Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Demenz: Leitlinie liefert Empfehlungen zur Ernährung

NACHRICHTEN

 
Demenz: Leitlinie liefert Empfehlungen zur Ernährung
 


Ältere Menschen mit Demenz haben ein erhöhtes Risiko für eine Mangelernährung. Daher sollte jeder Demenzpatient auf eine Malnutrition überprüft und sein Körpergewicht engmaschig kontrolliert werden. Dies empfiehlt eine Autorengruppe der Europäischen Fachgesellschaft für klinische Ernährung und Stoffwechsel (ESPEN) in der ersten evidenzbasierten Leitlinie zum Umgang mit Ernährungsproblemen bei Demenz. Unter Federführung von Dr. Dorothee Volkert, Professorin für Ernährung im Alter am Institut für Biomedizin des Alterns an der Universität Erlangen-Nürnberg, haben die Experten 26 konsentierte Empfehlungen im Fachjournal «Clinical Nutrition» publiziert.
 
Zur Optimierung der Ernährungssituation sei neben einem regelmäßigen Screening eine frühe Intervention bei Problemen wichtig. In allen Krankheitsstadien müsse die orale Ernährung gefördert und bei Bedarf pflegerisch unterstützt werden, betonen die Autoren. Potenzielle Ursachen von Mangelernährung zu erkennen und zu eliminieren und ansprechende Mahlzeiten in einer angenehmen Umgebung anzubieten, gehört zu den Basismaßnahmen. Eine systematische Gabe von appetitsteigernden Mitteln lehnen die Autoren ab.
 
Einzelne Nährstoffe können laut Leitlinie zum Ausgleich eines nachgewiesenen Mangels, aber nicht zur Verlangsamung des kognitiven Abbaus supplementiert werden. Künstliche Ernährung wird nur bei Personen mit leichter bis mittelschwerer Demenz als zeitlich begrenzte Maßnahme zur Überwindung einer Krisensituation empfohlen. Bei Patienten mit fortgeschrittener Demenz oder in der terminalen Lebensphase sollte künstliche Ernährung nicht eingesetzt werden. Die Experten betonen aber, dass jede Entscheidung individuell zu treffen ist. Dabei müssten sowohl Nutzen als auch der (mutmaßliche) Patientenwille und die generelle Prognose berücksichtigt werden. (bmg)
 
Lesen Sie dazu auch
ESPEN-Leitlinie zur Ernährung bei Demenz (in englischer Sprache; externer Link)
 
Mehr zum Thema Alzheimer und Demenz
 
07.01.2016 l PZ
Foto: Fotolia/Alexander Raths
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Hepatitis C: Zwei neue Mittel zur Zulassung empfohlen

Epclusa® und Zepatier® heißen zwei neue Arzneimittel, die aller Voraussicht nach bald die therapeutischen Optionen...



Arzneiformen für Kinder: Todesurteil für die Parabene

Kommt jetzt das Aus für die Parabene? Professor Dr. Jörg Breitkreutz (Foto) vom Institut für Pharmazeutische Technologie der...



ASS bei Kindern: Das muss kein Fehler sein

Viele wissen, dass der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) wegen der Gefahr des Reye-Syndroms bei Kindern nicht eingesetzt werden sollte....



Generika: EU-Parlament will Produktion stärken

Das EU-Parlament will den Generikamarkt stärken und hat die EU-Kommission zu einer entsprechenden Gesetzesänderung aufgefordert. Das teilte...

 
 

Phase-I-Studien: EMA überarbeitet Vorschriften
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) stellt die Vorschriften auf den Prüfstand, die gelten, wenn Arzneistoffe zum ersten Mal an...

Chronische Sinusitis: Nasen-Mikrobiom ist nicht schuld
Die Zusammensetzung der Bakterien in der Nasenhöhle unterscheidet sich bei Menschen, die an einer chronischen Entzündung der...

Tierhaltung: EMA will Colistin-Einsatz beschränken
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) will dafür sorgen, dass der veterinärmedizinische Einsatz des Antibiotikums Colistin in Europa...

Heimversorgung: Lagerraum als Arbeitsstätte zulässig
Apotheken dürfen die Heimversorgung auch von einem externen angemieteten Lagerraum aus regeln. Das hat das Bundesverwaltungsgericht...

Polymedikation bei Senioren: Merkkarte unterstützt Apotheker
Senioren haben grundsätzlich ein höheres Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen als jüngere Menschen, weil sie häufig mehrere...

Ärzte gegen Übergewicht: Softdrink-Steuer soll Trend stoppen
Im Kampf gegen Übergewicht haben Ärzte eine Softdrink-Steuer, mehr Schulsport und Ernährungskunde als Unterrichtsfach vorgeschlagen. Mehr...

Noch mehr Meldungen...













DIREKT ZU