Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Pille danach: Pro und Contra zum Versandverbot

NACHRICHTEN

 
Pille danach: Pro und Contra zum Versandverbot
 


SPD-Gesundheitsexpertin Hilde Mattheis kann die Ablehnung des Versandhandels beim Vertrieb der Pille danach nicht verstehen. Könne ein Versender die Lieferung innerhalb von 24 Stunden oder schneller garantieren, «gibt es im Interesse der betroffenen Frauen keinen Grund, diesen Bezugsweg rechtlich auszuschließen», sagte sie. In puncto Beratung gebe es zudem keine Unterschiede zwischen Versandapotheke und Apotheke vor Ort.

Am Mittwoch hatten Rheinland-Pfalz, Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein in den Gesundheitsausschuss des Bundesrats einen Antrag eingebracht, der ein Versandhandelsverbot der Pille danach vorsieht. Hintergrund ist die geplante Entlassung des Arzneimittels aus der Rezeptpflicht. Das Präparat erfordere eine persönliche Beratung in der Apotheke vor Ort, heißt es in der Begründung des Antrags. Eine Information über Online-Fragebögen oder am Telefon reiche nicht aus. Darüber hinaus müsse die Pille danach den betroffenen Frauen möglichst unverzüglich zur Verfügung stehen. Auch das könnten Versender nicht leisten. Im Gesundheitsausschuss fand der Antrag bereits eine Mehrheit, am 6. März soll nun das Plenum der Länderkammer darüber entscheiden. An diesem Tag steht auch die finale Abstimmung über die Freigabe des Notfallkontrazeptivums auf der Tagesordnung.

Linken-Gesundheitsexpertin Kathrin Vogler begrüßte den Vorstoß der Bundesländer grundsätzlich. Die Bedenken seien berechtigt, sagte sie. «Der Versandhandel kann eine ausreichend schnelle Belieferung mit der Pille danach nicht gewährleisten und ebenso wenig eine geeignete Beratung anbieten.» Den Linken ist der Versandhandel mit Arzneimitteln generell ein Dorn im Auge. Sie drängen seit Jahren darauf, ihn deutlich einzudämmen. Die Vorbehalte der Länder beim Versand der Pille danach könnten prinzipiell auch bei anderen rezeptfreien Präparaten zum Tragen kommen, so Vogler. «Auch da kann eine sensible Beratung vonnöten sein.» Zudem könnten Patienten bei Bedarf auch auf die Lieferung von Schmerzmitteln etwa nicht tagelang warten.

Aus Sicht der Linken würde es daher Sinn machen, auch für andere Präparate ein Versandverbot einzuführen. Dieser Vorschlag stößt allerdings bei den anderen Parteien auf wenig Gegenliebe. Dass nun für die verhältnismäßig nebenwirkungsarmen Notfallkontrazeptiva eine Sonderregelung geplant sei, «zeigt, dass es insbesondere bei den Unionsparteien immer noch ein ideologisch motiviertes Unbehagen gegen die Freigabe der Pille danach gibt», sagte Vogler. (sch)
 
Mehr zum Thema Verhütung
 
20.02.2015 l PZ
Foto: Fotolia/Pixel
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


DocMorris muss Automatenapotheke wieder schließen

Der Versandhändler DocMorris muss seine umstrittene Automatenapotheke in Baden-Württemberg schon nach gut 48 Stunden wieder schließen. Der...



Deutschland unter den zehn größten Raucherländern weltweit

Deutschland gehört weltweit zu den Top Ten der Länder mit der höchsten Anzahl an Rauchern – mit fatalen Folgen: Etwa jeder siebte Todesfall...



Hepatitis: Zu wenige Diagnosen, zu selten Therapie

Rund 325 Millionen Menschen sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit chronischer Hepatitis B oder Hepatitis C...



EMA: Amsterdam bewirbt sich um neuen Sitz

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) soll ihren Sitz nach dem Wunsch der Niederlande von London nach Amsterdam verlagern. Dieser...

 
 

NRW: Ersatzkassen bekommen 700.000 Euro zurück
Wegen gefälschter Abrechnungen und anderer Manipulationen haben die Ersatzkassen in Nordrhein-Westfalen 2016 mehr als 700.000 Euro von...

Pflegereform: Mehr Leistungen für 80.000 Menschen
Durch die seit Jahresbeginn wirkende Pflegereform haben bisher rund 80.000 Menschen Pflegeleistungen bekommen, die sonst leer ausgegangen...

Nacktmull schafft 18 Minuten ganz ohne Sauerstoff
Nacktmulle können bis zu 18 Minuten ganz ohne Sauerstoff überleben. Extremen Sauerstoffmangel überstehen die Tiere mehrere Stunden, wie...

Grünen-Politikerinnen besuchen Apotheke in Kiel
Not- und Nachtdienst, Rezeptur, Medikationsmanagement, Logistik, Ausbildung von PTA und Pharmaziepraktikanten, Arzneimittelberatung und...

Tausende Tabletten aus China bei Heilpraktiker sichergestellt
Der Zoll am Düsseldorfer Flughafen hat hohe Mengen chinesischer Medikamente beim Schmuggelversuch eines Heilpraktikers sichergestellt. Mehr...

Orale Corticoide: Auch kurzzeitig nicht unproblematisch
Die Risiken einer langfristigen oralen Glucocorticoid-Therapie sind bekannt. Aber auch eine kurzfristige Gabe über wenige Tage ist nicht so...

Innovationsfonds: Neue Förderprojekte, wenig Apotheker
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat heute die Namen von Projekten bekannt gegeben, die 2017 mit Mitteln aus dem Innovationsfonds...

Fatigue: Rituximab scheitert in Phase II
Der Antikörper Rituximab ist zur Behandlung eines chronischen Erschöpfungssyndroms bei Patienten mit einer Entzündung der Gallenwege in der...

Kampf gegen Hunger: Unterstützung aus dem All
Im Kampf gegen Hunger, Armut und Krankheit in der Welt will das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) aus der Luft helfen: Die...

Glyphosat: Berlin verzichtet auf umstrittenen Unkrautvernichter
Die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) wollen künftig auf den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat verzichten. Bisher sei das...

Masern: Gröhe ruft zur Schutzimpfung auf
Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat die Bundesbürger aufgerufen, ihren Impfschutz auf den aktuellen Stand zu bringen. «Impfungen...

Facebook will Menschen direkt mit dem Gehirn tippen lassen
Facebook will Menschen direkt aus dem Gehirn heraus Worte in Computer schreiben lassen. Damit wäre es zum Beispiel möglich, einem Freund...

Sozialwahl 2017: Ehrenamtliche für Versicherten-Interessen
Ab kommender Woche können Rentner und Versicherte der Ersatzkassen aufs Neue darüber mitentscheiden, was mit ihren Beitragsgeldern passiert...

Notfallversorgung: Kliniken im Clinch mit Ärzten und Kassen
Die Erstversorgung von Patienten in den Notfallambulanzen der Kliniken sorgt für neuen Streit zwischen Krankenhäusern, Kassenärzten und...

Forscher wollen von afrikanischen Heilern lernen
Wissenschaftler der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen dafür deren medizinisch genutzte Pflanzen....

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU