Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

BfArM warnt vor Miracle Mineral Supplement

NACHRICHTEN

 
BfArM warnt vor Miracle Mineral Supplement
 


Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) stuft die «Miracle Mineral Supplement»-Produkte MMS und MMS2 der Firma Luxusline Ltd. als zulassungspflichtige Arzneimittel ein. Zudem sieht es diese Produkte als bedenklich an, weil der begründete Verdacht bestehe, dass sie bei bestimmungsgemäßem Gebrauch schädliche Wirkungen haben, die über ein vertretbares Maß hinausgehen.

Das BfArM hatte bereits im vergangenen Jahr vor Natriumchlorit-Produkten gewarnt, die in der Regel über das Internet als Miracle Mineral Supplement zur Heilung von Krebs, Malaria, chronischen Infektionen und weiteren schwerwiegenden Krankheiten beworben werden. Mit der aktuellen Einstufung bestätigt es seine kritische Haltung zum Vertrieb und der Anwendung dieser Produkte.

Da der Hersteller eindeutige Heilversprechen macht und arzneiliche Zweckbestimmungen angibt, sind die Produkte MMS und MMS2 laut BfArM sogenannte Präsentationsarzneimittel. Als solche sind nach dem Arzneimittelgesetz Produkte einzustufen, die zur Heilung, Linderung oder Verhütung von Krankheiten bestimmt sind. Anders als bei Funktionsarzneimitteln ist dabei nicht die pharmakologische Wirkung eines Stoffes ausschlaggebend, sondern die Frage, wie ein Produkt ausgelobt wird und wie es daraufhin vom Verbraucher verstanden wird. Mit dieser Zweiteilung will der Gesetzgeber erreichen, dass einerseits Produkte, die mit einer Heilaussage beworben werden, und anderseits Produkte mit pharmakologischen Eigenschaften, auch ohne entsprechende Auslobung, im Sinne des vorbeugenden Patientenschutzes arzneimittelrechtlich kontrolliert werden und nicht ohne behördliche Zulassung in den Verkehr gebracht werden dürfen. Als bedenklich nach § 5 Arzneimittelgesetz sind die beiden Produkte dem BfArM zufolge deswegen einzustufen, weil mit der Einnahme schädliche Wirkungen verbunden sind, die über ein vertretbares Maß hinausgehen.
 
MMS enthält Natriumchloritlösung 28 Prozent, MMS2 enthält Calciumhypochlorit 70 Prozent in Kapseln. Beide Produkte werden zusammen mit einer «Aktivator»-Zitronensäurelösung 10 Prozent zur Trinkwasseraufbereitung in Verkehr gebracht. Durch die Reaktion von MMS mit der sogenannten Aktivatorlösung, also von Natriumchlorit und Zitronensäure, entsteht Chlordioxid, ein giftiges Gas mit stechendem, chlorähnlichem Geruch. Chlordioxid wird als Bleichmittel von Papier und zur Desinfektion von Trinkwasser eingesetzt und verursacht schwere Verätzungen der Haut sowie schwere Augenschäden.
 
Den Giftnotrufzentralen liegen laut BfArM Fälle von Erbrechen, Atemstörungen und Hautverätzungen bei der Einnahme von MMS vor. Auch in anderen Ländern wurden nach Einnahme von MMS unerwünschte Wirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall, Nierenversagen, Verätzungen der Speiseröhre sowie Atemstörungen beobachtet.
 
26.02.2015 l PZ
Foto: Fotolia/Lack-O'Keen
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Rekombinantes Parathormon vor Zulassung

Natpar könnte in Europa das erste verfügbare Medikament zur Behandlung eines Hypoparathyreoidismus werden. Bei der seltenen Erkrankung ist...



Krebstherapie: Erstes Biosimilar im EU-Markt

Für die Onkologie in Europa ist es ein wesentlicher Schritt: Mit Truxima™ des südkoreanischen Unternehmens Celltrion hat das erste...



Brexit: Viele Ärzte überlegen, die Insel zu verlassen

Einer Umfrage der British Medical Association (BMA) zufolge zieht es mehr als jeder vierte ausländische Arzt (42 Prozent) in Betracht, nach...



Tag der seltenen Erkrankungen: Forschung im Fokus

Am 28. Februar findet bereits zum zehnten Mal der internationale Tag der seltenen Erkrankungen statt. Er soll weltweit auf die Nöte und...

 
 

KBV: Politik soll gegen Klinik-Wildwuchs vorgehen
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat mehr Engagement der Politik zur Umsetzung der Krankenhausstrukturreform gefordert. Für eine...

Fiebersyndrome: neue Indikationen für Canakinumab
Für Patienten mit bestimmten Formen sogenannter hereditärer periodischer Fiebersyndrome (HPF) könnte in Kürze eine neue Therapieoption zur...

Rx-Boni: Gerichtsverfahren hat sich erledigt
Die Wettbewerbszentrale wird das Verfahren zu Rx-Boni vor dem Oberlandesgericht...

Mehr Diabetiker als vermutet: Jeder Zehnte leidet daran
In Deutschland leben mehr Menschen mit Diabetes als bisher geschätzt: Inzwischen leidet rund jeder zehnte Bundesbürger mit einer...

GKV: Finanzplus lässt auf stabilen Zusatzbeitrag hoffen
Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr ein Finanzplus von rund 1,4 Milliarden Euro eingefahren. Das Geldpolster der...

Rx-Versandverbot: Ressorts sind sich nicht einig
Das von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geplante Versandverbot für verschreibungspflichtige Medikamente ist nach wie vor...

Stada: Erstes verbindliches Übernahmeangebot eingegangen
Der Pharmakonzern Stada hat heute das erste rechtlich verbindliches Übernahmeangebot erhalten. Laut Ad-hoc-Meldung von Stada umfasst die...

WHO: Immer mehr Menschen leiden an Depressionen
Die Zahl der Menschen mit Depressionen steigt weltweit rasant. Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren 2015 rund 322...

Farbige Fun-Kontaktlinsen: Fragwürdiger Fastnachtsspaß
Freiverkäufliche Fun- oder Crazylinsen sollten nur so kurz wie möglich im Auge gelassen und am besten unter augenärztlicher Kontrolle...

Krankenkassen wollen Zyto-Ausschreibungen behalten
Die deutschen Krankenkassen ziehen alle Register, um das geplante Ende der Zyto-Ausschreibungen zu verhindern. In einem Schreiben an die...

Depressionen: Merkel sieht Aufklärungs- und Handlungsbedarf
Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht großen Handlungsbedarf für die Aufklärung über Depressionen – und für Gespräche mit Arbeitgebern...

Studie: Image der Pharmaindustrie bleibt schlecht
Die Pharmaindustrie hat weiterhin ein schlechtes Image. Nach Ansicht von fast drei Vierteln der Deutschen (73 Prozent) ist die Branche vor...

Alkohol an Karneval: Risiken nicht verharmlosen
Gerade im Karneval herrscht beim Alkohol oft Narrenfreiheit. Psychiater und Suchtexperte Darius Chahmoradi Tabatabai, Chefarzt am Vivantes...

Grippewelle: Höhepunkt wohl überschritten
Die schlimmste Phase der Grippesaison in Deutschland ist wahrscheinlich überstanden. Die Welle halte zwar an, allerdings scheine der...

Morbus Fabry: Selten und häufig übersehen
Bis zur Diagnose der seltenen Erkrankung Morbus Fabry vergehen im Schnitt 13 bis 18 Jahre. «Bei jungen Patienten mit Schlaganfall sowie bei...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU