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Diabetes: Der vergessene Verursacher

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Diabetes: Der vergessene Verursacher
 


Das Hormon Glucagon scheint bei der Entstehung von Diabetes eine wichtigere Rolle zu spielen als bisher gedacht und Glucagon-Rezeptorantagonisten könnten sowohl die Therapie von Typ-1- als auch jene von Typ-2-Diabetes verbessern. Darauf wies Dr. Young H. Lee von der University of Texas in Dallas bei der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes in Stockholm hin.
 
Sie erinnerte daran, dass mit einer Insulin-Therapie bei Diabetikern keine Glucose-Homöostase wie bei einem gesunden Menschen erreichbar ist. Ein wichtiger Grund dafür sei der Insulin-Gegenspieler Glucagon. Während bei Gesunden eine Insulin-Ausschüttung aus den Betazellen auch dazu führt, die Glucagon-Abgabe aus den Alphazellen des Pankreas zu unterbinden, ist das bei Diabetikern nicht möglich. «Injiziertes Insulin flutet nicht in der Bauchspeicheldrüse an und kann nicht verhindern, dass auch Glucagon sezerniert wird», so Lee. Aus diesem Grund sei die Blockade des Glucagon-Rezeptors eine gute Idee. In der Entwicklung seien bereits entsprechende Antikörper.
 
Lee stellte einige überraschende Ergebnisse aus Tierversuchen vor. So haben Mäuse, bei denen der Glucagon-Rezeptor komplett stillgelegt wurde, normale Nüchtern-Blutzuckerwerte und auch bei einem oralen Glucose-Belastungstest zeigten sie, selbst wenn ihnen Insulin fehlte, keine Auffälligkeiten. Wurde der Glucagon-Rezeptor wieder aktiviert, ließen sich dagegen erhöhte Blutzuckerwerte nachweisen. «Die Blockade des Glucagon-Rezeptors normalisierte in den Tierversuchen sowohl bei Typ-1- als auch bei Typ-2-Diabetes hyperglykämische Werte und den Langzeitwert HbA1c», so die Referentin. Zudem erhöhe sie die Insulin-Sensitivität.
 
Ein Vergleich einer Insulin-Monotherapie mit einer ausschließlichen Glucagon-Rezeptorblockade zeigte, dass der Effekt auf den HbA1c-Wert durch letztgenannte sogar höher ist und dass Unterzuckerungen nur selten auftreten, unter Insulin-Behandlung dagegen häufig. Lee brach zwar keine Lanze dafür, auf Insulin komplett zu verzichten, aber ihr zufolge könnte eine niedrig dosierte Insulintherapie kombiniert mit einem Glucagon-Rezeptorantagonisten für Diabetiker vorteilhaft sein. (ss)
 
16.09.2015 l PZ
Foto: Fotolia/Ljupco Smokovski
 

 

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