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Liposomen statt Antibiotika gegen bakterielle Infektionen

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Liposomen statt Antibiotika gegen bakterielle Infektionen


Von Kerstin A. Gräfe / Speziell entwickelte Liposomen lassen sich zur Behandlung schwerer bakterieller Infektionen einsetzen. Im Tierversuch überlebten Mäuse ohne Antibiotika-Gabe eine ansonsten tödlich verlaufende Blutvergiftung. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin »Nature Biotechnology« veröffentlicht (DOI: 10.1038/nbt.3037). Eine erste Studie am Menschen ist in Planung.


Das Forscherteam um Privatdozent Dr. Eduard Babiychuk und Professor Dr. Annette Draeger vom Institut für Anatomie der Universität Bern hatte sich vor dem Hintergrund zunehmender Antibiotika-Resistenzen auf die Suche nach Alternativen begeben. Fündig wurden die Wissenschaftler bei Lipo­somen, also Nanopartikeln aus Phospholipid-Doppelschichten.




Staphylococcus aureus unter dem Mikroskop

Foto: CDC/Frank DeLeo (NIAID)


Sie synthetisierten spezielle Lipo­somen, die bakterielle Giftstoffe einfangen und neutralisieren. »Wir haben einen Köder für bakterielle Toxine kreiert. Diese attackieren die Liposomen und werden dort gezielt eingefangen und unschädlich gemacht, ohne dass sie Schaden an unseren Körperzellen anrichten können«, sagt Babiychuk in einer Pressemitteilung der Universität. In einem ersten Tierversuch erwiesen sich die synthetisierten Liposomen als erfolgreich. Wurden sie nach zehn Stunden Mäusen verabreicht, die zuvor mit einer tödlichen Erregerdosis von Streptococcus pneumoniae oder Staphylococcus aureus infiziert wurden, überlebten die Nager. Dagegen starben die unbehandelten Tiere innerhalb von 24 bis 33 Stunden nach der Infektion.

 

Die Forscher erhoffen sich von diesem neuen Ansatz auch, Antibiotika-Resistenzen zu vermeiden. »Da die Wirkung der Liposomen sich nicht gegen die Bakterien selbst richtet, kann sich auch keine Resistenz entwickeln«, so Draeger. Das Medikament mit dem Namen CAL02 soll von der Genfer Biotechnologie-Firma Lascco SA weiterent­wickelt und für die Anwendung am Menschen vorbereitet werden. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 45/2014

 

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