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Typ-2-Diabetes: Empagliflozin sorgt für Furore

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Typ-2-Diabetes

Empagliflozin sorgt für Furore


Von Sven Siebenand, Stockholm / Erstmals hat ein Antidiabetikum in einer entsprechenden Endpunktstudie eine Reduktion des kardiovaskulären Risikos zeigen können. Gelungen ist dies dem SGLT-2-Hemmer Empagliflozin (Jardiance®). Bei der Vorstellung der Ergebnisse auf einer Tagung in Stockholm war die Fachwelt begeistert.

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EMPA-REG Outcome heißt die Studie, deren Ergebnisse vergangene Woche auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes in Stockholm vorgestellt wurden. Simultan zur Präsentation erschienen sie im Fachmagazin »New England Journal of Medicine« (DOI: 10.1056/NEJMoa1504720).




Unter Empagliflozin kam es in der Studie zu signifikant weniger Krankenhauseinweisungen aufgrund von Herzbeschwerden und Todesfällen jeglicher Ursache.

Foto: Fotolia/sudok1


Relatives Risiko gesenkt

 

Bei der Studie handelt es sich um eine multizentrische, randomisierte Doppelblindstudie mit 7020 Typ-2-Diabetikern, die ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko aufwiesen. Sie wurden über eine mittlere Dauer von 3,1 Jahren beobachtet. Die Studie war darauf ausgelegt, die Wirkung von Empagliflozin in einer Stärke von 10 oder 25 mg täglich plus Behandlung mit Standardtherapie im Vergleich zu Placebo plus Standardtherapie im Hinblick auf kardiovaskuläre Ereignisse zu beurteilen. Zur Standardtherapie zählten Antidiabetika und Medikamente zur Verringerung des kardiovaskulären Risikos, inklusive Blutdruck- und Blutfettsenker.

 

Der primäre Endpunkt galt als erreicht beim Eintreten des Todes aufgrund einer kardiovaskulären Ursache beziehungsweise beim Auftreten eines nicht tödlichen Herzinfarkts oder Schlaganfalls. Professor Dr. Silvio Inzucchi von der Yale University in New Haven stellte auf der Tagung die wichtigsten Ergebnisse vor.

 

Demnach trat der primäre Endpunkt in den beiden Empagliflozin-Gruppen bei insgesamt 490 von 4687 Patienten ein, das heißt bei 10,5 Prozent der Probanden. In der Placebo-Gruppe war dies bei etwa 12 Prozent der Fall (282 von 2333). »Das entspricht einer relativen Risikoreduktion von 14 Prozent«, so Inzucchi. Der Mediziner fügte hinzu, dass sich der Nutzen bereits nach wenigen Monaten nachweisen ließ.

 

Schlüsselt man den primären Endpunkt näher auf, zeigt sich, dass beim Auftreten nicht tödlicher Myokardinfarkte (4,8 versus 5,4 Prozent) beziehungsweise beim Schlaganfall (3,5 versus 3,0 Prozent) keine signifikanten Unterschiede zwischen Empagliflozin und Placebo erkennbar waren. Anders bei den Todesfällen aufgrund kardiovaskulärer Ursache: Diese traten unter Empagliflozin signifikant seltener ein als unter Placebo (3,7 versus 5,9 Prozent). Die relative Risikoreduktion beträgt somit 38 Prozent.

 

Der Referent informierte weiter, dass auch Krankenhauseinweisungen aufgrund von Herzbeschwerden unter zusätzlicher Gabe des SGLT-2-Hemmers signifikant seltener eintraten (2,7 versus 4,1 Prozent). Ebenso war der Unterschied bei den Todesfällen jeglicher Ursache signifikant (5,7 versus 8,3 Prozent). Die relativen Risikoreduktionen in diesen beiden Punkten betrugen 35 beziehungsweise 32 Prozent.

 

Dosis ist nicht entscheidend

 

»Hinsichtlich des kardiovaskulären Outcomes machte es kaum einen Unterschied, ob die Patienten mit 10 oder 25 mg Empagliflozin behandelt wurden«, sagte Inzucchi. In der Praxis sollte die Dosis daher vom Erreichen der metabolischen Zielwerte und dem Auftreten von Nebenwirkungen abhängig gemacht werden, empfehlen die Studienautoren in ihrer Veröffentlichung.

 

Das Verträglichkeitsprofil von Empagliflozin entsprach den Erwartungen aus früheren Studien. Wie Professor Dr. David Fitchett von der University of Toronto informierte, waren Genital­infektionen das häufigste Problem in den Verumgruppen. »Rund einer von 20 Patienten erkrankte daran, allerdings musste nur ein Zehntel dieser Patienten die Therapie mit Empagliflozin aufgrund dieser Nebenwirkung ab­brechen«, so Fitchett. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 39/2015

 

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