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Forscher suchen Alternativen zu Tierversuchen

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Forscher suchen Alternativen zu Tierversuchen
 


Berliner Wissenschaftler wollen dabei helfen, Tierversuche in der Medizin auf lange Sicht fast überflüssig zu machen. Erfolge gebe es bereits mit Modellen aus menschlichen Hautzellen, sagte die Pharmazeutin Professor Dr. Monika Schäfer-Korting, Vizepräsidentin der Freien Universität Berlin (FU), der Deutschen Presseagentur. Und an der Technischen Universität Berlin (TU) tüfteln Forscher am Nachbau des menschlichen Kreislaufsystems samt innerer Organe – auf einem winzigen Chip.
 
In der Kosmetikindustrie sind Tierversuche mittlerweile nicht nur verboten, es gibt längst bessere Alternativen. Für die Pharmaforschung gilt jedoch, dass nicht alles, was beim Tier funktioniert, auch so beim Menschen wirkt. Noch 2006 brachte der Test eines neuen Antikörpers für die Medikamentenentwicklung mehrere Menschen in London in Lebensgefahr. Tiere hatten vorher alle positiv auf den Wirkstoff reagiert. Es sind solche Fälle, die Monika Schäfer-Korting schon früh am Sinn von Tierversuchen zweifeln ließen.
 
Am Institut für Pharmazie an der FU baute sie seit den 1990er Jahren ein Forschungsfeld mit auf, das nach Alternativen sucht, näher am Menschen. Die Wissenschaftler entwickelten zum Beispiel aus menschlichen Hautzellen Methoden und Modelle, um die Aufnahme von Substanzen in die menschliche Haut und deren Verstoffwechselung zu testen – ein großer Unterschied zu früher, als Kaninchenhaut für solche Tests herhalten musste. Inzwischen sind an der FU auch Modelle für Hautkrankheiten in der Entwicklung, zum Beispiel für Ekzeme und hellen Hautkrebs.
 
Für Hautreaktionstests seien Tierversuche heute weitgehend überflüssig, bilanziert die Pharmakologin. «Im Moment geht es darum, auch Immunzellen in die Hautmodelle zu bekommen.» Damit könnten dann nicht nur die Aufnahme einer Substanz beobachtet werden, sondern auch die Schäden, die durch Umwandlung in der Haut, dem größten Organ des Menschen, entstehen können. Für die Allergieforschung wäre das ein vielversprechender Ansatz.
 
Doch bei der Pharmaforschung sieht die FU-Wissenschaftlerin verglichen mit Kosmetikherstellern und Chemikalienprüfern bisher die geringste Bereitschaft, auf Tierversuche zu verzichten. Doch Biotechnologie und Bioinformatik bieten ihrer Meinung nach Chancen, auch in der Pharmaforschung langfristig fast ohne Tierversuche auszukommen. «Ich würde sagen, zu 90 Prozent könnte das in Zukunft möglich sein», sagt die Wissenschaftlerin.
 
Zum Beispiel mit Multiorgan-Chips, wie sie zum Beispiel an der TU Berlin entwickelt werden. Am Arbeitsbereich medizinische Biotechnologie geht es darum, verschiedene gezüchtete Organgewebe über eine Nährlösung miteinander zu verbinden, zum Beispiel Zellen von Leber und Haut. Ziel ist eine Art «Mikromensch», der (gewachsen aus adulten Stammzellen) in ein Smartphone passen würde. Die perfekte «Testperson». Der Zwei-Gewebe-Chip werde bereits in 20 Forschungs- und Industrieprojekten genutzt, sagt Projektleiter Uwe Marx.
 
Langfristiges Ziel ist es, die wichtigsten inneren Organe wie Herz, Leber und Niere im Mini-Format des Chipsystems zu kombinieren und über eine Nährflüssigkeit über längere Zeit wie einen Organismus am Leben zu erhalten. Blut wäre die beste Nährlösung. Doch Blut braucht auch ein Gefäßsystem aus Zellen im Mini-Format, an dem die Forscher zurzeit tüfteln. Bisher seien die dünnen Verbindungsröhren im Chip noch Kanäle aus künstlichen Materialien, berichtet Marx. Eine weitere Hoffnung der Forscher: Solche Alternativen zu Tierversuchen könnten in Zukunft auch locken, weil sie wahrscheinlich preiswerter sind.
 
08.01.2015 l PZ/dpa
Foto: Fotolia/praisaeng
 

 

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