Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

Krankenkassen und Ärzte wollen «schärferes» AMNOG

NACHRICHTEN

 
Krankenkassen und Ärzte wollen «schärferes» AMNOG
 


Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) drängen die Bundesregierung zu einer erneuten Reform des Arzneimittelmarktes, um die immensen Ausgabensteigerungen in den Griff zu bekommen. Unterstützung bekommen sie dabei von der Bundesärztekammer (BÄK). Krankenkassen wie Ärzteschaft halten das vor fünf Jahren in Kraft getretene Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG) zwar für einen guten Ansatz. Doch müsse es dringend «nachgeschärft» werden.
 
«Das entscheidende Problem ist, dass wir nach wie vor das erste Jahr mit freier Preisbildung haben», sagte die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, der Nachrichtenagentur dpa. Nach einem Jahr vereinbaren Krankenkassen und Hersteller einen Erstattungsbetrag. Bis zu dieser Vereinbarung könnten Hersteller «Fantasiepreise» für neue Medikamente verlangen.
 
Seit Inkrafttreten des AMNOG richten sich die Preise nach dem Zusatznutzen neuer Präparate gegenüber solchen, die schon auf dem Markt sind. Allerdings können die Pharmaunternehmen im ersten Jahr Preise nach eigenem Gutdünken nehmen, bis ein Erstattungsbetrag zwischen Herstellern und GKV-Spitzenverband ausgehandelt ist.
 
Pfeiffer bekräftigte die Forderung der Krankenkassen: «Wir sind der Meinung, dass man eine Rückwirkung für die vereinbarten Preise braucht. Mindestens aber bei den Produkten, die keinen Zusatznutzen gegenüber auf dem Markt befindlichen Präparaten haben.» Zudem müsse genauer festgelegt werden, für welche Zielgruppe ein neues Medikament tatsächlich einen Zusatznutzen habe. Sovaldi etwa wirke nicht bei allen an Hepatitis C erkrankten Menschen gleichermaßen. Aber die Kassen müssten den hohen Preis für alle Erkrankten ausgeben.
 
BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery sagte der dpa, die Pharmaindustrie nutze die Bestimmungen des AMNOG für ihre Zwecke aus. Wenn es stimme, dass Herstellungs- und Vertriebskosten für eine Therapie mit dem anerkanntermaßen sehr wirksamen Hepatitis-C-Präparat Sovaldi tatsächlich bei 1500 Euro liegen, die Therapie am Anfang 60.000 Euro koste und nach Verhandlungen mit den Krankenkassen immer noch 45.000 Euro, «dann ist das einfach unanständig. Sowas darf nicht sein». Montgomery kündigte an, man wolle auf dem nächsten Ärztetag über ethische Preisbildungen von Medikamenten reden.
 
Die Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), Ulrike Elsner, sagte der dpa, die hohen Arzneimittelpreise würden sich auch auf die Entwicklung der Beitragssätze für die GKV auswirken. «Da erwarte ich mir schon für das Jahr 2016 noch ein Gesetzgebungsverfahren, das diese Themen aufgreift.» Sie fügte hinzu: «Sorge bereiten mir die hohen Preise für patentgeschützte Arzneimittel. Ihr Umsatz ist auf 14,8 Milliarden Euro oder 44 Prozent der Arzneimittelausgaben gestiegen, obwohl sie nur 7 Prozent der Verordnungen ausmachen.»
 
Die Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, sagte der dpa: «Wir wollen Fortschritt und die Pharmaindustrie soll auch vernünftige Gewinne machen. Aber es muss einen Schutz für die Beitragszahler gegen Mondpreise geben.» Das AMNOG müsse deshalb so weiterentwickelt werden, dass die Krankenkassen bei der Preisgestaltung ein stärkeres Gegengewicht gegenüber der Industrie bildeten. Baas zeigte zugleich Verständnis für die Position der Industrie, die die rabattierten Preise gerne geheim halten wolle. Denn wenn die Preise öffentlich seien, würden sie als Basis genommen für die ganze Welt, zumindest aber für Europa. Die TK schlägt deshalb die Möglichkeit vor, die Preisverhandlungen, etwa über eine Rabattierung, geheim zu führen.
 
04.01.2016 l dpa
Foto: Fotolia/psdesign1
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Nebenwirkung: Statine schützen vor Thrombose

Statine senken nicht nur die Cholesterol-Werte. Britische Forscher fanden nun eine weitere Wirkung der Präparate: Sie helfen,...



Onkologen: Daumen hoch für Biosimilars

Die European Society for Medical Oncology (ESMO) hebt in ihrem aktuellen Positionspapier die Bedeutung von Biosimilars hervor. Wie die...



USA: Neues Peptid gegen chronische Verstopfung zugelassen

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat ein neues Medikament zur Behandlung der chronischen idiopathischen Obstipation bei Erwachsenen...



Rx-Versandverbot: EU-Kommissar zeigt sich offen

Bei seinem Gesprächsbesuch am Donnerstag im Gesundheitsausschuss des Bundestags äußerte sich der litauische EU-Kommissar

 
 

Chemotherapie: Kühler Kopf vermindert Haarausfall
Kopfhautkühlung und Kompressionstherapie: Diese beiden einfachen und wirksamen Supportiv-Maßnahmen für Krebspatienten stellte Professor Dr....

Selbstverwaltung: Kassen kritisieren Gröhe-Vorstoß
Die gesetzlichen Krankenkassen haben die von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geplanten Eingriffe in das Selbstverwaltungsrecht im...

Tschechien gibt grünes Licht für striktes Rauchverbot
Das Aus für eine der letzten Raucheroasen Europas ist beschlossene Sache: Das tschechische Parlament hat nach jahrelangen Debatten ein...

100. Sitzung: G-BA zieht positive Bilanz

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) kann mit seiner in den vergangenen Jahren geleisteten Arbeit zufrieden sein. Das sagte der...

NEM: Verbraucherschützer fordern Zulassungspflicht
Täglich eine Magnesiumtablette, ein paar extra Vitamine und etwas Zink soll ja auch nicht schaden: Die Einnahme von...

Cannabis auf Rezept: Bundestag stimmt zu
Menschen mit schweren Krankheiten können medizinisches Cannabis künftig auf Kassenrezept bekommen. Das hat der Bundestag heute beschlossen....

Bei Erkältung Vitamin C und Zink
Vor allem in der Erkältungssaison haben Präparate mit der Kombination Vitamin C und Zink Hochkonjunktur. Ob sie tatsächlich etwas bringen,...

Brustkrebs: Schlafstörungen vermindern Überlebenszeit
Schlafstörungen können die Lebensqualität, aber auch die Prognose von Frauen mit metastasiertem Brustkrebs beeinträchtigen und sollten...

Magnesium-Präparate: Oft viel zu hoch dosiert
Einer Stichprobe der Verbraucherzentralen zufolge sind 6 von 10 Magnesium-haltige Nahrungsergänzungsmittel überdosiert. Das teilte der...

Lunge: Feinstaub aktiviert latente Herpes-Infektion
Nanopartikel aus Autoabgasen können ruhende Herpes-Viren in der Lunge aufwecken und so einen Ausbruch der Infektion auslösen. Forscher des...

Grippewelle: Schutzimpfung für Ältere dringend empfohlen
Angesichts der starken Grippewelle in Deutschland hat der Präsident des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) Menschen über 60 Jahren zur...

Jede zweite Frau und jeder vierte Mann werden älter als 85
Knapp die Hälfte aller Frauen, die 2015 in Deutschland starben, waren über 85 Jahre alt. Nur ein Viertel der verstorbenen Männer wurde so...

Therapieallergene: Endlich evidenzbasiert
Allergiker erhalten häufig eine spezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt. Die dafür benötigten Therapieallergene wurden...

Wirkstoffpflaster: Vor Anwendung beraten lassen
Wer statt Tabletten zu schlucken seine Medikamente lieber per Wirkstoffpflaster zu sich nimmt, sollte sich vor der Anwendung beraten...

Stiftungen und Regierungen bilden Allianz gegen Epidemien
Zum Kampf gegen Epidemien wie Ebola oder Sars hat Microsoft-Gründer Bill Gates mit der Wellcome-Stiftung und auch der Bundesregierung eine...

Insulin plus GLP-1-Agonist: Kombipräparat zugelassen
Die EU-Kommission hat mit Suliqua® ein neues Kombinationspräparat für Typ-2-Diabetiker zugelassen. Es enthält das Basalinsulin...

Creutzfeldt-Jakob-Krankheit: Neue Variante nachgewiesen
Mehr als 20 Jahre nach dem Auftreten erster Fälle der Creutzfeldt-Jakob-Variante vCJK haben Mediziner eine neue Form der Erkrankung...

Mittelohrentzündung: Analgetika statt Antibiotika
Eine akute Entzündung des Mittelohrs ist im Kindesalter der häufigste Grund für Ohrenschmerzen. Die Erkrankung verläuft in der Regel...

Gesundheitsausschuss: EU-Kommissar beantwortet Fragen
Der EU-Kommissar für Gesundheit, Vytenis Andriukaitis (Foto), kommt am 19. Januar im Rahmen seines Berlinbesuchs auch zum Gespräch in den...

Studie: 83 Prozent glauben, dass andere sie schön finden
Viele Menschen hierzulande glauben, dass ihre Bekannten sie als attraktiv einschätzen würden. Allerdings gibt es eine große Diskrepanz...

Bindehautentzündung: Besser keine Therapie in Eigenregie
Eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) sollten Betroffene nicht in Eigenregie behandeln. Wie die Apothekerkammer Niedersachsen mitteilt,...

Pneumokokken: Unzureichende Impfrate
Pneumokokken-Infektionen sind keine banalen Erkrankungen. Dennoch lassen sich immer noch viel zu wenige Menschen gegen diese Erkrankungen...

Nurofen-Fiebersaft: Falsche Deklaration auf einigen Flaschen
Seit März 2016 darf Nurofen® Junior Fieber- und Schmerzsaft (40 mg/ml Suspesion zum Einnehmen) auch bei Kindern ab einem...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU