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Apotheker ohne Grenzen: Nepal war eine Herausforderung

POLITIK & WIRTSCHAFT

 
Apotheker ohne Grenzen

Nepal war eine Herausforderung


Von Christina Müller / Als die gelernte Journalistin Ingrid Famula vor rund 100 Tagen ihren neuen Posten als Geschäftsführerin bei Apotheker ohne Grenzen (AoG) antrat, stand sie schnell vor einer gewaltigen Aufgabe. Am 25. April bebte in Nepal die Erde. Famula war erst wenige Tage im Amt und musste innerhalb kürzester Zeit einen Katastrophen­einsatz koordinieren. Für die Unterstützung, die sie dabei von den deutschen Apothekern erfahren hat, findet sie heute viele lobende Worte.

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PZ: Wie konnten Sie das Mammutprogramm gleich nach Amtsantritt bewältigen?

 

Famula: Der Einstieg mit der Katastrophenhilfe in Nepal war sehr schwierig. Ich selbst war noch nie operativ im Notfalleinsatz tätig, das war ein ganz neues Feld für mich, auf dem ich mich sehr schnell zurechtfinden musste. Doch dank der Unterstützung der Kollegen und des Vorstands konnte ich mich in die neue Aufgabe schnell einfinden, auch wenn die Zeit extrem arbeitsintensiv war.

 

PZ: In Nepal waren AoG bereits vor dem Erdbeben mit einem Langzeitprojekt vor Ort. Was sind – bezogen auf die pharmazeutische Arbeit – die wesentlichen Unterschiede zwischen längerfristig angelegten Aktionen und humanitärer Katastrophenhilfe?




»Durch die Spenden der Apotheker konnten wir den gesamten Noteinsatz refinanzieren.«Ingrid Famula,AoG-Geschäftsführerin

Foto: Apotheker ohne Grenzen


Famula: Langfristige Aufgaben sind natürlich deutlich besser planbar. Es gibt Verträge, in denen ganz genau festgehalten ist, wer was bis wann zu welchem Preis zu erledigen hat. Bei der Notfallhilfe ist nichts planbar. Da müssen Leute vor Ort sein, die schnell denken und handeln können und eine hohe pharmazeutische und menschliche Kompetenz mitbringen. Zum einen sind die Opfer von Naturkatastrophen psychisch sehr belastet, zum anderen erfordert auch die Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern ein ausgeprägtes soziales Gespür.

 

PZ: Die PZ hat in diesem Zusammenhang zu Spenden aufgerufen. Haben Sie aus der deutschen Apothekerschaft viel Unterstützung erfahren?

 

Famula: Ja. Durch die Spenden der Apotheker konnten wir den gesamten Noteinsatz refinanzieren. Darüber hinaus haben wir Gelder erhalten, die es möglich machen, in Nepal ein zweites langfristiges Projekt zu etablieren: Wir möchten die sogenannten Health Shelter als Anlaufstelle für die Landbevölkerung bei gesundheitlichen Problemen wieder aufbauen. Dem Erdbeben sind Hunderte dieser medizinischen Versorgungsstellen zum Opfer gefallen. Ziel ist es, nach einer Interimslösung, die jetzt sofort zwingend notwendig ist, erdbebenfeste Häuser zu bauen. Die Apotheker haben uns auf großartige Weise unterstützt. Wir werden weiter fleißig Spenden sammeln, um solche Projekte am Laufen halten zu können.

 

PZ: Wie empfinden Sie die Zusammenarbeit mit den Apothekern?

 

Famula: Ich nehme die Apotheker als einen ganz besonderen Menschenschlag wahr. Alle Gespräche mit ihnen laufen sehr sachlich ab, das macht es einfach, mit ihnen umzugehen. Außerdem verfügen sie über ein phänomenales Gedächtnis und arbeiten sehr genau. Dadurch ist die Fehlerquote äußerst gering. Vielleicht sind das aber auch genau die Eigenschaften, die einen Apotheker grundsätzlich für seinen Beruf qualifizieren.

 

PZ: Wo sehen Sie noch Entwicklungspotenzial bei Apotheker ohne Grenzen?

 

Famula: Was die Projektentwicklung betrifft, ist die Organisation schon sehr gut aufgestellt. Der Erfahrungsschatz ist groß und AoG könnte aus dem Stand expandieren. Dafür sind allerdings noch deutlich mehr finanzielle Mittel nötig. Ich sehe meine zukünftigen Aufgaben zum einen im Ausbau der finanziellen Basis durch ein verbessertes Fundraising, zum anderen in der Digitalisierung des Vereins.

 

PZ: Was versprechen Sie sich langfristig davon?

 

Famula: Momentan werden viele Prozesse noch per Hand erledigt. Das erfordert viel Zeit. Durch den Aufbau von Datenbanken könnten wir unsere Ressourcen in Zukunft besser bündeln. An uns werden von engagierten Apothekern fast täglich Ideen für neue Projekte herangetragen, die wir aus Zeit-, Geld- und Personalmangel leider nicht alle annehmen können. Ich denke, in dem Bereich ist deutlich mehr möglich. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 31/2015

 

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