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Verbrennungen: Rasches Handeln kann Haut und Leben retten

TITEL

 
Verbrennungen

Rasches Handeln kann Haut und Leben retten

Von Stefanie Kirchner und Silke Lauterbach

 

Jeder, der sich schon einmal verbrannt hat, weiß, wie schmerzhaft dies ist. Ausgedehnte und tiefe Verbrennungen zählen zu den schwersten Verletzungen des Menschen. Dann gilt es, Ausmaß und Tiefe der Verbrennung abzuschätzen und die richtigen Erstmaßnahmen einzuleiten. Das kann Haut und Leben retten.

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Verbrennungen sind immer Notfälle und erfordern rasches Handeln. Dies gilt umso mehr, wenn Kinder die Opfer sind, die Haut im Gesicht oder an besonders empfindlichen Körperstellen betroffen ist oder die Verbrennung große Flächen erfasst hat. Durch den Funktionsverlust der Haut als Schutzhülle, Speicherorgan und Wärmeregulator ist der Körper allen äußeren Einflüssen ausgeliefert. Weiterhin können sämtliche Organe sekundär geschädigt werden. Bei großflächigen Verbrennungen wird der Mensch mit einem Mal schutzlos.

 

Verbrennungen entstehen durch Einwirkung von extremer Hitze auf die Haut. Dadurch kommt es zu Schäden in unterschiedlicher Tiefe, die zum teilweisen oder vollständigen Absterben der Haut führen. Wenn in kurzer Zeit hohe Temperaturen auf ein Areal einwirken, kann sich die Hitze aufgrund der schlechten thermischen Leitfähigkeit der Haut nicht schnell genug verteilen. Die thermische Schädigung hängt ab von der Höhe der einwirkenden Temperatur, den ursächlichen Noxen und der Einwirkzeit.

 

Ist die intrakutan auftretende Wärme geringer als 100 °C, zum Beispiel bei Kontakt mit heißen oder kochenden Flüssigkeiten oder Frittieröl, spricht man von Verbrühung (Ambustio). Bereits bei intrakutanen Temperaturen von 52 °C wird die Haut geschädigt. Entstehen durch die Einwirkung von Feuer oder durch direkten Kontakt mit Strom oder Chemikalien hohe Temperaturen in der Haut, spricht man von Verbrennungen (Combustio).

 

Pathophysiologische Prozesse

 

Bei Verbrennungen und Verbrühungen kommt es zu sogenannten Koagulationsnekrosen. Hierbei werden Strukturproteine und Enzyme im Gewebe denaturiert und Kapillaren zerstört. Freigesetzte Entzündungsmediatoren setzen einen exsudativen Entzündungsprozess in Gang. Selbst nach Entfernen der Hitzeeinwirkung auf die Haut kann die Verbrennung weiter fortschreiten. Dies bezeichnet man als Nachbrennen. Durch die gute Wärmeisolierung der Haut kann Energie bis zu einer Stunde gespeichert werden. So kommt es, dass aus einer primär oberflächlichen eine tiefere Verbrennung werden kann.

 

Insbesondere Schwerbrandverletzte verlieren über die Verbrennungswunden viel Flüssigkeit, was zu lebensbedrohlichen hypovolämischen Schockzuständen führen kann. Dieser Verbrennungsschock kann die Verbrennungskrankheit auslösen, die sich in den ersten Stunden bis Tagen nach dem Ereignis entwickelt. Die Verbrennungskrankheit setzt sich zusammen aus einem generalisierten Ödem, einer katabolen Stoffwechsellage, hyperaktiver Blutgerinnung und Immunsuppression nach einer großflächigen zweit- oder drittgradigen Schädigung.

 

In Deutschland gibt es jährlich schätzungsweise 2500 Schwerbrandverletzte. Bei Erwachsenen sind Flammverbrennungen am häufigsten. Bei Kindern sind dagegen zu 80 Prozent Verbrühungen die Ursache. Diese hohe Zahl kommt hauptsächlich durch Herunterreißen von Töpfen und Schüsseln von Herd und Tisch zustande. Am häufigsten treten solche Unfälle im Alter von zwei bis vier Jahren auf, da die Kinder sich in dieser Zeit sehr lebhaft motorisch entwickeln. Die Initiative Paulinchen e. V. geht von etwa 6000 brandverletzten Kindern pro Jahr aus.

 

Alle anderen Ursachen von Brandverletzungen sind selten, haben aber eine hohe Mortalität. So verlaufen Hochspannungsunfälle zu 30 Prozent und Blitzschlagunfälle zu 50 Prozent tödlich.

 

Einteilung in Schweregrade

 

Der Schweregrad einer Brandverletzung bemisst sich nach Ausmaß und Tiefe der verbrannten Körperoberfläche (KOF). Weiterhin wird der Schweregrad beeinflusst durch innere Verbrennungen durch Verätzung oder andere toxische Schäden wie Inhalationstrauma oder Säure-Laugen-Ingestion. Begleitverletzungen wie Frakturen verstärken das Trauma zusätzlich.

 

Zur Bestimmung der verbrannten Oberfläche kann die Neunerregel nach Wallace oder die Handflächenregel angewendet werden (Grafik). Faustregel: Die Handfläche des Brandopfers entspricht etwa 1 Prozent seiner KOF. Die Tiefe einer Brandverletzung wird durch eine Gradeinteilung erfasst.





Neuner-Regel zur Abschätzung der Größe einer Verletzung


Verbrennungen ersten Grades (oberflächliche Verbrennungen) betreffen nur die Epidermis, also die äußerste Schicht der Haut. Die Oberfläche der Brandwunde ist rot, leicht angeschwollen, schmerzhaft, trocken und ohne Blasen. In den meisten Fällen wird eine Verbrennung ersten Grades durch Kontakt mit heißen Flüssigkeiten oder Gegenständen verursacht und heilt innerhalb von etwa sechs Tagen. Am wichtigsten ist es, zunächst die Wunde zu kühlen, zum Beispiel unter fließend kaltem Wasser.

 

Verbrennungen zweiten Grades betreffen die Epidermis und Teile der Dermis. Man unterscheidet oberflächliche und tiefe dermale Verbrennungen. Oft werden solche Schäden durch Verbrühungen oder Kontakt mit Flammen verursacht. Eine Verbrennung zweiten Grades verursacht Schmerz, Rötungen und Schwellungen. Charakteristisch ist die Bildung einer (mit Flüssigkeit gefüllten) Brandblase zwischen Epidermis und Dermis. Diese ist ein natürlicher Schutz vor Verunreinigungen und sollte daher nicht zerstört werden. Bei einer offenen Brandblase besteht eine hohe Infektionsgefahr, die die Wundheilung erschweren und Komplikationen auslösen kann.

 

Verbrennungen dritten Grades zerstören die gesamte Hautstruktur: Epidermis, Dermis und oft auch die darunterliegende Subcutis (Bindegewebe) mit Muskeln, Haarfollikeln und Sehnen. Man spricht dann von totaler dermaler Verbrennung. Auslöser sind häufig Stromunfälle, Kontakt mit Chemikalien oder die Einwirkung von Feuer. Die Oberfläche erscheint weiß oder verschmort. Da die Nervenenden zerstört sind, fühlt sich der Bereich taub an. Weil alle Hautschichten zerstört sind und die Gefäßversorgung extrem reduziert ist, kann die Haut nur sehr langsam nachwachsen. Patienten mit Verbrennungen dritten Grades müssen unverzüglich einen Arzt aufsuchen beziehungsweise muss man den Notarzt rufen.

 

Wichtige Erstmaßnahmen

 

Eine Verbrennung sollte unmittelbar nach Entfernen der Hitzequelle maximal fünf Minuten gekühlt werden. Dies lindert die Schmerzen und verhindert ein Ausbreiten der Wärme im betroffenen Areal. Bei kleineren Verbrennungen verwendet man kühles, nicht jedoch kaltes Leitungswasser (etwa 20 °C). Das Kühlen mit Eis ist nicht ratsam, da es möglicherweise Erfrierungen verursachen kann. Auch sollte man nur keimarmes Wasser (ideal: Leitungswasser) und beispielsweise keine zuckerhaltigen oder alkoholischen Flüssigkeiten verwenden, um Infektionen vorzubeugen. Verbrannte Kleidung oder sonstige in die Haut eingebrannte Gegenstände dürfen nur von Fachpersonal entfernt werden und sollten bis zu deren Eintreffen am Opfer verbleiben.

 

Eine Kühlung ist nur indiziert, wenn weniger als 20 bis 30 Prozent der Körperoberfläche verbrannt sind. Bei größeren Verbrennungen würde der Körper zu viel Wärme durch die großflächige Kühlung verlieren. Ein Wärmeverlust ist für den Heilungsverlauf jedoch ungünstig. Die Studienlage zum Thema »Kühlung« ist sehr vage; es gibt kaum kontrollierte Studien, die einen positiven Effekt nachgewiesen haben. Einziger gesicherter Nutzen ist ein analgetischer Effekt, der das Kühlen bei kleinflächigen Verbrennungen sinnvoll erscheinen lässt.


Vorgehen bei Verbrennungen

Hitzequelle beseitigen, Ausschalten des schädigenden Agens, heiße Kleider entfernen, Strom abschalten, Selbstschutz beachten;
Prüfung der Vitalfunktionen des Brandverletzten;
kleine Verletzungen mit Leitungswasser bis zur Linderung des Schmerzes kühlen; Vorsicht bei größeren Verbrennungen, hier besteht Unterkühlungsgefahr;
bei chemischen Verletzungen zunächst mit Wasser spülen, wenn keine weiteren Einzelheiten bekannt sind; ansonsten spezifische Behandlung, zum Beispiel bei Flusssäure-Verätzungen Behandlung mit Calciumgluconat; Sicherstellen des chemischen Agens;
Ausdehnung der Schädigung in Prozent der Körperoberfläche und deren Tiefe in Graden abschätzen.

Eine Brandwunde wird nach dem Kühlen mit einer sterilen, nicht flusenden Wundauflage, im Idealfall einem Verbandtuch abgedeckt. Es gibt spezielle Verbandsets, in denen sterile Kompressen und Verbandtücher enthalten sind. Es empfiehlt sich, derartige Brandwundenpäckchen in der Hausapotheke vorrätig zu halten. Auf Brandwunden dürfen weder Öl, Mehl, Puder noch andere Hausmittel wie Salben, Zahnpasta oder Ähnliches aufgebracht werden. Brandgele sollten nur auf geschlossene Wunden aufgebracht werden; der Patient sollte die Anwendung am besten vorher mit einem Arzt abklären.

 

Je nach Schweregrad der Verletzung erfolgt die Weiterbehandlung. Bei allen größeren Wunden sollte der Betroffene zum Arzt gehen. Kleinere Verbrennungen bis Grad 2b werden meistens im normalstationären Bereich einer Klinik behandelt, bei schwereren Schäden werden die Betroffenen in Brandverletztenzentren verlegt.

 

Alle Patienten mit Verbrennungen an Gesicht und Hals, Händen, Füßen, der Anogenital-Region, Achselhöhlen und Hautbereichen über großen Gelenken werden in spezielle Brandverletztenzentren verlegt. Auch bei großflächigen Verbrennungen, zum Beispiel bei mehr als 15 Prozent zweitgradig verbrannter oder mehr als 10 Prozent drittgradig verbrannter Körperoberfläche, erfolgt eine Verlegung. Patienten mit mechanischen Begleitverletzungen, Inhalationsschäden, bestimmten Vorerkrankungen oder Stromverletzungen sowie Menschen unter acht oder über 60 Jahren sollten nur in diesen speziellen Zentren behandelt werden.

 

Sollte der Brandverletzte bewusstlos werden, gelten die Basismaßnahmen der Ersten Hilfe (stabile Seitenlage, Wiederbelebung). Steht der Brandverletzte unter Schock, leitet der Notarzt eine Schocktherapie mit Ringerlactat-Lösung ein. Die Gabe von Ringerlactat als Infusionslösung kann nach der Baxterformel berechnet werden: 4 x kg Körpergewicht x Prozent verbrannte Oberfläche = ml Ringerlactat in 24 Stunden. Ab 15 Prozent verbrannter KOF bei Erwachsenen und 8 Prozent bei Kindern ist eine Schocktherapie obligat.

 

Behandlung nach Schweregrad

 

Die Therapie richtet sich nach Ausmaß und Tiefe des Schadens (Tabelle). Nur oberflächliche Verbrennungen Grad 1, bei denen weniger als 1 Prozent der KOF betroffen ist, dürfen in Selbstmedikation behandelt werden. Kommt ein Patient mit tieferen, großflächigeren oder gar infizierten Brandwunden in die Apotheke, sollte ihn das Team unverzüglich zum Arzt schicken. Dieser wird den Patienten gegebenenfalls in ein Krankenhaus einweisen. Sind Kinder verletzt, sollte man in der Apotheke immer dringend zum Arztbesuch raten.


Einteilung der Verbrennungen nach Schweregrad

Grad Klinisches Bild Verbrennungstiefe 
Rötung oberflächliche Epithelschädigung ohne Zelltod 
2 A Blasenbildung, roter Untergrund, stark schmerzhaft Schädigung der Epidermis und oberflächlicher Anteile der Dermis mit Sequestrierung 
2 B Blasenbildung, heller Untergrund, schmerzhaft weitgehende Schädigung der Dermis unter Erhalt der Haarfollikel und Drüsenanhängsel 
Epidermisfetzen, Gewebe nach Reinigung weiß, keine Schmerzen vollständige Zerstörung von Epidermis und Dermis 
Verkohlung, Lyse bei chemischer Schädigung Zerstörung weitgehender Schichten mit Unterhautfettgewebe, eventuell Muskeln, Sehnen, Knochen und Gelenken 

Bei Verbrennungen ersten Grades reicht die Kühlung der Wundfläche aus. Blasen, die bei Verbrennungen zweiten Grades auftreten, sollten von einem Arzt steril punktiert werden. Die Blasenhaut verbleibt dabei auf der Brandwunde. Sie bietet einen natürlichen Schutz gegen das Eindringen von Keimen. Nach dem Punktieren wird ein steriler hydroaktiver Wundverband aufgelegt. Hier sind entweder Hydrogelverbände oder hydrokolloide Wundauflagen geeignet. Eine antiseptische Behandlung mit Spüllösungen oder silberhaltigen Wundauflagen ist bei diesen geringgradigen Verbrennungen nicht nötig. Ist die Brandwunde komplett epithelisiert, ist eine Nachbehandlung mit wirkstofffreien oder Dexpanthenol-haltigen Produkten ratsam. Eine ausreichende Rückfettung verhindert das Austrocknen und Reißen des Narbengewebes.

 

Tiefere Verbrennungen und Verbrennungen ab Grad 2b sollten abhängig vom Gesamtzustand des Verletzten möglichst frühzeitig operativ behandelt werden (Nekrosenabtragung, zügige Hauttransplantation). Offene Brandwunden müssen gereinigt und mit steriler isotoner Lösung gespült werden. Totes Gewebe wird entweder chirurgisch oder mithilfe von speziellen Wundauflagen entfernt. Die autolytische Wundreinigung mit Hydrogelauflagen ist hier geeignet. Nachdem das tote Gewebe entfernt wurde, muss die Wunde nach Möglichkeit verschlossen werden. Es sollten nur Wundverbände angewendet werden, die nicht mit der Wunde verkleben; geeignet sind zum Beispiel moderne interaktive Wundauflagen wie Hydrokolloide und Hydrogele.

 

Bei Verbrennungen ab Schweregrad 2b ist eine antiseptische Therapie indiziert, um Infektionen vorzubeugen. Geeignet sind Octenidin- oder Polyhexanid-haltige Spülungen und Verbände. Auch silberhaltige interaktive Wundauflagen sind zur Infektionsprophylaxe geeignet.

 

Bei Verbrennungen Grad 3 wird grundsätzlich chirurgisch eingegriffen. Verbranntes avitales Gewebe muss entfernt werden, da es als Eintrittspforte für Mikroorganismen gilt. Außerdem werden von totem Gewebe schädliche Entzündungsvorgänge initiiert und unterhalten, die die Schwere der Verbrennungskrankheit beeinflussen. Solange das geschädigte Gewebe nicht entfernt ist, ist auch die Ursache für Sepsis und Multiorganversagen nicht beseitigt. Solche Eingriffe können kosmetisch und funktionell störende Folgen haben. Doch dies muss zunächst in den Hintergrund treten, denn es gilt, das Fortschreiten der Verbrennungskrankheit zu unterbrechen.

 

Bei großflächigen Brandwunden kann eine Hauttransplantation nötig und sinnvoll sein. Eine vorbeugende Behandlung gegen Infektionen ist unbedingt erforderlich, da jede Infektion die Wundheilung verzögert und kompliziert. Eine systemische Gabe von Antibiotika sowie antiseptische oder silberhaltige Wundauflagen können Infektionen verhindern.

 

Nachbehandlung nicht vergessen

 

Am wichtigsten bei der Nachbehandlung ist die Hautpflege. Durch die Verbrennung oder Verbrühung hat die Haut die Fähigkeit verloren, ihren Fett- und Feuchtigkeitsgehalt selbst zu regulieren. Daher sollte man die epithelisierte Haut mehrmals täglich mit wirkstofffreien Hautlotionen und Cremeschäumen pflegen und vorsichtig massieren. Dies ist eine entscheidende Maßnahme, um die neu gebildete Haut elastisch zu halten. Bei den wirkstoffhaltigen Produkten sind entweder Silikon- oder Dexpanthenol-haltige Produkte empfehlenswert. Pflanzliche Zusätze wie Extrakte aus Ringelblume oder Kamille sollten nicht eingesetzt werden.

 

Nicht eingecremte Haut wird schuppig und rissig, ist leicht verletzbar, schmerzt oder kann stark jucken. Das mehrfach tägliche Einmassieren der Creme oder Lotion unterstützt die Narbenausreifung und reduziert den Juckreiz. Narben sind reif, wenn sie nicht mehr rot, sondern hell, weich und möglichst eben sind. Bei besonders starkem Juckreiz können antihistaminerge Wirkstoffe verordnet werden.

 

Unbedingt zu vermeiden ist eine Sonnenexposition verbrannter Areale. Im ersten Jahr nach der Verletzung dürfen die Narben keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden. Die Gefahr eines Sonnenbrands ist sehr groß und die Narben werden in der Sonne dunkler. Diese Verfärbungen sind dauerhaft und machen die Narben auffällig. Empfehlenswert ist es, Narben mit einen Sunblocker mit Schutzfaktor 50+ zu schützen. Zudem bieten immer mehr Bekleidungshersteller Kleidung, insbesondere Kinderbekleidung, mit Sonnenschutz an.

 

Selbst nach der Ausreifung sollten Narben immer mit Sunblockern geschützt werden. Gerade im Gesicht und an den Händen, also Stellen, die man durch Kleidung nicht gut schützen kann, ist dies empfehlenswert. Im ersten Jahr nach dem Unfall sollte man Urlaubsreisen in Länder mit extremer Sonne vermeiden. Narben im Gesicht können auch überschminkt werden. Dazu bietet beispielsweise die Initiative Paulinchen professionelle Schminkkurse an.

 

Kompressionskleidung

 

Nach Verbrennungen Grad 2b und 3 wird das Tragen sogenannter Kompressionsbekleidung empfohlen. Diese muss perfekt sitzen, denn nur dadurch bleiben Narben hell, weich und wuchern nicht. Die Narben müssen so lange komprimiert werden, bis sie nicht mehr aktiv sind, das heißt, auf Druck nicht mehr heller werden. Solche Druckverbände werden maßgefertigt und müssen ein bis zwei Jahre lang Tag und Nacht getragen werden. Auch bei sonstigen Narbenbildungen oder Schwellneigungen kann Kompressionskleidung sinnvoll sein.

 

Gehen die Verbrennungen über Gelenke oder Beugestellen (Kinn, Hals, Achsel), muss man durch Schienen, Krankengymnastik und Ergotherapie versuchen, die verlorenen Funktionen wieder zu erarbeiten. Der Patient soll eine gute Beweglichkeit wiedererlangen. Dafür ist es sehr wichtig, dass die Therapien konsequent und regelmäßig erfolgen. Zur weiteren Narbenreduktion, vor allem bei kleineren Defekten, eignen sich silikonhaltige Produkte (Pflaster oder Gele).

 

Wenn die Narben reif sind, können Arzt und Patient über Korrekturmöglichkeiten nachdenken. Korrekturoperationen bieten sich an, um funktionale Behinderungen zu beheben, aber auch um entstellende, psychisch belastende Narben zu verschönern. Jeder Korrekturoperation folgt wieder die Rehabilitation mit Kompression, Krankengymnastik, Hautpflege und -schutz.

 

Hohe psychische Belastung

 

Die gesamte Behandlung einer schweren Verbrennung dauert meist sehr lang und zieht sich über Monate oder gar Jahre. Die Belastung durch Angst und Schmerzen ist enorm. Die meisten Patienten erleben den Unfall bei vollem Bewusstsein. Die Behandlung ist extrem schmerzhaft, die transplantierte Haut sehr empfindlich und der Heilungsprozess meist von starkem Juckreiz begleitet. Bei der Krankengymnastik und Ergotherapie werden immer die Schmerzgrenzen des Patienten erreicht und überschritten. Auch mit Narben leben zu müssen, ist eine sehr große psychische Belastung. Brandverletzungen stellen als Unfallart eine Besonderheit dar, weil der Betroffene auch für seine Umwelt wahrnehmbar auf Dauer geschädigt ist.

 

Kinder sind speziell betroffen, da die Narbenflächen oft nicht mitwachsen und mitunter Folgeoperationen nötig werden. Sie sind in ihrer Persönlichkeit noch nicht gefestigt und haben es daher sehr schwer, mit Narben, vor allem in den Entwicklungsjahren, umzugehen. Durch ein überlegtes und konsequentes Therapiekonzept kann ein gutes Narbenbild erreicht werden, sichtbar werden die Schäden aber immer sein. Vor allem Kinder und deren Eltern brauchen daher auch psychologische Unterstützung. Die Behandlung des Kindes ist frühestens mit dem Abschluss des Wachstums beendet.

 

Prinzipiell kann ein Brandverletzter, auch ein Kind, jede Sportart ausüben. Gerade in der Nachbehandlung fördert Sport das Wohlbefinden und verbessert neben der Beweglichkeit auch die Kondition. Sobald alle Wunden abgeheilt sind, darf ein Betroffener wieder ins Schwimmbad, auch in Solebäder. Nach jedem Bad sollte die Haut gut eingecremt werden. Während des Bades kann man auf die Kompressionskleidung verzichten.

 

Prävention vor Therapie

 

Viele Verbrennungsunfälle ließen sich vermeiden. Die beste Therapie ist daher die Vorbeugung von Brandverletzungen. Besonders in Küche und Haushalt sollten Eltern mit Kleinkindern mit offenen Augen Gefahrenquellen rechtzeitig erkennen und beseitigen.

 

Die Therapie von Brandverletzungen wird von vielen Störgrößen beeinflusst. Begleiterkrankungen und Infektionen stören und verkomplizieren den Heilungsverlauf. Die Nachbehandlung der Verletzungen ist besonders wichtig. Ziel ist es nicht nur, das Leben des Patienten zu retten, sondern möglichst ein für ihn ästhetisch zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Ab einem Schweregrad von 2b muss mit einer Nachbehandlung von einem Jahr, manchmal auch länger, gerechnet werden.


Literatur

  1. Lackner, C. K., Schweiberer, L., Erhard, J., Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin: Empfehlungen zur Frührehabilitation Brandverletzter. Ludwig-Maximilians-Universität, München.
  2. Jauch, K.-W., Heiss, M., Der Brandverletzte. In: Madler, C., Das NAW-Buch Praktische Notfallmedizin. Urban & Schwarzenberg, München, Wien, Baltimore 1994.
  3. Demling, R. H., LaLonde, C., Burn Trauma. Thieme Stuttgart, New York 1989.
  4. Elterninitiative Brandverletzter Kinder e. V. Paulinchen; www.paulinchen.de; Stand Mai 2008.
  5. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin: Empfehlungen zur Frührehabilitation Brandverletzter. www.verbrennungsmedizin.de/leitlinien_3.htm
  6. Leitlinien für chemisch/thermische Verletzungen. www.verbrennungsmedizin.de/leitlinien_2.htm
  7. Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin zur strukturellen und personellen Ausstattung von Brandverletztenzentren. www.verbrennungsmedizin.de/leitlinien_1.htm
  8. Bundesinitiative für Brandverletzte e.V., www.brandverletzte-leben.de
  9. Larsen, R., Anästhesie und Intensivmedizin für die Fachpflege. 6. Aufl., Springer Verlag 2004.
  10. Grabosch, A., Günnewig, M., Die Pflege des Brandverletzten. Springer Verlag GmbH & Co 2002.

Die Autorinnen

Stefanie Kirchner schloss die Ausbildung zur examinierten Krankenschwester 1996 ab und arbeitete bis 2003 am Universitätsklinikum Aachen, Klinik für Plastische- und Wiederherstellungschirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie. Seit 2003 leitet sie die Station der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, Handchirurgie, am Rotes-Kreuz-Krankenhaus (RKH) in Kassel. Seit 2006 hat Kirchner die Stationsleitung der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie im RKH inne. Sie ist zertifizierte Wundmanagerin und arbeitet im Arbeitskreis Wundversorgung im RKH mit. Zudem ist sie Dozentin in der innerbetrieblichen Fortbildung des Hauses.

 

Silke Lauterbach studierte von 1994 bis 1999 Pharmazie in Marburg. Sie ist Fachapothekerin für Klinische Pharmazie und arbeitet im Rotes-Kreuz-Krankenhaus in Kassel als stellvertretende Apothekenleiterin und Leiterin der Materialwirtschaft. Seit 2002 leitet sie den Arbeitskreis Wundversorgung im Krankenhaus. Sie ist Autorin einer Wundfibel sowie Dozentin für die Landesapothekerkammer Hessen und in der innerbetrieblichen Fortbildung des Hauses.

 

Für die Verfasserinnen:

Silke Lauterbach

Apotheke im Rotes-Kreuz-Krankenhaus

Hansteinstraße 29

34121 Kassel

E-Mail: apotheke(at)rkh-kassel.de


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Beitrag erschienen in Ausgabe 23/2008

 

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