Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Kindliche Prägung: Wie riecht der Frühling?

NACHRICHTEN

 
Kindliche Prägung: Wie riecht der Frühling?
 


Der Duft des Frühlings ist für sie das, was ihnen als Kind zu dieser Jahreszeit in die Nase gestiegen ist. Egal, was es war. «Den Frühlingsduft haben die Menschen nicht in den Genen, sondern sie haben ihn erlernt, indem sie jedes Jahr, wenn's Frühling wird, einen bestimmten Duft wahrnehmen», erklärt der Duftforscher Hanns Hatt von der Ruhruniversität Bochum. «Dieser Duft wird verknüpft mit der Aussicht auf Frühling, auf Wärme. Das geschieht schon in der Kindheit.»
 
In Deutschland sind es oft bestimmte Blumen, die mit dem Frühling assoziiert werden, weil man sich zu dieser Zeit einen Strauß davon auf den Tisch stellt. «Dabei verbinden wir mit dem Frühling viele Pflanzen, die ursprünglich überhaupt nicht bei uns heimisch waren», erläutert die Biologin Gesche Hohlstein vom Botanischen Garten Berlin. So stammt die Hyazinthe aus Zentralasien, ebenso wie die wohl populärste Frühlingsblume, die Tulpe. Sie gelangte im 16. Jahrhundert über die Türkei nach Deutschland und dann erst in die Niederlande. «Das sind nur ein paar Beispiele, um zu illustrieren, wie globalisiert unser Frühlingsgefühl ist», sagt Hohlstein.
 
Der erste Frühlingsduft unmittelbar nach dem Ende des Winters im März stammt allerdings noch gar nicht von blühenden Veilchen, Narzissen oder Flieder. «Der erste Frühlingsduft beginnt viel früher», sagt Professor Hatt. «Wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen den kalten, vielleicht noch gefrorenen Boden treffen, dann wird durch die Wärme Wasser freigesetzt, und die Moose und verrotteten Blätter und all diese Dinge geben aufgrund der höheren Temperatur ihre Duftstoffe in die Luft ab und werden mit dem Wasserdampf hochgerissen in unsere Nase.» Das Ergebnis: fauliger Modergeruch!
 
Eigentlich alles andere als angenehm, wie Hatt einräumen muss: «Dieser erste Frühlingsgeruch, wenn man so merkt: «Ah, jetzt liegt der Frühling in der Luft!», der ist eigentlich gar nicht so toll.» Weil das Gehirn die Information aus der Nase aber sofort mit einer angenehmen Erinnerung verknüpft, wird es doch als etwas Positives empfunden. Das kann auch für alle möglichen anderen Gerüche gelten. Wenn Mutter früher bei den ersten Sonnenstrahlen immer den großen Frühjahrsputz gemacht hat, dann kann der Geruch scharfer Scheuermittel ein Leben lang romantische Frühlingsgefühle wecken. Umgekehrt gilt das allerdings auch: Wer die schöne Jahreszeit fürchtet, weil er zum Beispiel Pollenallergiker ist – mit anderen Worten: wer den Frühling nicht riechen kann – für den duftet er nicht. Er stinkt. Und zwar durchgängig.
 
19.03.2015 l dpa
Foto: Fotolia/Sunny studio
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Pharmacon Meran: Mehr junge Besucher

Die Veranstalter des Pharmacon in Meran haben nach dem Abschluss des Kongresses eine positive Bilanz gezogen. Es seien noch einmal mehr...



Hautkrebsschutz: Besser bedecken als eincremen

Sonnencreme schützt beim Sonnenbaden nicht vor Hautkrebs. Das betonte Teresa Amaral vom Zentrum für Dermatoonkologie der...



Impfberatung: Kitas müssen Verweigerer künftig melden

Die Bundesregierung will konsequenter gegen Eltern vorgehen, die sich einer Impfberatung verweigern. Das geht aus dem Entwurf eines...



Drug targeting: Von adressierten Päckchen und Schleusentoren

Ein Drug Targeting, also die zielgenaue Anreicherung eines Arzneistoffs am Wirkort nach systemischer Gabe, ist für viele Arzneistoffe...

 
 

Reisedurchfall: Trinken und Paracetamol
Wer im Urlaub Durchfall bekommt und ein Schmerzmittel nehmen möchte, sollte am besten Paracetamol wählen. Darauf wies Professor Thomas...

Ramadan: Gläubige sollten Medikamente trotzdem nehmen
Muslime sollten auch während der Fastenzeit weiter ihre Medikamente nehmen. Darauf hat die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher...

Obama sieht Gesundheitsversorgung «insgesamt bedroht»
Der frühere US-Präsident Barack Obama hat eindringlich dafür geworben, die von ihm eingeleitete Reform des amerikanischen Gesundheitswesens...

Knochenmarkspende: Gemeinsam gegen Blutkrebs
In Deutschland sind mit gut 7,4 Millionen Menschen so viele Knochenmarkspender registriert wie noch nie zuvor. Das geht aus Zahlen des...

Tabakanbau: Warum Rauchen auch der Umwelt schadet
Die Deutsche Krebshilfe führt Rauchern nicht nur die gesundheitlichen, sondern auch die ökologischen Folgen des Rauchens vor Augen. «Die...

Stratifizierte Medizin: Es gibt noch Luft nach oben
Sogenannte Präzisionsarzneimittel, die nur bei Patienten mit bestimmten Eigenschaften wirken, werden momentan noch nicht optimal genutzt....

Digitale Gesundheitsdienste: Zwischen Skepsis und Vertrauen
Rund die Hälfte der Deutschen steht digitalen Gesundheitsdiensten skeptisch gegenüber. Das geht aus einer Studie hervor, die der Verein...

In der Pipeline: MAB für die kranke Haut
Was haben Avelumab, Dupilumab und Brodalumab gemeinsam? Drei Gemeinsamkeiten und viele Details stellte Professor Dr. Manfred...

Neue Arzneimittel: 2016 war ein gutes Jahr
Insgesamt 32 neue Wirkstoffe kamen im Jahr 2016 in Deutschland neu auf den Markt – der Großteil davon Sprung- oder Schrittinnovationen....

Verstopfung: Besser beraten in der Apotheke
Wer an chronischer Verstopfung leidet, kann sich in der Apotheke diskret und persönlich beraten lassen. Darauf wies der Apotheker Christian...

FIP: Arzneimittelentwicklung besser einbetten
Bei der Entdeckung und Entwicklung neuer Arzneimittel sollen künftig nicht mehr einzelne Krankheiten isoliert betrachtet werden....

CRISPR/Cas9: Tatsächliche und zukünftige Anwendungen
Das als Genschere bekannt gewordene CRISPR/Cas9-System ermöglicht eine ganze Reihe von neuen medizinischen Optionen. Was bereits angewandt...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU