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Hepatitis: Sovaldi-Hersteller wehrt sich in Preisdebatte

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Hepatitis: Sovaldi-Hersteller wehrt sich in Preisdebatte
 


In der Debatte um das angeblich überteuerte Hepatitis-C-Medikament Sovaldi (Sofosbuvir) geht dessen Hersteller Gilead zum Gegenangriff über. Die Kritik verkenne, dass es ich um eine Sprunginnovation handele, die zu einer dramatischen Verbesserung der Hepatitis-Behandlung geführt habe, sagte der Deutschland-Chef des US-Konzerns, Carsten Nowotsch, in einem Interview mit dem «Handelsblatt». Die Kosten pro Heilung seien mit Sovaldi® nicht gestiegen, sondern gesunken. Bei dem Gilead-Nachfolgepräparat Harvoni®, eine fixe Kombination aus Sofosbuvir und Ledipasvir, gelte dies umso mehr.
 
Scharf kritisiert der Gilead-Manager auch das Verfahren der Nutzenbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Aufgrund fehlender Vergleichsstudien hatte dieses Sovaldi keinen Zusatznutzen bescheinigt. Das sei «medizinisch nicht nachvollziehbar und Ärzten und Patienten nicht vermittelbar». Harvoni könnte es nun ebenso ergehen, so die Befürchtung des Herstellers. Eine ordnungsgemäße Vergleichsstudie zwischen dem Mittel und dem alten Therapieschema sei aufgrund der riesigen Unterschiede und der hohen Nebenwirkungen bei Interferonen gar nicht machbar, sagte Nowotsch dem «Handelsblatt». «Der AMNOG-Prozess ist auf Zusatznutzen fixiert, wir aber bieten Heilung.»
 
Kritiker sehen die Preispolitik bei dem seit Anfang des Jahres zugelassenen Sovaldi als Paradebeispiel für die angebliche Raffgier der Pharmahersteller. Diese können im ersten Zulassungsjahr den Preis eines neuen Medikaments frei festlegen. Erst danach greifen im Zuge des seit 2011 geltenden Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes (AMNOG) die Preisverhandlungen zwischen Herstellern und Krankenkassen. Die Behandlung mit Sovaldi kostet derzeit nach Angaben der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft zwischen 60.000 Euro (12-Wochen-Therapie) und 120.000 Euro (24 Monate). Die Therapiekosten für das im November zugelassene Harvoni liegen noch darüber.
 
Wie der Gilead-Deutschlandchef erklärte, handelt es sich dabei aber keinesfalls um Mondpreise. Vielmehr habe man sich bei der Preisbestimmung an der bisher etablierten Standardtherapie gegen Hepatitis C orientiert, so Nowotsch im «Handelsblatt». Diese Behandlung, bestehend aus einer Dreifach-Kombination von Interferon-Spritzen und zwei weiteren antiviralen Medikamenten in Tablettenform, ist mit starken Nebenwirkungen verbunden. Auch schlägt die Therapie längst nicht bei jedem Behandelten an. Die Kosten für diese Hepatitis-C-Therapie liegen laut Gilead zwischen 40.000 und 56.000 Euro (je 24-Wochen-Zyklus). Legt man die im Vergleich zu Sovaldi nur mäßige Heilungsrate dieser Kombi-Therapie zugrunde, so komme man auf einen finanziellen Aufwand von 70.000 bis 100.000 Euro je geheiltem Patienten. Bei den neuen Mitteln, die eine Heilungsrate von 90 Prozent (Sovaldi in Kombination mit anderen Medikamenten) oder 99 Prozent (Harvoni) zeigten, lägen die Kosten hingegen zwischen 46.000 Euro und 67.000 Euro je geheiltem Patienten deutlich niedriger.
 
Die Behandlung von Patienten mit Hepatitis C wird die Kassenbudgets künftig sicher stark belasten. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geht davon aus, dass hierzulande schätzungsweise 280.000 Menschen mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert sind. Allein 2014 führte laut BMG die Neuzulassung von Sovaldi bei den Kassen zu Mehrausgaben in Höhe von rund 300 Millionen Euro. Aber, wie der Gilead-Chef betont, mit diesen neuen Mitteln könne Hepatitis C mittelfristig ausgerottet werden. (et)
 
Lesen Sie dazu auch
Wirkstoffprofil Sofosbuvir (Sovaldi® / 2014) in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe
 
19.12.2014 l PZ
Foto: Fotolia/Sebastian Kaulitzki
 

 

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