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Paracetamol-Vergiftung: Der Tod kommt langsam

PHARMAZIE

 
Paracetamol-Vergiftung

Der Tod kommt langsam

Von Daniela Biermann

 

Selbstmordversuche mit Paracetamol sind leider keine Seltenheit, doch sie enden selten tödlich. Um den Verbraucherschutz dennoch zu erhöhen, unterstehen größere Packungen in Zukunft der Verschreibungspflicht.

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Paracetamol wird zum 1. April 2009 in Packungsgrößen ab 10 Gramm verschreibungspflichtig. Ein Grund für diesen Beschluss des Bundesrats ist, lebensmüden Menschen den Zugang zu einer genügenden Dosis mit dem an sich gut verträglichen Schmerz- und Fiebermittel zu erschweren.

 

Etwa 4200 Fälle von Paracetamol-Vergiftungen wurden den deutschen Giftinformationszentren im Jahr 2006 gemeldet. Die Gesellschaft für klinische Toxikologie schätzt, dass etwa zwei Drittel davon in »selbstschädigender Absicht« erfolgten. Zum Vergleich: Im selben Jahr nahmen sich in Deutschland rund 9800 Menschen das Leben.

 

Wird ein Suizidversuch mit Paracetamol rechtzeitig entdeckt, sind die Chancen auf Rettung ausgesprochen gut: Von den 4200 Fällen ging nach Angaben der Giftinformationszentren nur einer tödlich aus. Ein Grund: Die Vergiftung ist gut zu behandeln, wenn sie früh genug entdeckt wird. Als Antidot steht N-Acetylcystein zur Verfügung. Die auch als Hustenlöser bekannte Substanz wird hoch dosiert als Infusion verabreicht. Einen Hinweis auf eine Vergiftung mit Paracetamol liefert auch der Verlauf. Innerhalb der ersten 24 Stunden nach Tabletteneinnahme sind die Symptome noch eher unauffällig: Übelkeit, Erbrechen, Blässe und Oberbauchbeschwerden treten auf. Danach aber steigen die Leberwerte typischerweise an, während die Gerinnungsfaktoren abfallen. Der Grund dafür ist die Schädigung der Leber. Ein Abbauprodukt des Paracetamols, das N-Acetyl-p-benzochinonimin, kann nicht mehr entgiftet werden, da die Glutathionspeicher aufgebraucht sind. Statt an das unschädliche Glutathion bindet der Metabolit nun an Proteine der Leberzellen, woraufhin diese absterben. Klinisch äußert sich das in Symptomen wie Gelbsucht, Unterzuckerung und gesteigerter Blutungsneigung. Nach etwa fünf Tagen kommt es zu Krämpfen, Kollaps, Koma und schließlich zum Tod.

 

Die Literaturangaben, ab welcher Menge eine akute Dosis Paracetamol tödlich wirkt, schwanken. Die Giftinformationszentrale in Mainz gibt sie mit 7,5 Gramm für einen Erwachsenen an. Je nach Körpergewicht und -größe sowie Vorschädigungen der Leber kann sie jedoch auch höher oder tiefer liegen.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 27/2008

 

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