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ZL-Untersuchung: Wie stabil ist Salicylsäure-Öl?

PHARMAZIE

 
ZL-Untersuchung

Wie stabil ist Salicylsäure-Öl?


Von Mona Abdel-Tawab, Iska Krüger, Holger Latsch und Annette Plettenberg-Höhr / Das Zentrallaboratorium (ZL) hat in Zusammen­arbeit mit dem Neuen Rezeptur Formularium (DAC/NRF) Salicylsäure-Öl 2 Prozent hinsichtlich seiner Stabilität bei unterschiedlichen Lagerungsbedingungen untersucht. Insgesamt zeigte die Zubereitung eine sehr gute Stabilität.

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Salicylsäure ist ein in der Apothekenpraxis häufig eingesetzter Arzneistoff, der in öligen und wässrigen Lösungen und Suspensionen sowie in halbfesten Zubereitungen wie Cremes, Salben oder Pasten in einer Konzentration von 1 bis 20 Prozent als Antiseptikum und Keratolytikum Verwendung findet. Die obere Richtkonzentration für die großflächige Anwendung liegt bei 3 Prozent. Der rezeptierbare pH-Bereich liegt unterhalb von 3.

 

Die Zubereitung Salicylsäure-Öl 2 Prozent des DAC/NRF enthält den Wirkstoff Salicylsäure, der in dem Lösungsmittel Octyldodecanol vollständig gelöst vorliegt. Mit zunehmender Konzentration an Salicylsäure nimmt jedoch die Löslichkeit von Salicylsäure in Octyldodecanol ab, weshalb in der 10-prozentigen Variante ein Teil des Octyldodecanols durch affiniertes Rizinusöl ersetzt ist.

 

Herstellung und Prüfbedingungen

 

Die Salicylsäure-Lösungen wurden gemäß NRF-Monographie 11.44. im Becherglas unter Erwärmen hergestellt, wobei während des Rührvorgangs eine Temperatur zwischen 65 und 75 °C eingehalten wurde. 




Schuppenflechte ist eines der Anwendungsgebiete, bei denen ölhaltige Salicylsäure-Zubereitungen zum Einsatz kommen.

Foto: Fotolia/hriana


Die fertige Lösung war frei von ungelösten Rückständen und besaß ein viskoses und farbloses Aussehen. Als Packmittel wurden gemäß der Empfehlung des NRF Tropfflaschen aus Braunglas mit ölfester Pipettenmontur (Pipetten­flasche) und Tropfflaschen aus Polyethylen mit olivenförmigem Tropf­einsatz und Verschlusskappe (Kunststoff­flasche) verwendet.

 

Die Lagerung der Rezepturen erfolgte im Klimaschrank bei 25 °C/60 Prozent relativer Feuchte (r. F.) und 40 °C/75 Prozent r. F. sowie im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten in Pipettenflaschen und Kunststoff­flaschen. Ein Teil der Rezepturen wurde arbeitstäglich geöffnet und eine kleine Menge Lösung entnommen, um die tägliche Entnahme durch den Patienten zu simulieren (In-Use-Stabilität). Der Wirkstoffgehalt dieser Muster wurde nach sieben, 14, 21 und 28 Tagen (d) sowie nach drei Monaten (m) untersucht. Der andere Teil der Rezepturen blieb bis zum jeweiligen Untersuchungszeitpunkt (28 Tage, drei und sechs Monate) verschlossen (Tabelle 1).

 

Die Untersuchung des Wirkstoff­gehalts erfolgte in Doppelbestimmung, das heißt jedem Muster wurden zwei Proben zu etwa 200 mg entnommen, aufgearbeitet und mittels HPLC und UV-Detektion gemäß einer im ZL validierten Methode untersucht. Eine Übersicht über die Lagerungsbedingungen zeigt die Tabelle.


Tabelle 1: Lagerungsbedingungen und Probenahme

Proben- Bezeich-
nung
 
Verwendetes Packmittel Lagerungsbedingungen  
Pipettenflasche Kühlschrank
(2 bis 8 °C) 
In-Use über
vier Wochen (tägliche
Entnahme-Simulation) 
Kunststoffflasche Kühlschrank
(2 bis 8 °C) 
In-Use über
vier Wochen (tägliche
Entnahme-Simulation) 
Pipettenflasche Klimaschrank
(25 °C; 60 % r. F.) 
In-Use über
vier Wochen (tägliche
Entnahme-Simulation) 
Kunststoffflasche Klimaschrank
(25 °C; 60 % r. F.) 
In-Use über
vier Wochen (tägliche
Entnahme-Simulation) 
Pipettenflasche Kühlschrank
(2 °C bis 8 °C) 
ungeöffnet über
drei Monate 
Kunststoffflasche Kühlschrank
(2 °C bis 8 °C) 
ungeöffnet über
drei Monate 
Pipettenflasche Klimaschrank
(40 °C; 75 % r. F.) 
ungeöffnet über
drei Monate 
Kunststoffflasche Klimaschrank
(40 °C; 75 % r. F.) 
ungeöffnet über
drei Monate 
Pipettenflasche Klimaschrank
(25 °C; 60 % r. F.) 
ungeöffnet über
drei Monate 
10 Kunststoffflasche Klimaschrank
(25 °C; 60 % r. F.) 
ungeöffnet über
drei Monate 
11 Pipettenflasche Kühlschrank
(2 °C bis 8 °C) 
ungeöffnet über
sechs Monate 
12 Kunststoffflasche Kühlschrank
(2 °C bis 8 °C) 
ungeöffnet über
sechs Monate 
13 Pipettenflasche Klimaschrank
(40 °C; 75 % r. F.) 
ungeöffnet über
sechs Monate 
14 Kunststoffflasche Klimaschrank
(40 °C; 75 % r. F.) 
ungeöffnet über
sechs Monate 
15 Pipettenflasche Klimaschrank
(2 °C; 60 % r. F.) 
ungeöffnet über
sechs Monate 
16 Kunststoffflasche Klimaschrank
(2 °C; 60 % r. F.) 
ungeöffnet über
sechs Monate 

Ergebnisse

 

Der Gehalt der Salicylsäure in Salicylsäure-Öl 2 Prozent (NRF 11.44.) lag bei allen Mustern, die bei Raumtemperatur oder im Kühlschrank gelagert wurden, zu jedem Prüfzeitpunkt innerhalb der Spezifikation von 90,0 bis 110,0 Prozent. Auch das Öffnen eines Teils der Rezepturen während der ersten vier Wochen hatte keinen Einfluss auf die Wirkstoffstabilität.

 

Anders jedoch sahen die Ergebnisse bei Lagerung der Rezepturen bei 40 °C und 70 Prozent r. F. aus. Hier zeigte sich eine Abhängigkeit der Salicylsäure-Stabilität in Octyldodecanol zugunsten der Pipettenflasche. Während der Salicylsäure-Gehalt in den Pipettenflaschen nach dreimonatiger beziehungsweise sechsmonatiger Lagerung noch bei 98,4 beziehungsweise 97,3 Prozent lag und somit die Akzeptanzgrenze von 90,0 bis 110,0 Prozent einhielt, sank der Salicylsäure-Gehalt auf 87,0 beziehungsweise 86,3 Prozent, wenn die ölige Lösung in eine Tropfflasche aus Polyethylen mit olivenförmigem Tropf­einsatz und Verschlusskappe abgefüllt worden war.


Tabelle 2: Ergebnisse der Stabilitätsstudie

Rezepturen Lagerung bei 25 °C; 60 % r.F. Lagerung bei 40 °C; 75 % r.F. Lagerung bei 2 – 8 °C 
Salicylsäure 2 % in Octyldodecanol (NRF 11.44.) Tropfflasche aus Braunglas mit ölfester Pipette Sechs Monate stabil Sechs Monate stabil Sechs Monate stabil 
Salicylsäure 2 % in Octyldodecanol (NRF 11.44.) Rundflasche aus Polyethylen mit ölivförmigem Tropfeinsatz und Verschlusskappe Sechs Monate stabil Lagerung maximal vier Wochen Sechs Monate stabil 

Schlussfolgerung

 

Insgesamt zeigte die Zubereitung eine sehr gute Stabilität, was die Angaben zur Haltbarkeit in NRF-Monographie 11.44. bestätigt. Während die Aufbrauchfrist für beide Gefäßarten auf sechs Monate beschränkt wird, wird die Laufzeit für die Glasflasche auf drei Jahre und für die Kunststoffflasche auf sechs Monate festgelegt. Dies ist der Tatsache geschuldet, das die Stabilität von Salicylsäure in beiden Packmitteln unterschiedlich ist. Es ist daher besonders für die Verwendung von Kunststoffgefäßen empfehlenswert, einen Lagerungshinweis auf dem Etikett anzubringen. Dieser sollte darauf hinweisen, dass die Zubereitung nicht über 25 °C zu lagern ist, da bei höheren Temperaturen mit einer Reduktion des Wirkstoffgehaltes zu rechnen ist. Eine Lagerung der Rezepturen im Kühlschrank erwies sich erwartungsgemäß als nicht notwendig, ist jedoch eine mögliche Option, da keine negativen Auswirkungen, ins­besondere kein Kristallwachstum, festgestellt wurde. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 52/53/2015

 

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