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Perspektivpapier 2030: »Es gibt nicht den einen großen Wurf«

TITEL

 
Perspektivpapier 2030

»Es gibt nicht den einen großen Wurf«


Von Daniel Rücker / Der Deutsche Apothekertag hat das Perspektivpapier 2030 mit großer Mehrheit verabschiedet. Jetzt geht es an die Umsetzung. ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold ist zuversichtlich, in diesem Jahr einen großen Schritt nach vorn zu machen.

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PZ: Was steht 2015 an?

 

Arnold: Das Perspektivpapier ist ja ein  programmatisches Grundsatzdokument, in dem ganz viele Aspekte auf einem hohen Abstraktionsniveau zusammengeführt wurden. Um es umzusetzen, muss man einzelne Themenbereiche daraus abgrenzen, konkretisieren und in eine politisch Erfolg versprechende Strategie überführen. Daran arbeitet die Geschäftsführung derzeit.

 

PZ: Um welche Inhalte geht es dabei genau?




»Der Apotheker ist und bleibt ein analytisch denkender Heilberufler.«ABDA-Vize Mathias Arnold

Foto: ABDA


Arnold: Wir haben verschiedene Punkte herausgearbeitet. Dazu zählt natürlich die Frage, wie ein systematisches Medikationsmanagement sukzessive umgesetzt werden kann, aber genauso die Frage, wie die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Apotheker in Zukunft aussehen sollte.

 

PZ: Wie groß ist die Gefahr, dass die Apotheker, angesichts der nicht unerheblichen Belastung im Apothekenalltag, die Ziele des Perspektivpapiers aus dem Auge verlieren?

 

Arnold: Wir müssen und werden dafür sorgen, dass das Perspektivpapier im öffentlichen Bewusstsein bleibt. Natürlich werden wir zeitnah über den Fortgang berichten. Aber es wird auch Zwischenschritte geben, die man zunächst intern diskutieren und abklopfen muss, bis man Belastbares veröffentlichen kann.

 

PZ: Sie haben schon die Aus-, Fort- und Weiterbildung angesprochen. Welche Rolle spielen die Hochschullehrer bei der Umsetzung des Perspektivpapiers? Zu Beginn des Prozesses gab es einige Irritationen. Die Professoren fühlten sich ein wenig übergangen.

 

Arnold: Also grundsätzlich stand die Mitarbeit am Text des Perspektivpapiers natürlich allen Pharmazeuten in Deutschland offen. Da, wo es trotzdem Differenzen in der Sache gab oder gibt, müssen wir sie ausdiskutieren. Für mich war es selbstverständlich, dass die Offizinapotheker schwerpunktmäßig zunächst unter sich darüber diskutieren, wo sie hinwollen. Das bedeutet aber nicht, dass wir keine Unterstützung wollen und brauchen. Eine Diskussion um Ausbildungsinhalte der Zukunft ist ohne Hochschullehrer gar nicht denkbar.

 

In einem Punkt sind wir uns übrigens längst einig: Der Apotheker ist und bleibt ein analytisch denkender Naturwissenschaftler. Allerdings braucht er mehr denn je zusätzliche Qualifikationen in der Arbeit mit den Patienten. Wir reden also nicht darüber, von der heutigen Ausbildung etwas wegzunehmen. Wir müssen aber sehr wohl darüber reden, was noch hinzukommen muss.

 

PZ: Neben den Studenten müssen sich wohl auch Apotheker fortbilden, um die neuen im Perspektivpapier genannten Tätigkeiten ausführen zu können. Wer ist für diese Aufgabe zuständig?

 

Arnold: Fort- und Weiterbildung sind das angestammte Kompetenzfeld der Apothekerkammern. Sie werden bei der Ausgestaltung der Angebote sicher von den dazu zuständigen Geschäftsbereichen der ABDA unterstützt. Bei Angeboten wie der Medikationsanalyse sehe ich schon jetzt ein großes Interesse meiner Kollegen. Die Fortbildung wird modular aufgebaut sein und Schritt für Schritt erfolgen. Niemand muss sich sorgen, überfordert zu werden.

 

PZ: In diesem Jahr geht auch das ABDA-KB­V-Modell unter der Bezeichnung Armin in Sachsen und Thüringen in die heiße Phase. Welche Bedeutung hat das Projekt für das Perspektivpapier?

 

Arnold: Armin ist unser regionales Übungsfeld für die Medikationsanalyse, die wiederum Teil des Medikationsmanagements und damit der zentrale Punkt des Perspektivpapiers. Aus jedem Problem, das wir lösen, und aus jedem Fehler, den wir bei Armin machen, lernen wir unendlich viel. Wir schaffen damit die Kompetenz- und Wissensbasis für ein flächendeckendes Medikationsmanagement in Deutschland.

 

PZ: Wie klappt es mit den Ärzten?

 

Arnold: In der Problembeschreibung sind wir uns einig: Arzneimittel werden in Deutschland nicht immer optimal eingesetzt, und es gibt erhebliche Probleme mit der Adhärenz von Patienten. Mit einer verbesserten Zusammenarbeit könnten wir noch mehr erreichen. An der müssen wir aber noch arbeiten. Das ist auch eine Frage der Sozialisation der Beteiligten.

 

PZ: Wie weit wollen Sie mit dem Perspektivpapier Ende 2015 gekommen sein?

 

Arnold: Die Umsetzung des Papiers ist ein komplexer und langwieriger Prozess. Deswegen gibt es auch nicht den einen großen Wurf. Wir werden Ende 2015 aber insgesamt deutlich weiter sein als jetzt. Wir werden eine Roadmap für die Umsetzungen haben und definierte Arbeitsabläufe für konkrete Teilprojekte. Ambitioniert bleibt das allemal. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 01/02/2015

 

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