Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

Parkinson: Patienten mit Frühsymptomen für Studien gesucht

NACHRICHTEN

 
Parkinson: Patienten mit Frühsymptomen für Studien gesucht
 


Anzeichen für Parkinson zeigen sich bis zu 10 bis 20 Jahre vor Ausbruch der bislang unheilbaren Nervenerkrankung. Zwar können Betroffene im Moment noch nicht direkt von einer frühen Diagnose profitieren, aber der Forschung weiterhelfen: «Durch eine frühe Diagnose erhalten wir wertvolle Hinweise auf die Krankheitsentstehung und damit für neue therapeutische Ansätze», erklärt Professor Dr. Heinz Reichmann von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) zum Welt-Parkinson-Tag am 11. April.

«Die Frühsymptome sind lediglich ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko – es gibt bisher aber weder ein verlässliches Kriterium, das mit Sicherheit anzeigt, dass ein Mensch im Laufe der nächsten Jahre Parkinson entwickeln wird, noch Medikamente, die die Entstehung verhindern können», betont Professor Dr. Daniela Berg von der Deutschen Parkinson-Gesellschaft (DPG). Umso wichtiger sei es, dass Betroffene an klinischen Studien teilnehmen, um durch langfristige Beobachtung ein besseres Verständnis dieser frühen Phase zu ermöglichen, so die Expertin.

Morbus Parkinson ist hierzulande nach Alzheimer die zweithäufigste degenerative Erkrankung mit 250.000 bis 300.000 Betroffenen. Frühe Anzeichen sind beispielsweise Riechstörungen, aggressive Träume, Depressionen, Zittern, Schwindel, aber auch Verstopfung und Harnentleerungsstörungen. Eine Diagnose erfolgt derzeit jedoch noch anhand der typischen Bewegungsstörungen bei ausgeprägter Erkrankung: Verlangsamung, Zittern (Tremor), Muskelsteifigkeit (Rigor) und im Verlauf eine Unsicherheit beim Stehen und Gehen mit der Gefahr, zu stürzen.

«Zu diesem Zeitpunkt sind dann aber mehr als die Hälfte der dopaminergen Nervenzellen des Gehirns, die die Bewegungskontrolle beeinflussen, bereits abgestorben», so Reichmann, der Direktor des Neurologischen Universitätsklinikums in Dresden ist. «Sollte es gelingen, neuroprotektive Therapieverfahren gegen den Tod dieser Nervenzellen im Labor zu identifizieren – und hieran wird unter anderem in Tierversuchen derzeit intensiv geforscht –, dürften diese umso wirksamer sein, je früher wir sie einsetzen können», ergänzt Professor Dr. Wolfgang Oertel, Inhaber der Hertie-Senior-Forschungsprofessur an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Marburg.

«Wenn neue Therapien getestet werden sollen, dann wird die REM-Schlafverhaltensstörung international derzeit als das spezifischste und geeignetste Frühzeichen der Parkinson-Krankheit eingestuft», sagt Oertel, der entsprechende Studien initiiert hat. Wer an dieser speziellen Schlaf-Traum-Störung leidet, werde nach derzeitigem Kenntnisstand mit bis zu 85-prozentiger Wahrscheinlichkeit binnen 15 bis 20 Jahren an Parkinson erkranken. (dh)
 
10.04.2015 l PZ
Foto: Fotolia/Minerva Studio
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


2016: Kassen erzielen Überschuss in Milliardenhöhe

Das Jahr 2016 verlief für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) bislang deutlich besser als erwartet: Im ersten bis dritten Quartal...



EU-Rechnungshof: Auf Epidemien nicht genug vorbereitet

Die EU schützt ihre Bürger aus Sicht des europäischen Rechnungshofs nicht optimal vor globalen Gesundheitsgefahren wie Vogelgrippe, Ebola...



Securpharm: Klinikprojekt soll Schutz verbessern

Das erste Krankenaus ist nun an das System zur Echtheitsprüfung von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln angeschlossen. Das teilte die...



Mumie mit Pocken: Seuche vermutlich jünger als gedacht

Bisher galten Pocken als eine der ältesten Seuchen der Menschheit. Jetzt wurden in einer Kindermumie aus dem 17. Jahrhundert unter einer...

 
 

Ausblick 2017: Chemiebranche zeigt sich wenig optimistisch
Die deutsche Chemiebranche erwartet im kommenden Jahr noch kein Ende der Flaute. 2017 werde der Umsatz in der chemisch-pharmazeutischen...

EuGH-Urteil: Apotheker starten Unterschriftenkampagne
Mit einer bundesweiten Unterschriftenaktion will die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ab sofort gegen die Konsequenzen...

Forscher entwickeln Handroboter mit Augensteuerung
Tübinger Wissenschaftler haben eine hirngesteuerte Roboterhand für querschnittsgelähmte Menschen entwickelt. Das sogenannte Hand-Exoskelett...

EU: Ab 2018 kein Amalgam mehr für Kinder und Schwangere
Wegen des giftigen Quecksilbers in Amalgam will die Europäische Union die millionenfach verwendete Zahnfüllung deutlich zurückdrängen. Ab...

Kasse veröffentlicht Zahlen zur Kundenzufriedenheit
Die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) will für mehr Transparenz bei Kundenklagen über Leistungen sorgen. Deshalb will sie als erste...

Schmidt bleibt ABDA-Präsident
Friedemann Schmidt (Foto) steht für weitere vier Jahre an der Spitze der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Die...

ABDA: Vizepräsident Arnold wiedergewählt
Der Vizepräsident der ABDA ‒ Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Mathias Arnold (Foto), geht in die Verlängerung: Die...

ABDA-Vorstand: Milz vertritt die Apothekenmitarbeiter
Bei der Mitgliederversammlung der ABDA ‒ Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hat heute nicht nur die Wahl des Präsidenten...

Europa: Fast jeder Vierte raucht
23,9 Prozent der in der Europäischen Union lebenden Personen ab 15 Jahren rauchen: 19,2 Prozent tun dies täglich, weitere 4,7 Prozent...

Regeln für Frühchen-Stationen: Verfassungsklage gescheitert
Mehrere Krankenhaus-Betreiber sind mit einer Verfassungsklage gegen Vorgaben für Früh- und Neugeborenen-Stationen gescheitert. Das...

Großbritannien: Millionenstrafe für Pfizer
Wegen «überhöhter und ungerechter» Preise für ein Epilepsie-Medikament soll der US-Pharmakonzern Pfizer in Großbritannien eine hohe Strafe...

Datenschutz: ABDA will klare Formulierungen
Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände wünscht sich beim Thema Datenschutz klare Regeln. Hintergrund sind Pläne des...

Neuer Wirkstoff: Hoffnung für Babys mit Muskelatrophie
In einer Phase-II-Studie hat der experimentelle Arzneistoff Nusinersen die Muskelfunktion und Nervenaktivität von 20 Babys mit spinaler...

Fieber bei Kindern: Medikamente nicht immer nötig
Fieber bei Kindern ist eine sinnvolle Abwehrreaktion des Körpers und muss nicht immer medikamentös behandelt werden. Darauf weist der...

Bundesweit einmalig: Düsseldorf plant Cannabis-Abgabestellen
Düsseldorf will als bundesweit erste Stadt lizensierte Abgabestellen für Cannabis ermöglichen. Der Stadtrat habe den Gesundheitsausschuss...

Medikationsplan: Glaeske will Apotheker stärker einbinden
Der im vergangenen Oktober bundeseinheitlich eingeführte Medikationsplan ist ein wichtiger Baustein zur Verbesserung der...

Organspende: Kommissionen legen Bericht vor
Kontrolleure haben an drei Universitätskliniken Manipulationen bei der Transplantation begehrter Spenderorgane festgestellt. Systematische...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU