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Kleiner Unterschied: Frauen riechen besser

MAGAZIN

 
Kleiner Unterschied

Frauen riechen besser

Von Ulrike Abel-Wanek

 

Schon 1899 behaupteten Wissenschaftler, dass sich der Geruchssinn von Frauen und Männern unterscheidet. Neue Studien zur olfaktorischen Wahrnehmung zeigen widersprüchliche Ergebnisse. Frauen scheinen sich Gerüche jedoch besser zu merken. Außerdem können sie auch mit 80 Jahren noch sehr gut riechen.

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Die Auswirkungen des Alters auf die Fähigkeiten der Nase, Gerüche zu erkennen und zu unterscheiden, sind gut bekannt. Der allgemeine Leistungsabfall von älter werdenden Frauen und Männern liegt zum Teil an strukturellen Veränderungen des olfaktorischen Systems, zeigt aber auch Geschlechtsunterschiede. Frauen riechen länger gut, eine Verschlechterung setzt bei ihnen erst 20 Jahre später ein als beim Mann. Seine Fähigkeiten zur Geruchsidentifikation nehmen bereits im Alter von

 

55 Jahren signifikant ab. Aktuelle Untersuchungen zeigten, dass, verglichen mit jüngeren Frauen, sich die sensorischen Funktionen bei gesunden Frauen bis zum Alter von 80 Jahren nur gering veränderten. Menschen besitzen eine ausgeprägte Fähigkeit, Gerüche wahrzunehmen. Vielen fällt es jedoch schwer zu sagen, was genau sie riechen. Hier haben Studien zufolge Frauen die Nase vorn. Sie zeigen im Benennen einzelner Gerüche bessere Leistungen als die Männer. Zwei Faktoren kommen für die weibliche Überlegenheit in Betracht: Zum einen spielen bei der Geruchsidentifikation verbale Fähigkeiten, in denen Frauen überlegen sind, eine Rolle. Zum anderen kommen Frauen im Allgemeinen bei der Hausarbeit und beim Kochen häufiger mit olfaktorischen Reizen in Kontakt als Männer. Kurz, die immer noch vorhandene Ungleichheit der häuslichen Aufgabenverteilung führt dazu, dass Frauen möglicherweise einfach mehr Erfahrungen mit Geruchsstoffen haben. Es ist bekannt, dass die Sensibilität für bestimmte Gerüche bei Erwachsenen durch wiederholte Exposition verbessert werden kann. Der Annahme, dass die weibliche differenzierte Geruchswahrnehmung im Laufe des Lebens erwoben wurde, steht eine Untersuchung an Neugeborenen und kleinen Kindern gegenüber: Hier wurden Geschlechtsunterschiede bereits in den ersten Tagen nach der Geburt und im Kindergartenalter festgestellt.

 

Auch das Gedächtnis für Gerüche ist in zahlreichen Studien untersucht worden, jedoch mit unterschiedlichen Forschungsresultaten. Die meisten stellten fest, dass das Geschlecht keinen Einfluss auf die Kurzzeit- und Langzeit-Wiedererkennungsleistung von Gerüchen hat. Neuere Untersuchungen kommen jedoch zu anderen Ergebnissen: In Sachen Wiedererkennen und Behalten verschiedener Düfte lagen die wiederum Frauen vorn.

 

Obwohl die Ursachen für den »kleinen Unterschied« zwischen Frauen- und Männernasen bislang nicht endgültig geklärt sind, gibt es verschiedene Hypothesen. Vermutet werden anatomische Unterschiede im Aufbau der Nasen, speziell im Volumen der Nasenhöhlen. Aber auch genetische Gründe kommen für die sensorischen Geschlechtsunterschiede infrage. Beim Menschen gibt es vielfältige Mechanismen, mit denen die Gene den Geruchssinn beeinflussen. Zum Beispiel gibt es Unterschieden im genetischen Programm von Männern und Frauen im Zusammenhang mit der Ausschüttung von Östrogenen und Androgenen während des Fötalstadiums und nach der Geschlechtsreife. Eine dritte mögliche Ursache besteht in hormonellen Einflüssen. Geschlechtshormone modulieren die olfaktorische Sensibilität entscheidend. Der Geruchssinn von Frauen ist während der Ovulationsphase sehr ausgeprägt und lässt erst während der Menstruation wieder nach. Aber es gibt auch umweltbedingte Geschlechtsunterschiede. Untersuchungen zufolge sind Männer, hauptsächlich in der Arbeitsumgebung, stärker als Frauen Schadstoffen und Chemikalien ausgesetzt, die sich wiederum auf den Geruchssinn auswirken können. Raucher riechen darüber hinaus schlechter als Nichtraucher.

 

Der Geruchssinn ist in einem stammensgeschichtlich früh entwickelten Teil des Gehirns lokalisiert. Evolutionsbiologen nehmen an, dass sich die Arbeitsteilung der Geschlechter sehr früh entwickelt hat und Frauen dabei wahrscheinlich für den Nachwuchs und die Nahrungsversorgung verantwortlich waren. Sie sammelten vor allem Pflanzen und mussten giftige von ungiftigen unterscheiden und auswählen - mithilfe aller Sinnesorgane, also auch der Nase. Die starken Veränderungen der jüngeren Phase der Evolution hätten sich dann aber nicht mehr auf den Geruchssinn ausgewirkt, so die Wissenschaftler.


Buchtipp

Lautenbacher, Güntürkün, Hausmann: Gehirn und Geschlecht.

Neurowissenschaft des kleinen Unterschieds zwischen Mann und Frau.

Springer-Verlag 2007. ISBN 978-3-540-71627-3.


Außerdem in dieser Ausgabe...

Beitrag erschienen in Ausgabe 25/2008

 

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