Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

E-Health: Kassenärzte in Sorge um Datensicherheit

NACHRICHTEN

 
E-Health: Kassenärzte in Sorge um Datensicherheit
 


Heute befasst sich der Bundestag in erster Lesung mit dem sogenannten E-Health-Gesetz. Dies ist Anlass für die Kassenärzte, erneut die Sicherheit digitaler Patientendaten in Frage zu stellen. Angesichts der NSA-Spähaffäre und des jüngsten Hackerangriffs auf die Computer des Bundestags sehe man die Aussage, die Daten seien sicher, mit einem gewissen Stirnrunzeln, sagte Vorstandschef Andreas Gassen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin. So sei beispielsweise nach wie vor unklar, wo genau die Patientendaten abgelegt würden. «Auf einem großen Server? Wo steht der Server? Wer hat Zugriff?» Grundsätzlich sei es aber richtig, dass die Digitalisierung nun vorankomme, betonte Gassen.
 
Beim Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen hatte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zuletzt eine schnellere Umsetzung angemahnt: «Ich will hier mehr Tempo», hatte er Anfang des Jahres anlässlich der verbindlichen bundesweiten Umstellung auf die elektronische Gesundheitskarte (EGK) betont. Es brauche endlich Datenautobahnen, damit die EGK ihr Potenzial auch ausschöpfen könne. 12 Jahre nachdem die Einführung einer solchen Karte beschlossen wurde, soll mit dem E-Health-Gesetz nun Schwung in die Sache kommen. Dazu sieht das Gesetz sowohl Anreize, als auch Strafen und Fristen vor. So drohen etwa Ärzten und Kassen Sonderzahlungen und Sanktionen, wenn sie Vorgaben nicht einhalten. Die Betreibergesellschaft Gematik, verantwortlich für den Ausbau und die Interoperabilität entsprechender Telematik-Strukturen, muss Umsetzungsfristen einhalten.
 
«Gemeinsam mit der Bundesdatenschutzbeauftragten und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik konnte ein System entwickelt werden, das bestmöglichen Schutz der hochsensiblen Patientendaten bietet», so Gröhe anlässlich der heutigen 1. Lesung. Der Aufbau der Telematik-Infrastruktur erfülle die höchsten Sicherheitsstandards, betonte er. Sie seien bereits jetzt höher als bei einer EC-Karte und würden laufend an neue Entwicklungen angepasst. Jetzt seien Selbstverwaltung und Industrie am Zug. Er erwarte von allen Beteiligten entschlossenen Einsatz, damit der Nutzen der Telematik schnell den Patienten zugutekomme. «Verzögerungen durch interessenpolitisches Klein-Klein darf es nicht mehr geben.»
 
Künftig sollen über die EGK neue Anwendungen möglich sein. So könnte etwa ein digitaler Medikationsplan hinterlegt werden, wenn der Patient dies wünscht. Auch wichtige Notfalldaten könnten ab 2018 über die Karte verfügbar sein. Die Ärzte sind mit der Rolle der EGK jedoch nach wie vor unzufrieden. Bereits in der Vergangenheit hatten sie sich mit datenschutzrechtlichen Argumenten gegen deren Einsatz gesperrt. Gassen kritisiert nun, die elektronische Gesundheitskarte könne viel weniger, als man ihr ursprünglich in die Wiege legen wollte. Sie sei auch kein Medium, auf dem Daten des Patienten immer aktualisiert vorgehalten werden könnten, um etwa Doppeluntersuchungen oder Kreuzmedikationen, die sich gegenseitig aufheben, zu vermeiden. «Wichtig sind Mehrwerte für Patienten und Ärzte. Bisher ist aber nicht ersichtlich, dass man diese Technik tatsächlich zum Nutzen der Patienten und der Ärzte einsetzen kann.»
 
Gleichzeitig versicherte er aber, dass das Datennetz der regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen (KV-Net) künftig an die dann zentrale Infrastruktur angeschlossen werde. «Sobald das System funktioniert, wird das bestehende KV-Netz angedockt. Dann gibt es nur noch eine Datenautobahn», so Gassen. (et)
 
03.07.2015 l PZ
Foto: Fotolia/IckeT
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Pharmacon Meran: Mehr junge Besucher

Die Veranstalter des Pharmacon in Meran haben nach dem Abschluss des Kongresses eine positive Bilanz gezogen. Es seien noch einmal mehr...



Hautkrebsschutz: Besser bedecken als eincremen

Sonnencreme schützt beim Sonnenbaden nicht vor Hautkrebs. Das betonte Teresa Amaral vom Zentrum für Dermatoonkologie der...



Impfberatung: Kitas müssen Verweigerer künftig melden

Die Bundesregierung will konsequenter gegen Eltern vorgehen, die sich einer Impfberatung verweigern. Das geht aus dem Entwurf eines...



Drug targeting: Von adressierten Päckchen und Schleusentoren

Ein Drug Targeting, also die zielgenaue Anreicherung eines Arzneistoffs am Wirkort nach systemischer Gabe, ist für viele Arzneistoffe...

 
 

Reisedurchfall: Trinken und Paracetamol
Wer im Urlaub Durchfall bekommt und ein Schmerzmittel nehmen möchte, sollte am besten Paracetamol wählen. Darauf wies Professor Thomas...

Ramadan: Gläubige sollten Medikamente trotzdem nehmen
Muslime sollten auch während der Fastenzeit weiter ihre Medikamente nehmen. Darauf hat die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher...

Obama sieht Gesundheitsversorgung «insgesamt bedroht»
Der frühere US-Präsident Barack Obama hat eindringlich dafür geworben, die von ihm eingeleitete Reform des amerikanischen Gesundheitswesens...

Knochenmarkspende: Gemeinsam gegen Blutkrebs
In Deutschland sind mit gut 7,4 Millionen Menschen so viele Knochenmarkspender registriert wie noch nie zuvor. Das geht aus Zahlen des...

Tabakanbau: Warum Rauchen auch der Umwelt schadet
Die Deutsche Krebshilfe führt Rauchern nicht nur die gesundheitlichen, sondern auch die ökologischen Folgen des Rauchens vor Augen. «Die...

Stratifizierte Medizin: Es gibt noch Luft nach oben
Sogenannte Präzisionsarzneimittel, die nur bei Patienten mit bestimmten Eigenschaften wirken, werden momentan noch nicht optimal genutzt....

Digitale Gesundheitsdienste: Zwischen Skepsis und Vertrauen
Rund die Hälfte der Deutschen steht digitalen Gesundheitsdiensten skeptisch gegenüber. Das geht aus einer Studie hervor, die der Verein...

In der Pipeline: MAB für die kranke Haut
Was haben Avelumab, Dupilumab und Brodalumab gemeinsam? Drei Gemeinsamkeiten und viele Details stellte Professor Dr. Manfred...

Neue Arzneimittel: 2016 war ein gutes Jahr
Insgesamt 32 neue Wirkstoffe kamen im Jahr 2016 in Deutschland neu auf den Markt – der Großteil davon Sprung- oder Schrittinnovationen....

Verstopfung: Besser beraten in der Apotheke
Wer an chronischer Verstopfung leidet, kann sich in der Apotheke diskret und persönlich beraten lassen. Darauf wies der Apotheker Christian...

FIP: Arzneimittelentwicklung besser einbetten
Bei der Entdeckung und Entwicklung neuer Arzneimittel sollen künftig nicht mehr einzelne Krankheiten isoliert betrachtet werden....

CRISPR/Cas9: Tatsächliche und zukünftige Anwendungen
Das als Genschere bekannt gewordene CRISPR/Cas9-System ermöglicht eine ganze Reihe von neuen medizinischen Optionen. Was bereits angewandt...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU