Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Cannabis: Grüne legen Gesetzentwurf zur Legalisierung vor

NACHRICHTEN

 
Cannabis: Grüne legen Gesetzentwurf zur Legalisierung vor
 


Die Grünen wollen Cannabis unter strengen Auflagen und nur für Erwachsene legalisieren. Es gelte, ein kontrolliertes und reguliertes System zu schaffen, das Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren vor der Droge schütze und den Cannabiskonsum Erwachsener entkriminalisiere, erläuterte Grünen-Fraktionsvize Katja Dörner in Berlin bei der Vorstellung des Entwurfs eines «Cannabiskontrollgesetzes».

 

Die Grünen wollen bei Erwachsenen Erwerb und Besitz von 30 Gramm Cannabis für den Eigenbedarf erlauben oder Anbau und Abernten von drei Cannabispflanzen. Unter 18 Jahren ist Erwerb und Besitz «vollständig untersagt». Cannabis und cannabishaltige Produkte dürfen demnach nur in zugelassenen Fachgeschäften verkauft werden. Wer Cannabis anbaut, verkauft oder damit handelt, «wird streng kontrolliert», heißt es in dem Entwurf. Ebenso bedarf Im- und Export einer behördlichen Genehmigung, Verkauf im Versandhandel oder an Automaten werde untersagt. Es gelte ein Werbeverbot. Cannabis aus gentechnisch verändertem Hanf oder mit Verunreinigungen wie Pflanzenschutzmitteln dürfe nicht in Verkehr gebracht werden.

 

Der drogenpolitische Sprecher der Grünen, Harald Terpe, sagte, man wolle auf Cannabis je nach Produkt eine Verbrauchssteuer von vier bis sechs Euro je Gramm erheben. Man erwarte davon Steuereinnahmen von einer bis zwei Milliarden Euro jährlich. Dabei gehe man von einem Gesamtpreis pro Gramm von etwas weniger als dem derzeitigen geschätzten Schwarzmarktpreis von zehn bis zwölf Euro aus.

 

Durch die Legalisierung rechne man mit einer erheblichen Entlastung von Polizei und Strafermittlungsbehörden. Der Gesetzentwurf solle Mitte März in erster Lesung in den Bundestag eingebracht werden. Bei der Frage nach der Akzeptanz in den anderen Fraktionen hieß es, dass die Offenheit gegenüber dem Thema deutlich zugenommen habe. Nach den Worten Dörners unterstützen die Grünen das Vorhaben des Bundesgesundheitsministeriums grundsätzlich, Cannabis als Schmerzmittel zuzulassen. Allerdings sei der eigene Gesetzentwurf ein wesentlich breiterer Aufschlag zu dem Thema.

 

Nach den Worten der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), arbeitet das Ministerium derzeit an einer entsprechenden Regelung, Cannabis als Schmerzmittel für Patienten zuzulassen, die etwa Multiple Sklerose haben. Zudem sollte in diesem Fall Cannabis von der Kasse bezahlt werden. Derzeit entscheidet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) darüber, wer auf der Basis von Cannabis eine Schmerztherapie machen kann. Nach einer Liste des Instituts, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, können in Deutschland derzeit 382 Patienten Cannabis legal als Schmerzmittel einsetzen.

 

04.03.2015 l dpa

Foto: Fotolia/Julyuela

 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Falsche Krebsmittel: NRW verschärft Apothekenkontrollen

Im Skandal um gepantschte Krebsmittel aus einer Bottroper Schwerpunktapotheke hat Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef...



Thüringen: Mehr Pharmazie mit weniger Apotheken

Apotheker sind in Thüringen immer gefragter, gleichzeitig nimmt die Zahl der Apotheken in dem Bundesland insbesondere im ländlichen Raum...



Asthma und COPD: 3,6 Millionen Todesfälle weltweit

3,2 Millionen Menschen starben einer internationalen Analyse zufolge 2015 weltweit an den Folgen einer chronisch obstruktiven...



Magnesium: Wann und wie viel substituieren?

Die Verbraucherschutzzentrale Sachsen hat das Pharmaunternehmen Klosterfrau wegen zu hoher Dosierempfehlungen für ein Magnesium-Präparat...

 
 

Bei Diabetes und Darmkrebs am besten Metformin
Das Antidiabetikum Metformin kann das Gesamtüberleben von Diabetikern mit Dickdarmkrebs verlängern, hat aber keinen Einfluss auf das...

Krebs: Gehilfe von Immun-Checkpoint entdeckt
Der Immun-Checkpoint PD-L1, mit dem Krebszellen der Zerstörung durch Killerzellen...

Sabine Dittmar: Mehr Kompetenzen statt Rx-Versandverbot
Die SPD will den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten beibehalten. Das betonte auch SPD-Gesundheitsexpertin Sabine...

UPD: Linke beklagen Rückschritte
Die Kritik an der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) reißt nicht ab. Wer Rat sucht, müsse lange warten, bis er auf einen...

Finanzaufsicht warnt vor Reichsbürger-Krankenkasse
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat vor einer offensichtlich zur Reichsbürgerbewegung gehörenden ominösen...

Saarland: Vor-Ort-Apotheken garantieren Versorgung
OTC-Arzneimittel scheinen in der Versandapotheke auf den ersten Blick oft etwas günstiger zu sein als in der Apotheke vor Ort. Was die...

Stada-Übernahme: Ergebnis Ende der Woche
Um den Bad Vilbeler Arzneimittelhersteller Stada bleibt es weiter spannend. In der Nacht zum heutigen Donnerstag ist das Übernahmeangebot...

Krebs: Alternative Therapien senken Überlebenschancen
Wer sich gegen eine etablierte Krebstherapie entscheidet und auf alternative Medizin setzt, senkt seine Chancen, die kommenden fünf Jahre...

Zufallsentdeckung: Virostatika mit breiter Wirkung
Die Hemmung der Histon-Methyltransferasen EHZ2 und EZH1 könnte einen neuen therapeutischen Ansatzpunkt gegen Infektionen mit verschiedenen...

Minijob und Leiharbeit: Sozialverband warnt vor Altersarmut
Obwohl der Arbeitsmarkt boomt hat gut jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland keinen regulären Job. 7,7 Millionen Menschen arbeiten nach...

Diagnostik-Kaugummi: Wenn Entzündung bitter schmeckt
Ein Kaugummi, der auf bestimmte Stoffe im Speichel mit einem Geschmackswechsel reagiert, könnte künftig als Frühwarnsystem für Entzündungen...

Gesundheitszustand: Zwei Drittel der Deutschen sind zufrieden
Die meisten Bundesbürger sind mit ihrem Gesundheitszustand zufrieden. 39 Prozent schätzen ihn als gut ein, 20 Prozent als sehr gut und 9...

Klage gegen Klosterfrau: Magnesium zu hoch dosiert?
Die Verbraucherschutzzentrale Sachsen wirft dem Pharmaunternehmen Klosterfrau zu hohe Dosierempfehlungen bei Magnesium vor. Deswegen sei...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU