labor und mit knapp 200 Männern und Frauen getestet. Neunmal gab es die Note «gut» – vor...

Nutzenbewertung: VdPP kritisiert EU-Pläne
Der Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VdPP) kritisiert die Initiative der EU-Kommission, das...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU