Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Rezeptdaten: Spiegel stochert in der Geschichte

NACHRICHTEN

 
Rezeptdaten: Spiegel stochert in der Geschichte
 


Die Meinungsverschiedenheiten über die Weitergabe von Abrechnungsdaten über Apothekenrechenzentren gehen weiter, wie «Spiegel online» berichtet. Allerdings gibt es keine neuen Fakten. «Spiegel online» beschreibt vor allem die Vergangenheit. Bei der Verrechnungsstelle Süddeutscher Apotheker (VSA) wundert man sich zwar, bleibt aber entspannt.

Nachdem das Apotheken-Rechenzentrum VSA im Jahr 2012 die Verschlüsselung seiner Abrechnungsdaten auf ein Trust-Center-Verfahren mit einer so genannten Krypto-Box umgestellt hatte, war es ruhig geworden in dem Streit zwischen Rechenzentren und Datenschutzbeauftragten aus Süd- und Norddeutschland. Der bayerische Datenschutzbeauftragte Thomas Kranig hatte keine Beanstandungen gegen das Verfahren der VSA. Das Bundesgesundheitsministerium erklärte sich für nicht zuständig.

«Spiegel online» hat das Thema dennoch erneut aufgegriffen. Die Vorwürfe zielen vor allem in die Vergangenheit. Bis zum Jahr 2010 habe die VSA unverschlüsselte und nicht gesetzeskonforme Daten an die beteiligten Firmen geliefert, wird Kranig zitiert. Dies sei nicht legal gewesen. Der Verkauf von Rezeptdaten sei zwar nicht grundsätzlich verboten. Personenbezogene Daten müssten aber zuvor verschlüsselt und anonymisiert werden, schreibt «Spiegel online».
 
Dieser Sachverhalt ist weitgehend unstrittig – auch bei der VSA. Sie wendet seit 2012 mit der Kryptobox ein Verschlüsselungsverfahren an, das Kranig als zuständiger Datenschutzbeauftrage im Januar 2013 abgenommen hatte. In einem Gutachten hat auch das Fraunhofer-Institut bestätigt, dass dieses Verfahren für die Anonymisierung von Rezeptdaten geeignet ist. «Spiegel online» hält sich deshalb vor allem an frühere Vorwürfe, die VSA habe bis 2012 Daten nach dem Verfahren SHA 256 verschlüsselt. Dieses sei jedoch untauglich zur Anonymisierung von personenbezogenen Daten. Einen Hinweis darauf, dass auch neuere Daten betroffen sein könnten, gibt es nicht.

Bei der VSA ist man über die «Spiegel-online»-Geschichte nicht sonderlich aufgeregt, aber auch nicht amüsiert. Der Beitrag greife zum wiederholten Male Verschlüsselungsverfahren der VSA aus der Vergangenheit auf und verbindet damit Vorwürfe beim Umgang mit Rezeptdaten, gegen die die VSA bereits einstweilige Verfügungen erwirkt habe. Schon 2013 hätten die Gerichte bestätigt, dass die Vorwürfe unzutreffend waren, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme der VSA-Geschäftsführung.

Der auf «Spiegel online» wiedergegebenen Bewertung vonSHA 256 widerspricht die VSA in ihrer Stellungnahme. Das Verfahren sei bei seiner Einführung ein gängiges, geeignetes und vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik positiv bewertetes Mittel zur Datenverschlüsselung gewesen. Man habe es im Jahr 2012 aufgegeben, weil es seitdem aktuellere und dem SHA 256 überlegene Verfahren gebe. Alle mit der bis dahin angewendeten Methode verschlüsselten Daten seien beim Empfänger gelöscht worden.
 
Darüber hinaus wurde 2014 seitens der VSA ein Gutachten beim Fraunhofer-Institut in Auftrag gegeben. In dieser wissenschaftlichen Untersuchung analysierten Experten mehrere Monate vor Ort den Prozess zur Datenlieferung von anonymisierten Verordnungsdaten. Als Ergebnis wurde auch hier festgestellt, dass das bei der VSA eingesetzte Verfahren zur faktischen Anonymisierung von Rezeptdaten den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Darüber gebe es ein Protokoll, das dem Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht übermittelt worden sei. Grundsätzlich stehe die VSA seit Jahren in engem Austausch mit dem zuständigen Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht. (dr)
 
20.11.2014 l PZ
Foto: Fotolia/vege
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Stada: Schlagabtausch in Frankfurt

Jedes Jahr findet in Frankfurt am Main die Stada-Hauptversammlung statt. In den vorangegangenen Jahren waren die Veranstaltungen nur mäßig...



Withaferin A bei Mäusen gegen Übergewicht wirksam

Withaferin A, ein Inhaltsstoff der Schlafbeere (Withania somnifera), hat bei Mäusen mit diätinduzierter Adipositas (DIA) zu einer...



Modellprojekt in Sachsen: Diabetes-Test bei Babys

Neugeborene sollen künftig in Sachsen für ein Modellprojekt auf ihr Typ-1-Diabetes-Risiko getestet werden. Das Screening zu einer möglichen...



Chinoxaline: Möglicher Ansatz gegen Ebola gefunden

Wissenschaftler haben einen neuen Ansatz identifiziert, um Infektionen mit RNA-Viren zu bekämpfen: sogenannte Austritt-Inhibitoren, die die...

 
 

Stada: Gut besuchte Hauptversammlung
Die bevorstehende Kampfabstimmung um den Stada-Aufsichtsrat hat zu einer Rekordbeteiligung bei der Hauptversammlung geführt. Heute sind in...

Wespen: Unterschiede im Giftcocktail erkennen
Der Spätsommer ist Wespenzeit. Für Allergiker eine bedrohliche Situation, denn ein Wespenstich kann lebensgefährlich sein. Eine...

ARZ Haan: 2015 Zuwachs von 10 Prozent
Das Geschäftsjahr 2015 ist für Abrechnungsspezialist ARZ Haan gut gelaufen: Der Umsatz stieg um 10 Prozent auf 47,8 Millionen Euro, wie der...

GKV: Kassenplus im ersten Halbjahr
Die Finanzlage der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hat sich zur Jahresmitte weiter verbessert. Die 118 Kassen verbuchten Ende Juni...

FXIa-Inhibitor: Gerinnungshemmer mit geringem Blutungsrisiko
Der ideale Gerinnungshemmer senkt das Risiko für Thrombosen, ohne das für Blutungen zu erhöhen. Diesem Ziel sind Wissenschaftler um Dr....

Forscher: Normalgewicht beugt Krebs vor
Wer übergewichtig ist, hat Experten zufolge ein erhöhtes Risiko für viele Arten von Krebs. Das war für einige Krebsarten bekannt und wurde...

Klinisches Krebsregister: Es gibt viele Baustellen
Bis Ende 2017 muss in allen Bundesländern das klinische Krebsregister aufgebaut sein. Das hat der Bundestag 2013 gesetzlich geregelt. Wie...

Halbjahreszahlen: Apobank mit durchwachsenem Ergebnis
Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) hat im ersten Halbjahr 2016 einen Jahresüberschuss nach Steuern von 30,4 Millionen Euro...

Klimawandel könnte Zahl der Ambrosia-Allergiker verdoppeln
Der Klimawandel könnte nach Forscherangaben in Europa eine wahre Heuschnupfenwelle verursachen. Eine besondere Rolle spiele dabei die...

Die Linke: Regierung nimmt Lieferengpässe nicht ernst
Die Bundesregierung spielt nach Ansicht der Linken das Problem anhaltender Lieferengpässe bei Arzneimitteln herunter. Die stellvertretende...

Zwangsbehandlung psychisch Kranker: Neuregelung nötig
Die gesetzlichen Regeln zur ärztlichen Zwangsbehandlung psychisch Kranker müssen nachgebessert werden, weil sie verfassungswidrige Lücken...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU