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Früherkennung: Erhöhte Leberwerte ernst nehmen

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Früherkennung: Erhöhte Leberwerte ernst nehmen
 


In Deutschland sind viele Menschen unerkannt leberkrank. «Es kann jeden treffen - – und jeder kann bereits betroffen sein», sagte Professor Dr. Claus Niederau, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberhilfe, bei einer Veranstaltung kurz vor dem 15. Deutschen Lebertag am 20. November. Niederau hob die Bedeutung der Prävention und Früherkennung von Lebererkrankungen wie Virushepatitiden, Fettleber und Autoimmunerkrankungen hervor. Allein 300.000 Menschen seien in Deutschland an einer Hepatitis C erkrankt. Die Dunkelziffer sei hoch. Eine unbehandelte HCV-Infektion kann zur Leberzirrhose und zum Leberzellkrebs als dritthäufigste Todesursache führen.
 
«Die heute zur Verfügung stehenden Medikamente ermöglichen eine Heilung der Hepatitis-C-Virusinfektion in über 90 Prozent der Fälle», unterstrich Professor Dr. Michael Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung. Umso fataler, so die Referenten, sei es, dass dennoch selbst Menschen mit erhöhten Risikofaktoren (Immigration aus Endemiegebieten, Tattoo, Piercing, Drogen, Infektionen in der Familie) heute zumeist zu spät zum Arzt gehen. Umso misslicher sei es zudem, dass selbst im Rahmen von Routineuntersuchungen bereits identifizierte leicht erhöhte Leberwerte oftmals als Lappalie abgetan und nicht zum Anlass genommen werden, weitere Tests auf Hepatitis-Virusinfektionen durchzuführen.
 
Als weit verbreitete Leber-Erkrankung, die ebenfalls mit schweren Folgen wie Leberzirrhose und Leberkrebs einhergehen kann, hoben die Experten die Fettleber hervor, von der in Deutschland mehr als 10 Millionen Menschen betroffen sind. Eine der häufigsten Ursachen der Fettleber ist Übergewicht, unter dem mehr als die Hälfte aller Männer und Frauen leiden. Die Tendenz ist steigend. «Bereits heute sind circa 8 Prozent der Kinder fettsüchtig. Diese Kinder haben ein hohes Risiko, dicke Erwachsene zu werden», betonte Niederau. Der Weg zur Fettleber mit Spätkomplikationen wie Leberzirrhose und Leberkrebs sei quasi vorgezeichnet. «Hier rollt eine Riesenwelle auf uns zu.»
 
In der Vorbeugung und Therapie der Fettleber sei die Änderung des Lebensstils und der Ernährung wichtiger als Medikamente. Entscheidend sei jedoch auch hier die frühe Diagnose. Wer um seine Fettleber weiß, kann etwas dagegen tun, sprich: Abnehmen, Sport treiben, Alkohol meiden und gesund leben. Auch hier seien insbesondere die Hausärzte gefragt, erhöhte Leberwerte ernst zu nehmen und gemeinsam mit Fachärzten die richtige Therapie einzuleiten. (cb)
 
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14.11.2014 l PZ
Foto: Fotolia/abhijith3747
 

 

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