Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Eppendorfer Dialog: «Arzneimittelforschung ist Hürdenlauf»

NACHRICHTEN

 
Eppendorfer Dialog: «Arzneimittelforschung ist Hürdenlauf»
 


Welche Auswirkungen haben die weitreichenden innerstaatlichen und EU-rechtlichen Zulassungs- und Nutzenbewertungsrichtlinien auf die Arzneimittelforschung und die Patientenversorgung in Deutschland? Dieser Frage widmete sich der 17. Eppendorfer Dialog zur Gesundheitspolitik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf unter Moderation des Initiators, Professor Dr. Matthias Augustin (Foto, links). 
 
Nach Ansicht von Dr. Michaela Gorath macht die Vielzahl an gesetzlichen Vorgaben und Verordnungen die Arzneimittelforschung für pharmazeutische Unternehmen zu einem «inadäquaten Hürdenlauf». Sie spricht von ungeeigneten gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen, die die Arzneimittelentwicklung auch und gerade auf Basis bewährter Wirkstoffe ausbremsen und behindern. Investitionen in bewährte Arzneistoffe ließen sich oftmals nicht refinanzieren und seien somit für Pharmaunternehmen nicht lohnenswert. «Manche Entwicklungsidee wird nicht verwirklicht und kann somit auch nicht der Verbesserung der Patientenversorgung dienen», so die Molekularbiologin und Projektmanagerin im Bereich Produktentwicklung. Gorath forderte die kritische Auseinandersetzung mit den zurzeit geltenden regulatorischen Vorgaben.
 
«Die Hürden für Arzneimittel-Innovationen sind hoch, die Motivation für Forschungsaktivitäten deshalb möglicherweise zu gering», unterstrich Rechtsanwalt und Arzt Professor Dr. Christian Dierks. Der Gesetzgeber sei aufgefordert, nach neuen Anreiz gebenden Lösungen zu suchen, sagte der Rechtsanwalt. Auch Anette Widmann-Mauz, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit hält «gute politische Rahmenbedingungen für die Erforschung neuer Arzneimittel» für unerlässlich. Zumal «nirgendwo in Europa wirkliche Arzneimittel-Innovationen so schnell in die Patientenversorgung gelangen wie in Deutschland».
 
Josef Hecken (Foto, rechts), Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), machte im weiteren Verlauf der Veranstaltung den Beitrag des Ausschusses für den medizinischen Fortschritt deutlich: Der G-BA betrachte die «Trennung der Spreu vom Weizen» als seine vorrangigste Aufgabe. Es gelte, gegebenenfalls «alten Wein in neuen Schläuchen» auszuschließen, um den wirklich größten Nutzen für alle Patienten zu erzielen.
 
Als nunmehr schon traditionelle Veranstaltungsreihe wurde der «Eppendorfer Dialog» ins Leben gerufen, um einer interessierten Öffentlichkeit regelmäßig Einblicke in gesundheitspolitische Bestrebungen und Perspektiven zu geben. Die Resonanz war wie in der Vergangenheit auch dieses Mal groß. (cb)
 
26.02.2015 l PZ
Foto: PZ/Christiane Berg
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Stada: Schlagabtausch in Frankfurt

Jedes Jahr findet in Frankfurt am Main die Stada-Hauptversammlung statt. In den vorangegangenen Jahren waren die Veranstaltungen nur mäßig...



Withaferin A bei Mäusen gegen Übergewicht wirksam

Withaferin A, ein Inhaltsstoff der Schlafbeere (Withania somnifera), hat bei Mäusen mit diätinduzierter Adipositas (DIA) zu einer...



Modellprojekt in Sachsen: Diabetes-Test bei Babys

Neugeborene sollen künftig in Sachsen für ein Modellprojekt auf ihr Typ-1-Diabetes-Risiko getestet werden. Das Screening zu einer möglichen...



Chinoxaline: Möglicher Ansatz gegen Ebola gefunden

Wissenschaftler haben einen neuen Ansatz identifiziert, um Infektionen mit RNA-Viren zu bekämpfen: sogenannte Austritt-Inhibitoren, die die...

 
 

Stada: Gut besuchte Hauptversammlung
Die bevorstehende Kampfabstimmung um den Stada-Aufsichtsrat hat zu einer Rekordbeteiligung bei der Hauptversammlung geführt. Heute sind in...

Wespen: Unterschiede im Giftcocktail erkennen
Der Spätsommer ist Wespenzeit. Für Allergiker eine bedrohliche Situation, denn ein Wespenstich kann lebensgefährlich sein. Eine...

ARZ Haan: 2015 Zuwachs von 10 Prozent
Das Geschäftsjahr 2015 ist für Abrechnungsspezialist ARZ Haan gut gelaufen: Der Umsatz stieg um 10 Prozent auf 47,8 Millionen Euro, wie der...

GKV: Kassenplus im ersten Halbjahr
Die Finanzlage der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hat sich zur Jahresmitte weiter verbessert. Die 118 Kassen verbuchten Ende Juni...

FXIa-Inhibitor: Gerinnungshemmer mit geringem Blutungsrisiko
Der ideale Gerinnungshemmer senkt das Risiko für Thrombosen, ohne das für Blutungen zu erhöhen. Diesem Ziel sind Wissenschaftler um Dr....

Forscher: Normalgewicht beugt Krebs vor
Wer übergewichtig ist, hat Experten zufolge ein erhöhtes Risiko für viele Arten von Krebs. Das war für einige Krebsarten bekannt und wurde...

Klinisches Krebsregister: Es gibt viele Baustellen
Bis Ende 2017 muss in allen Bundesländern das klinische Krebsregister aufgebaut sein. Das hat der Bundestag 2013 gesetzlich geregelt. Wie...

Halbjahreszahlen: Apobank mit durchwachsenem Ergebnis
Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) hat im ersten Halbjahr 2016 einen Jahresüberschuss nach Steuern von 30,4 Millionen Euro...

Klimawandel könnte Zahl der Ambrosia-Allergiker verdoppeln
Der Klimawandel könnte nach Forscherangaben in Europa eine wahre Heuschnupfenwelle verursachen. Eine besondere Rolle spiele dabei die...

Die Linke: Regierung nimmt Lieferengpässe nicht ernst
Die Bundesregierung spielt nach Ansicht der Linken das Problem anhaltender Lieferengpässe bei Arzneimitteln herunter. Die stellvertretende...

Zwangsbehandlung psychisch Kranker: Neuregelung nötig
Die gesetzlichen Regeln zur ärztlichen Zwangsbehandlung psychisch Kranker müssen nachgebessert werden, weil sie verfassungswidrige Lücken...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU