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Dualer SGLT-Hemmer nützt Typ-1-Diabetikern

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Dualer SGLT-Hemmer nützt Typ-1-Diabetikern
 


Sotagliflozin, ein dualer SGLT1- und SGLT2-Hemmer, hat in einer kleinen, randomisierten Doppelblindstudie der Phase II mit 33 Typ-1-Diabetikern vielversprechende Ergebnisse geliefert. Zusätzlich zu ihrer Insulin-Therapie erhielten die Patienten über 29 Tage täglich oral entweder 400 mg Sotagliflozin oder Placebo. Wie Professor Dr. John B. Buse von der University of North Carolina in Chapel Hill auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes in Stockholm informierte, führte das in der Sotagliflozin-Gruppe zu einer signifikanten Abnahme des benötigten Bolusinsulins (- 32 versus - 6 Prozent). Zudem sei der HbA1c-Wert bereits nach 29 Tagen um 0,55 Prozent gefallen, während dieser in der Placebogruppe nahezu unverändert blieb.
 
Auch in Sachen Körpergewicht zeigte der duale SGLT-Hemmer Vorteile. Unter Verum nahmen die Probanden im Schnitt um 1,7 kg ab, unter Placebo nahmen sie durchschnittlich ein halbes Kilo zu. Wie der Mediziner weiter informierte, gab es hinsichtlich Unterzuckerungen, Blutdruckveränderung und benötigtem Basalinsulin keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.
 
Grundsätzlich wurde Sotagliflozin dem Referenten zufolge gut vertragen. Häufiger als unter Placebo traten zum Beispiel diabetische Ketoazidosen und Übelkeit auf. Letztere führt Buse auf die unter Verum beobachtete Erhöhung des Inkretinhormons GLP-1 zurück. Nachvollziehbar, denn die bereits auf dem Markt verfügbaren Inkretinmimetika zeigen auch gastrointestinale Nebenwirkungen.
 
Schon seit Längerem wird darüber nachgedacht, SGLT-2-Hemmer auch bei Typ-1-Diabetikern einzusetzen. Dies geschieht bisher aber nur off Label. Ein dualer SGLT1- und SGLT2-Hemmer könnte sich bei dieser Patientengruppe noch besser eignen. Schließlich ist SGLT1 ein wichtiger Transporter für die Glucose- und Galactose-Absorption im Gastrointestinaltrakt. Buse zufolge erlauben die Ergebnisse dieser Studie, dass Sotagliflozin nun in Phase III getestet wird. Auch diese größeren Studien müssen die nun beobachtete Wirksamkeit und Sicherheit des Wirkstoffs bestätigen, bevor man an eine Zulassung denken kann. (ss)
 
22.09.2015 l PZ
Foto: Fotolia/mapoli-photo
 

 

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