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Vedolizumab: Positive Bilanz nach einem Jahr

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Vedolizumab

Positive Bilanz nach einem Jahr


Von Annette Mende, Berlin / Seit einem Jahr ist der Integrin- Antagonist Vedolizumab in Deutschland zur Behandlung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen verfügbar. Bei einer Pressekonferenz des Herstellers Takeda zogen Ärzte in Berlin ein positives Zwischenfazit.

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Der Antikörper Vedolizumab (Entyvio®) blockiert selektiv das zelluläre Ad­häsionsmolekül α4β7-Integrin auf Lymphozyten und unterbindet so deren Bindung an das mukosale Adressin-Zell­adhäsionsmolekül-1 (MAdCAM-1). Auf diese Weise wird verhindert, dass die Lymphozyten in die Darmwand einwandern, wo sie bei Patienten mit Colitis ulcerosa (CU) oder Morbus Crohn (MC) die chronische Entzündung aufrechterhalten. MAdCAM-1 wird besonders im Darmgewebe und an Orten chronischer Entzündung hochreguliert. Die entzündungshemmende Wirkung erstreckt sich daher nahezu ausschließlich auf den Darm.

 

PZ-Innovationspreisträger

 




Zum ersten Geburtstag der Markteinführung von Vedolizumab präsentierte der Hersteller in Berlin Daten zu Wirksamkeit und Verträglichkeit des Antikörpers.

Foto: Fotolia/Tanja


Dieses Wirkprinzip überzeugte im vergangenen Jahr die Expertenjury der PZ; sie zeichnete Vedolizumab mit dem PZ-Innovationspreis 2015 aus. Ein Jahr nach der Markteinführung zeigen die klinischen Erfahrungen mit Vedolizumab, dass der Wirkstoff vor allem für Patienten, bei denen eine Anti-TNF-α-Therapie versagt hat, eine gute Option ist.

 

Dr. Thomas Krause, der in Kassel in einer gastroenterologischen Schwerpunktpraxis tätig ist, stellte die Ergebnisse einer eigenen kleinen Untersuchung vor. Von den je 20 CU- und MC-Patienten, die innerhalb eines Jahres mit Vedolizumab behandelt wurden, hatten fast alle zuvor TNF-α-Blocker erhalten. Mit der Zeit hatte diese Therapie jedoch ihre Wirksamkeit verloren, weil die Patienten neutralisierende Antikörper gegen die Arzneistoffe gebildet hatten. »Das ist bei TNF-α-Blocker-Versagern häufig das Problem«, informierte Krause.

 

Das Ansprechen auf die Therapie beurteilten die Ärzte anhand evaluierter Scores, darüber hinaus bestimmten sie regelmäßig die Werte von Calprotectin im Stuhl der Patienten, eines Markers für die Entzündung der Darmschleimhaut. In der CU-Gruppe hatten nach zehn Wochen 80 Prozent der Patienten auf die Behandlung angesprochen, nach 26 Wochen befanden sich noch 61,5 Prozent in Corticosteroid- freier Remission. Bei MC war die Ansprechrate nach zehn Wochen ebenso hoch, allerdings waren nach 26 Wochen nur 26 Prozent der Patienten in Remission, ohne Steroide zu benötigen. Hinzu kamen 36 Prozent, die sich zu diesem Zeitpunkt in klinischer Remission befanden.

 

Nach der sechswöchigen Induk­tionsphase soll Vedolizumab laut Fachinformation alle acht Wochen verabreicht werden. Abhängig von der Krankheitsaktivität kann dieses Intervall auf minimal vier Wochen gesenkt werden. »Patienten mit Colitis ulcerosa erhielten in unserer Studie im Schnitt alle 6,2 Wochen eine Infusion. Patienten mit Morbus Crohn brauchten häufigere Behandlungen: Bei ihnen lag das durchschnittliche Infusionsintervall bei 5,2 Wochen«, sagte Krause. Dieser Unterschied dürfte darin begründet sein, dass der Befall bei MC meist ausgedehnter ist und sich auf alle Schichten der Darmwand erstreckt, bei CU dagegen nur auf Mukosa und Submukosa.

 

Gute Verträglichkeit

 

»Bislang ist es bei keinem Patienten in unserer Praxis zu einer Infusionsreak­tion auf Vedolizumab gekommen«, informierte Krause. Die Therapie werde wegen ihrer Verträglichkeit von den Patienten gut akzeptiert. Professor Dr. Axel Dignaß vom Agaplesion Markus Krankenhaus in Frankfurt am Main bestätigte das: »Vedolizumab ist ein sicheres Medikament, obwohl es sich um ein Immunsuppressivum handelt.« Insbesondere sei noch kein Fall einer progressiven multi­fokalen Leukenzephalopathie aufgetreten. Diese gefürchtete Nebenwirkung etwa des Anti-α4-Integrin-Antikörpers Natalizumab sei von Vedolizumab aufgrund des Darm-spezifischen Wirkmechanismus auch nicht zu erwarten. Da MAdCAM-1 auch im oberen Respirationstrakt und in der Blase in geringem Umfang vorkomme, seien Nebenwirkungen hier am wahrscheinlichsten. Insgesamt bewege sich jedoch die Rate der Nebenwirkungen auf Placeboniveau.

 

Das ist ein wichtiger Unterschied zu den TNF-α-Blockern, die aufgrund ihres unspezifischeren Wirkmechanismus das Infektionsrisiko deutlich stärker ansteigen lassen. Dignaß wies auf einen weiteren hin: Ein mit der Zeit auftretender Wirkverlust sei bislang bei Vedolizumab nicht zu beobachten. »Wenn das Medikament einmal wirkt, scheint es auch nach zwei Jahren noch zu wirken.« /



Beitrag erschienen in Ausgabe 30/2015

 

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