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Diabetes: Janssen nimmt Vokanamet vom Markt

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Diabetes: Janssen nimmt Vokanamet vom Markt
 


Nachdem der Gemeinsame Bundesausschuss dem Antidiabetikum Canagliflozin auch in Kombination mit Metformin keinen Zusatznutzen bestätigt hat, nimmt Hersteller Janssen nach dem Monopräparat Invokana® auch das Kombimittel Vokanamet® vom Markt. Das kündigte das Unternehmen jetzt an. Der Vertrieb in Deutschland soll demnach ab sofort eingestellt werden. Janssen zufolge haben Studienprogramme und direkte Vergleichsstudien gezeigt, dass Canagliflozin die Behandlung von Patienten mit Typ-2-Diabetes «deutlich verbessern kann».  Der G-BA habe die vorliegende Evidenz unzureichend berücksichtigt, daher wolle man nicht mit dem GKV-Spitzenverband in Preisverhandlungen treten. In anderen europäischen Ländern wie England, Schweden, Österreich und der Schweiz sei dem SGLT-2-Hemmer dagegen ein Zusatznutzen bescheinigt worden.

Auch die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) äußerte harsche Kritik an dem G-BA-Beschluss vom 5. Februar, der auch für Empagliflozin keinen Zusatznutzen gegenüber Sulfonylharnstoffen sah. Die Fachgesellschaft sieht in den SGLT-2-Hemmern eine innovative Therapiestrategie, mit der der Blutzucker effektiv und nachhaltig gesenkt werde ohne Gefahr von Hypoglykämien. Zudem reduzierten sich Gewicht und Blutdruck der Patienten. Die DDG wirft dem G-BA eine «strukturierte Nicht-Beachtung klinischer Evidenz» vor. Regelmäßig würden große Studiensätze nicht miteinbezogen, da die vom G-BA festgelegte Vergleichstherapie nicht wortgetreu befolgt würde. Sulfonylharnstoffe sieht die Fachgesellschaft nicht als gleichwertige Alternative an.

Durch die derzeitige Indikation und Nutzung von Vergleichstherapien könnten Typ-2-Diabetiker momentan nicht adäquat eingestellt werden, schreibt die DDG. «Hierdurch müssen sie häufig zeitiger Insulin spritzen mit dem Risiko der Unterzuckerung und gegebenenfalls weiterer Gewichtszunahme», kritisierte Professor Dr. Monika Kellerer, Leitlinienbeauftragte der DDG. Die Gesellschaft warnt auch vor Spätfolgen einer schlechten Blutzuckereinstellung wie Nervenschäden, Nierenversagen oder Erblindung. Die derzeitige Umsetzung des AMNOG auf dem Gebiet der Diabetologie «entmündigt die klinische Wissenschaft und gefährdet aus unserer Sicht die Patientensicherheit», so DDG-Mediensprecher Professor Dr. Dirk Müller-Wieland.

Mit Dapagliflozin (Forxiga®) kam 2012 der erste SGLT-2-Hemmer auf den Markt. Flozine hemmen den Natrium-abhängigen Glucose-Co-Transporter (SGLT) in der Niere, der für die Wiederaufnahme von Glucose aus dem Primärharn ins Blut zuständig ist. Durch die Blockade des Transporters wird mehr überschüssiger Zucker mit dem Urin ausgeschieden und der Blutzuckerspiegel sinkt. (dh)
 
Lesen Sie dazu auch
Wirkstoffprofil Canagliflozin (Invokana® / 2014) in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe
 
Mehr zum Thema Diabetes
 
18.02.2015 l PZ
Foto: Fotolia/fovito
 

 

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