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Projekt PRIMA: Medikationsplan im Alltag

POLITIK & WIRTSCHAFT

 
Projekt PRIMA

Medikationsplan im Alltag


Von Kerstin A. Gräfe / Die ABDA hat ein neues Projekt gestartet. Unter dem Namen PRIMA will sie die elektronische Erstellung von Medikationsplänen und deren Integration in den Alltag von Apothek­ern und Ärzten untersuchen. ABDA-Geschäftsführer Profess­or Martin Schulz leitet das Projekt. Er erläutert die Hintergründe, Inhalte und Ziele.

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PZ: Die ABDA hat mit PRIMA ein neues Projekt gestartet. Können Sie die Inhalte kurz vorstellen?

 




»Patienten, Apotheker und Ärzte werden zur Akzeptanz der Prozesse und zum Medikationsplan selbst befragt.«PRIMA-Projektleiter Professor Martin Schulz

Foto: PZ/Berg


Schulz: PRIMA steht für Primärsystem-Integration des Medikationsplans mit Akzeptanzuntersuchung. Wir untersuchen, welche Akzeptanz ein gemeinsam von Arzt und Apotheker elektronisch erstellter und gepflegter Medikationsplan bei allen Beteiligten, das heißt Patienten, Ärzten und Apothekern, findet und was wir noch verbessern können. Dafür soll der Medikationsplan exemplarisch in einige Apotheken- und Arztsoftwaresysteme integriert werden. Die Umsetzung, Praktikabilität und Akzeptanz wird dann in einer Modellregion untersucht.

 

PZ: Wo soll das Projekt stattfinden, und wer sind die Partner?

 

Schulz: Das Projekt wird in Sachsen und Thüringen laufen. Die Projektleitung liegt bei der ABDA in meinem Geschäftsbereich. Als Kooperationspartner sind die AOK Plus, die KBV, die Kassenärztlichen Vereinigungen und Landesapothekerverbände Sachsen und Thüringen sowie das Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin beteiligt.

 

PZ: Vor welchem Hintergrund ist PRIMA entstanden?

 

Schulz: Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat im Mai 2014 insgesamt 700 000 Euro für bis zu drei unabhängige Modellregionen zur Erprobung eines Medikationsplans in der Praxis hinsichtlich Akzeptanz und Praktika­bilität ausgeschrieben. Aus der Arzneimittelinit­iative Sachsen-Thüringen (ARMIN) heraus, in dem ja bereits weitreichende Vorarbeiten erfolgt sind, haben die Kooperationspartner entschieden, sich unter Federführung der ABDA auf diese Ausschreibung zu bewerben. Und wir bekamen den Zuschlag für eines von drei Projekten. Zusätzlich erhielten wir auch die Förderung, um eine Pilotuntersuchung zur Lesbarkeit und Verständlichkeit des Medikationsplans durchführen zu können. Dieses Projekt startete bereits Ende des letzten Jahres.

 

PZ: Wie hat man sich diese Pilotuntersuchung in der Praxis vorzustellen?

 

Schulz: Die Lesbarkeit und Verständlichkeit des Medikationsplans wird an 40 Patienten untersucht. Die Testung erfolgt in Form von Einzelinterviews. Den Teilnehmern wird ein beispielhaft erstellter Medikationsplan zusammen mit den Arzneimittelpackungen vorgelegt. Sie werden dann befragt, ob sie alle relevanten Informationen finden, verschiedene Abkürzungen und Formulierungen verstehen und die Angaben zur aufgeführten Beispielmedikation richtig umsetzen könnten. Die ersten Interviews wurden bereits in Apotheken geführt und die Bereitschaft der Patienten, daran teilzunehmen, war groß. Die Menschen waren dankbar, dass sie nach ihrer Meinung gefragt wurden. Schließlich ist der Medikationsplan für den Patienten gedacht.

 

PZ: Sie erwähnten bereits, dass sich das Projekt der zentralen Frage nach der Akzeptanz bei allen Beteiligten widmet und zudem die Praktikabilität des Medikationsplans untersucht wird. Wie wollen Sie dabei vorgehen?

 

Schulz: In die Untersuchung der Praktikabilität sollen jeweils acht Apotheken und Arztpraxen einbezogen werden. Bei diesen wird die entwickelte Software zur elektronischen Erstellung und Pflege des Medikationsplans eingeführt und an mindestens 100 Patienten über einen definierten Zeitraum erprobt. Abschließend werden Patienten, Apotheker und Ärzte zur Akzeptanz der Prozesse und zum Medikationsplan selbst befragt. Mit den gewonnenen Erfahrungen möchten wir optimale Voraussetzungen für eine erfolgreiche bundesweite Implementierung schaffen.

 

PZ: Die Ergebnisse von PRIMA sollen in das ABDA-KBV-Modell ARMIN einfließen. Wo sind die Schnittstellen?

 

Schulz: Ein zentraler Baustein des Medikationsmanagements in ARMIN ist der Medikationsplan. Zunächst werden die Erkenntnisse, die wir jetzt in der Lesbarkeit- und Verständlichkeitsuntersuchung erhalten, natürlich auch für ARMIN genutzt. Darüber hinaus werden alle Ergebnisse aus der Software-Entwicklung und Erkenntnisse aus der Akzeptanzuntersuchung nicht nur für ARMIN, sondern das Medikationsmanagement in Deutschland insgesamt wertvoll sein.

 

PZ: Wann rechnen Sie mit ersten Ergebnissen?

 

Schulz: Die Ergebnisse der Lesbarkeits- und Verständlichkeitsuntersuchung werden bereits in Kürze vorliegen. Diese sollen dann in die Hauptuntersuchungen aller drei vom Ministerium parallel geförderten Modellprojekte eingehen. Ergebnisse aus dem Projekt PRIM­A sind 2016 zu erwarten. Wir tauschen uns aber mit den anderen Projekten zwischendurch immer aus und binden die Koordinierungsgruppe Arzneimitteltherapiesicherheit des BMG mit ein. Und: Der gerade veröffentlichte Referentenentwurf zum sogenannten E-Health-Gesetz beschreibt den Anspruch des Versicherten auf einen Medikationsplan bereits ab 1. Oktober 2016. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 05/2015

 

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