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Flächendeckende Versorgung: Ein Blick nach Nordeuropa

POLITIK & WIRTSCHAFT

 
Flächendeckende Versorgung

Ein Blick nach Nordeuropa


Siegfried Löffler, Berlin / Vor allem in ländlichen Regionen fehlen hierzulande häufig Ärzte. Viele nordeuropäische Länder stehen vor ähnlichen Problemen. Dort setzt man unter anderem auf Telemedizin, um die Versorgung in der Fläche sicher­zustellen.

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Von den nordeuropäischen Staaten ist nur Dänemark dicht besiedelt. Auf Island sowie im Norden von Norwegen, Schweden und Finnland müssen Patienten dagegen häufig sehr weite Wege zum Arzt oder zum nächsten Krankenhaus in Kauf nehmen. Wenn etwa ein im finnischen Ivalo am Inarisee wohnender Bürger plötzlich ins Krankenhaus muss, ist bis zur Hauptstadt Lapplands Rovaniemi ein Weg von knapp 300 Kilometern zurückzulegen

 

Zu viele Spezialisten

 

Hierzulande ist die Situation zwar nicht ganz so dramatisch, doch auch in Deutschland gibt es Probleme in der flächendeckenden Versorgung. So sind die Ballungsräume fachärztlich und akutstationär häufig überversorgt, in ländlichen Gebieten gibt es hingegen große Lücken. Das erläuterte der Medizin-Professor Ferdinand Gerlach von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main auf einer von der Herbert-Quandt-Stiftung und den Nordischen Botschaften organisierten Tagung in Berlin. Gerlach ist Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Aus seiner Sicht gibt es in Deutschland nicht etwa zu wenige Ärzte, sondern zu viele Spezialisten, die noch dazu in Gegenden aktiv sind, in denen sie nicht unbedingt gebraucht werden.

 

Gerlach forderte »deutlich stärkere Anreize für Tätigkeiten in ländlichen Regionen und Maßnahmen zum Abbau der Überversorgung in Ballungsgebieten«. Er verwies auf den in einem aktuellen Gutachten des Sachverständigenrats vorgeschlagenen Landarztzuschlag und sprach von einem »Vergütungsvorschlag von bis zu 50 Prozent für Ärzte, die sich in Regionen mit einem besonders niedrigen Versorgungsgrad niederlassen«. Der Zuschlag soll demnach zulasten aller Ärzte in allen Fachgruppen gehen, »die in nicht unterversorgten Bereichen tätig sind«. Auf diese Weise könne die Attraktivität einer Tätigkeit in ländlichen Regionen gesteigert werden.

 

Doch ein Blick nach Norden bremst diese Euphorie. In Schweden liegen die Aufschläge für Landärzte weit höher als von Gerlach vorgeschlagen, die Wirkung ist allerdings begrenzt. Für die Experten aus dem Norden gibt es nur zwei Wege, um die Versorgung in der Fläche langfristig sicherzustellen: Die intensive Nutzung der Telemedizin und eine enge Kooperation von Ärzten, Krankenschwestern, Physiotherapeuten und Kliniken. Mit diesen beiden Instrumenten würden auch kleine Krankenhäuser gestärkt, so Undine Knarvik von der norwegischen Universität Tromsö.

 

Mobile Notversorgung

 

Während die deutsche Politik die medizinischen Strukturen in der Fläche beibehalten will, geht Finnland den umgekehrten Weg. Wie Sozial- und Gesundheitsministerin Laura Räty darlegte, sollen die Kommunen die Verantwortung für die Gesundheitsversorgung abgeben. Sie verspricht sich viel von der geplanten Neugliederung des Landes in fünf Sozial- und Gesundheitsdistrikte, in denen die Bevölkerungszahl zwischen 0,7 und 1,9 Millionen liegt.

 

Um akute Fälle in ländlichen Gebieten behandeln zu können, sei kürzlich die mobile Notversorgung außerhalb von Krankenhäusern gestärkt worden. Die Krankenhausbezirke seien nun dafür zuständig, diesen Service überall in Finnland sicherzustellen, so Räty. /

 




Zu wenige Ärzte entscheiden sich für eine Praxis auf dem Land. Das stellt viele Regionen vor Probleme.

Foto: Colourbox





Beitrag erschienen in Ausgabe 45/2014

 

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