Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Brustimplantate-Prozess geht vor den EuGH

NACHRICHTEN

 
Brustimplantate-Prozess geht vor den EuGH
 


Der heute vor dem Bundesgerichtshof begonnene Schadenersatz-Prozess gegen den TÜV Rheinland geht vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH). Das gab der BGH soeben bekannt. Hintergrund ist der Skandal um minderwertige Brustimplantate des französischen Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP) im Jahr 2010. Der TÜV Rheinland war als Aufsichtsbehörde für die Firma zuständig gewesen. Klägerin ist eine deutsche Patientin, der 2008 nach einer Krebserkrankung PIP-Implantate in beide Brüste eingesetzt wurden. Nachdem bekannt wurde, dass das Unternehmen minderwertiges Industriesilikon verwendet hatte, ließ sie die Implantate entfernen und ersetzen.

Eine Entschädigung für die damit einhergehenden körperlichen und psychischen Belastungen zu erhalten erwies sich jedoch nicht nur für sie, sondern für viele betroffene Patientinnen als schwierig: Der PIP-Firmengründer wurde bereits zu vier Jahren Gefängnis verurteilt und ist inzwischen insolvent. Haftpflichtversicherer des Unternehmens war die Allianz – von ihr haben jedoch nur französische Patientinnen Schadenersatz zu erwarten. Deutsche Betroffene hoffen deshalb auf Zahlungen durch den TÜV.

Nach Ansicht der Klägerin hat die Behörde PIP und seine Produkte nicht ausreichend geprüft und überwacht. Sie fordert deshalb 40.000 Euro Schmerzensgeld sowie eine Kostenübernahme aller ihr in Zukunft infolge der eingesetzten PIP-Implantate entstehenden Schäden. Nach dem Austausch habe sie an Narbenschmerzen, einer Gürtelrose sowie einer Kapselfibrose gelitten. Nun befürchtet die Frau, dass ihr weitere Operationen mit ähnlichen Komplikationen bevorstehen.

Zwei Vorinstanzen hatten ihre Klage bereits abgewiesen. Die Richter hatten argumentiert, der TÜV habe lediglich anhand von Dokumenten kontrollieren sollen, ob der Hersteller selbst regelmäßig die Qualität seiner Produkte prüft – dies habe die Behörde auch getan. Die Implantate selbst zu untersuchen, sei nicht Aufgabe des TÜV gewesen. Er sei durch den Hersteller bewusst getäuscht worden. Der klagenden Patientin genügte das nicht, sie brachte den Prozess vor den BGH.

Dieser hat ihn nun an den EuGH nach Luxemburg verwiesen. Die dortigen Richter sollen entscheiden, ob der TÜV Rheinland auch die Implantate selbst regelmäßig hätte prüfen und unangekündigt inspizieren müssen. In der entsprechenden Richtlinie ist nur die Rede davon, dass eine Behörde unangemeldete Besichtigungen durchführen kann. Ob sie es auch muss, soll nun geklärt werden. (ah)
 
09.04.2015 l PZ
Foto: Fotolia/Nejron Photo (Symbolbild)
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Ab 2017: Isopropanol 70 Prozent nur noch mit Zulassung

Apotheken dürfen das Biozid Isopropylalkohol (2-Propanol) 70 Prozent ab 2017 ohne Zulassungsantrag bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz...



Nur noch Basistarif: Privatversicherte wollen sparen

Immer mehr Privatversicherte sind einem Medienbericht zufolge zuletzt in günstigere Basis- und Standardtarife gewechselt. Deren Zahl wuchs...



Krisenfamilien: Kinder oft «Teufelskreis der Gewalt» ausgesetzt

Vor dem Internationalen Kindertag an diesem Mittwoch hat der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, Gewalt gegen Kinder...



Nutzenbewertung und Sicherheit: Hersteller rügen Kassen

Die Pharmaindustrie hat sich bei Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) über den GKV-Spitzenverband beschwert. In einem offenen Brief an...

 
 

E-Health: Versandapotheker wollen Tempo machen
Die Versandapotheker haben an die Bundesregierung appelliert, die Digitalisierung bei der Medikamentenversorgung der Patienten...

Hämophilie A: Antikörper verhindert Blutungen
Der monoklonale Antikörper Emicizumab ist in einer ersten klinischen Studie erfolgreich bei Patienten mit Hämophilie A getestet worden. In...

Zum Weltnichtrauchertag: Risiken beim Namen nennen
Beinahe jeder siebte Todesfall in Deutschland geht auf das Rauchen zurück. Laut einer gemeinsamen Mitteilung der Bundeszentrale für...

Fluorchinolone: FDA warnt vor leichtfertigem Einsatz
In den USA sollen Fluorochinolon-Antibiotika (Gyrasehemmer) bei banalen Infekten wie Sinusitis, Bronchitis oder unkomplizierten...

Olympische Spiele: Diskussion um Zika-Warnung
Als Reaktion auf die Zika-Epidemie haben mehr als 150 Gesundheitsexperten in einem offenen Brief die Verschiebung der Olympischen Spiele in...

Forschung an Primaten: Tierschützer protestieren in Tübingen
Tierschützer haben am Wochenende gegen die umstrittenen Affenversuche in Tübingen protestiert. Mit Transparenten und der Forderung «Stoppt...

Pharmabranche: Nur die Großen wachsen
Trotz eines weltweit steigenden Bedarfs an Medikamenten treten die großen Pharmaunternehmen auf der Stelle. Wie eine heute veröffentlichte...

Atopische Dermatitis: Basispflege hat viele Effekte
Eine konsequente Basispflege, am besten morgens und abends, ist bei atopischer Dermatitis unerlässlich. Eine gute Hautpflege könne Juckreiz...

Hepatitis C: Zwei neue Mittel zur Zulassung empfohlen
Epclusa® und Zepatier® heißen zwei neue Arzneimittel, die aller Voraussicht nach bald die therapeutischen Optionen...

Arzneiformen für Kinder: Todesurteil für die Parabene
Kommt jetzt das Aus für die Parabene? Professor Dr. Jörg Breitkreutz (Foto) vom Institut für Pharmazeutische Technologie der...

ASS bei Kindern: Das muss kein Fehler sein
Viele wissen, dass der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) wegen der Gefahr des Reye-Syndroms bei Kindern nicht eingesetzt werden sollte....

Generika: EU-Parlament will Produktion stärken
Das EU-Parlament will den Generikamarkt stärken und hat die EU-Kommission zu einer entsprechenden Gesetzesänderung aufgefordert. Das teilte...

Phase-I-Studien: EMA überarbeitet Vorschriften
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) stellt die Vorschriften auf den Prüfstand, die gelten, wenn Arzneistoffe zum ersten Mal an...

Chronische Sinusitis: Nasen-Mikrobiom ist nicht schuld
Die Zusammensetzung der Bakterien in der Nasenhöhle unterscheidet sich bei Menschen, die an einer chronischen Entzündung der...

Tierhaltung: EMA will Colistin-Einsatz beschränken
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) will dafür sorgen, dass der veterinärmedizinische Einsatz des Antibiotikums Colistin in Europa...

Heimversorgung: Lagerraum als Arbeitsstätte zulässig
Apotheken dürfen die Heimversorgung auch von einem externen angemieteten Lagerraum aus regeln. Das hat das Bundesverwaltungsgericht...

Polymedikation bei Senioren: Merkkarte unterstützt Apotheker
Senioren haben grundsätzlich ein höheres Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen als jüngere Menschen, weil sie häufig mehrere...

Ärzte gegen Übergewicht: Softdrink-Steuer soll Trend stoppen
Im Kampf gegen Übergewicht haben Ärzte eine Softdrink-Steuer, mehr Schulsport und Ernährungskunde als Unterrichtsfach vorgeschlagen. Mehr...

Noch mehr Meldungen...













DIREKT ZU