Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Notfallkontrazeption: EMA will Ulipristal freigeben

NACHRICHTEN

 
Notfallkontrazeption: EMA will Ulipristal freigeben
 


Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur EMA hat sich dafür ausgesprochen, das Ulipristalacetat-haltige Notfallkontrazeptivum ellaOne® aus der Verschreibungspflicht zu entlassen. Die Auswertung der verfügbaren Informationen zu dem Präparat habe ergeben, dass Frauen Ulipristalacetat sicher und effektiv ohne ärztliche Verordnung anwenden können, begründet der CHMP seine Empfehlung in einer Pressemitteilung. Er stütze sich dabei auf umfangreiche Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit des seit 2009 in der EU zugelassenen Wirkstoffs. Diese hätten gezeigt, dass das Sicherheitsprofil von Ulipristal dem von Levonorgestrel vergleichbar sei. Notfallkontrazeptiva mit diesem Wirkstoff seien bereits in den meisten Mitgliedsstaaten ohne Rezept verfügbar.

Mit der Freigabe von Ulipristal will der CHMP Frauen nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Verhütungspannen den Zugang zu entsprechenden Präparaten erleichtern. Ulipristal wirkt kontrazeptiv, indem es die Ovulation verhindert oder verzögert. Dazu muss es bis spätestens fünf Tage nach dem Verkehr, am besten jedoch innerhalb von 24 Stunden eingenommen werden. Der Wegfall der Verschreibungspflicht soll dafür sorgen, dass Frauen das Präparat früher zur Verfügung steht, und so dessen Wirksamkeit steigern, so der CHMP.

Die Empfehlung des CHMP richtet sich an die EU-Kommission, die voraussichtlich bis Ende Januar 2015 einen endgültigen Beschluss fällen wird, wie die Pharmazeutische Zeitung von einer EMA-Mitarbeiterin erfuhr. In aller Regel folgt die Kommission den Empfehlungen des CHMP. Da ellaOne eine zentrale EU-Zulassung besitzt, wird diese Entscheidung für die Mitgliedsstaaten grundsätzlich bindend sein.

Damit würde die EU Deutschland überholen, wo sich die politische Debatte um die Freigabe der Pille danach zuletzt festgefahren hatte. Hierzulande ging es zwar um den anderen Wirkstoff, Levonorgestrel, doch würde die Entlassung von Ulipristal aus der Rezeptpflicht diese Diskussion zur Makulatur machen. Die Union als stärkerer Partner in der Regierungskoalition ist erklärtermaßen gegen eine Freigabe von Notfallkontrazeptiva. Um diese zu verhindern, könnte sich die Bundesregierung auf Artikel 4 Absatz 4 der EU-Richtlinie 2001/83/EG berufen, der den Mitgliedsstaaten erlaubt, «den Verkauf, die Lieferung und den Gebrauch von empfängnisverhütenden oder schwangerschaftsunterbrechenden Arzneimitteln» zu verbieten oder einzuschränken.


Wie sich die Bundesregierung in dieser Frage positioniert, war am Freitag vom Gesundheitsministerium noch nicht zu erfahren. Wie auch immer die Entscheidung ausfallen wird: Bei einer Freigabe der Pille danach wären Deutschlands Apotheker bereit, die Sicherheit der Anwenderinnen durch ihre Beratung sicherzustellen. Das hat Andreas Kiefer, der Präsident der Bundesapothekerkammer, in der Vergangenheit bereits mehrfach betont. (am)

 
21.11.2014 l PZ
Foto: Fotolia/goodluz
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Glücksspielsucht: Experten wollen Prävention fördern

Menschen mit Glücksspielsucht und ihre Angehörigen sollten öfter die Beratungsstellen um Hilfe bitten. Dazu hat heute in Potsdam...



Deutsche Unfallchirurgen: Vorbereitung auf Terroropfer

Die deutschen Unfallchirurgen und die Bundeswehr bereiten sich gemeinsam auf die Versorgung von Terroropfern vor. Kriegswaffen wie...



Millionen Menschen sterben wegen verschmutzter Luft

An den Folgen übermäßiger Luftverschmutzung sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich mehr als sieben Millionen...



Kassen vergeben die Hälfte aller Lose exklusiv

Die exklusive Vergabe von Rabattlosen ist bei den Krankenkassen nach wie vor beliebt: In den ersten acht Monaten 2016 zielten rund 52...

 
 

Digitale Arbeit: DGB warnt vor wachsenden Risiken
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Politik aufgefordert, Risiken für die Gesundheit durch digitale Arbeit einzudämmen. Die...

Arzneiverordnungsreport: AOK kritisiert Preispolitik
AOK-Chef Martin Litsch fürchtet mit Blick auf den Referentenentwurf des Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetzes (AM-VSG) um die...

Pakistan: Erneut groß angelegte Polio-Impfaktion
Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen sollen in Pakistan binnen drei Tagen 37 Millionen Kinder gegen Polio geimpft werden. Tausende...

Brandenburg: «Wir erwarten faire Honorierung»
«Die Patienten und die Gesellschaft dürfen von uns Apothekern eine hohe Leistungsqualität erwarten. Im Gegenzug erwarten wir eine faire...

Pfizer: Keine Aufspaltung der Sparten
Der US-amerikanische Pharmakonzern Pfizer hat Gedankenspiele zur eigenen Aufspaltung vorerst ad acta gelegt. Derzeit wolle man die zwei...

Nach Urteil: «Welle der Unsicherheit» bei Patientenverfügungen
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat dem Gesetzgeber vorgeworfen, den Bürger bei der Erstellung von Patientenverfügungen allein zu...

Bund will Zulassungsregeln für Heilpraktiker verschärfen
Die Bundesregierung erwägt nach Medienberichten strengere Zulassungsregeln für Heilpraktiker. Damit würden die Hürden für neue...

Verhütung: Unter Umständen zwei Pillen danach notwendig
Zur Verhütung einer Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr werden unter anderem Levonorgestrel-haltige Notfallkontrazeptiva...

Medikationsplan: Apotheker sehen Schwachstellen
Ab dem 1. Oktober haben gesetzlich Krankenversicherte, die dauerhaft mindestens drei verordnete Arzneimittel einnehmen, Anspruch auf einen...

Sprachstörungen: Ursache immer klären!
Sprachstörungen, auch Aphasien genannt, sind immer eine rote Flagge, die Ursache dafür muss geklärt werden. Das machte der Notfallmediziner...

Volksleiden Nykturie: Oft ist es ein Alarmsignal
Häufiges nächtliches Wasserlassen, die Nykturie, kann ein Warnsignal für eine behandlungsbedürftige Erkrankung sein. «Fälschlicherweise...

Gesetzentwurf nach KBV-Skandal: Neue Vorschriften in Sicht
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zieht Konsequenzen aus dem Skandal um hohe Pensionszahlungen und rechtswidrige...

Legal Highs: Umfassendes Verbot beschlossen
Der Bundestag hat ein umfassendes Verbot von modernen künstlichen Drogen verabschiedet. Bisher konnten die Hersteller von sogenannten Legal...

Zahngesundheit: An die Dritten denken!
Gesunde Zähne hat bekanntermaßen nur, wer sie regelmäßig und richtig putzt. Oft übersehen wird aber, dass auch bei Teil- und Vollprothesen...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU