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Kein Zusatznutzen für Lurasidon

PHARMAZIE

 

Kein Zusatznutzen für Lurasidon


Von Sven Siebenand / Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sieht für den bei Schizophrenie zugelassenen Wirkstoff Lurasidon (Latuda® von Takeda) keinen Zusatznutzen.

 

Sowohl in der Akuttherapie als auch bei der Rückfallprophylaxe sei unsicher, ob Lurasidon gegen die Symptome einer Schizophrenie ähnlich gut wirke wie die zweck­mäßigen Vergleichstherapien. Zu diesem Ergebnis kommt das IQWiG nach der Bewertung des vom Hersteller eingereichten Dossiers für die AMNOG-Nutzenbewertung.

 




Durch Modulation verschiedener Neurotransmitter normalisiert Lurasidon die Hirnaktivität von Patienten mit Schizophrenie.

Foto: Fotolia/lassedesignen


Was die Beurteilung von Lurasidon in der Akutbehandlung angeht, hält das Institut die Studien für ungeeignet. Lurasidon wurde in der Akutbehandlung in drei Studien mit Risperidon, Olanzapin oder Quetiapin XR verglichen. Die Dosierungen von Lurasidon und den anderen Substanzen wichen darin aber von der Leitlinie und der jeweiligen Fachinformation ab, so das IQWiG. Ob dadurch Effekte womöglich über- oder unterschätzt wurden, sei unsicher. Weiter kritisiert das IQWiG, dass der Hersteller seine Aussagen zum Zusatznutzen von Lurasidon zur Akutbehandlung allein auf eine Verringerung von Nebenwirkungen stützt. Dies wäre aber nur relevant, wenn nachgewiesen wäre, dass Lurasidon überhaupt so gut gegen Schizophrenie-Symptome wirkt wie die zweckmäßigen Vergleichstherapien.

 

Für die Beurteilung des Zusatznutzens in der Rückfallprophylaxe konnte das IQWiG Ergebnisse eines Vergleichs mit Risperidon heranziehen, in dem die Nicht-Unterlegenheit von Lurasidon gezeigt werden sollte. Dieses Studienziel sei nicht erreicht worden. Nach Publikation der Dossierbewertung führt der Gemeinsame Bundesausschuss nun ein Stellungnahmeverfahren durch und fasst einen abschließenden Beschluss über das Ausmaß des Zusatznutzens.

 

Lurasidon ist ein selektiver Inhibitor dopaminerger und monoaminerger Effekte. Es bindet stark an Dopamin-D2- sowie an serotonerge 5-HT2A- und 5-HT7-Rezeptoren. Zudem blockiert es bestimmte α2-adrenerge Rezeptor­typen. Als partieller Agonist wirkt es am 5-HT1A-Rezeptor. Da die Neurotransmitter Dopamin, Serotonin und Noradrenalin eine wichtige Rolle bei Schizophrenie spielen, trägt die Blockade dieser Rezeptoren dazu bei, die Gehirnaktivität zu normalisieren und Symptome zu reduzieren. Lurasidon bindet nicht an cholinerge oder muscarin­erge Rezeptoren. / 



Beitrag erschienen in Ausgabe 06/2015

 

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