Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Gebühr für EC-Kartenzahlung: Ab November verhandelbar

POLITIK & WIRTSCHAFT

 
Gebühr für EC-Kartenzahlung

Ab November verhandelbar


Von Anna Hohle / Zahlt ein Kunde mit EC-Karte und gibt eine PIN-Nummer ein, müssen Händler dafür bislang eine einheitliche Gebühr entrichten. Damit ist nun Schluss. Ab November muss jede Bank die Summe individuell mit den Händlern vereinbaren. Die Verhandlungen übernehmen jedoch meist Mittler.

ANZEIGE


Seit 1991 können Kunden in Geschäften mit EC-Karte bezahlen. Die Händler arbeiten dafür mit sogenannten Netzbetreibern zusammen, die EC-Kartenlesegeräte verleihen und warten. Die im Kartenchip gespeicherten Daten werden bei jeder Zahlung elektronisch an den Netzbetreiber weitergeleitet, dort geprüft und die Summe anschließend mit der jeweiligen Bank abgerechnet.

 

Mindestens 8 Cent Gebühr

 

Für Kunden ist diese Bezahlmethode kostenlos, der Händler muss allerdings bislang eine Gebühr an die jeweilige Bank entrichten und zwar immer dann, wenn der Kunde seine Identität nicht per Unterschrift, sondern per PIN-Nummer bestätigt. Sie beträgt in den meisten Branchen 0,3 Prozent der Verkaufssumme, mindestens aber 8 Cent.

 




Künftig können Händler mit den Banken die EC-Karten-Gebühr individuell verhandeln.

Foto: Fotolia/Robert Kneschke


Jedoch waren einzelne Großunternehmen und Konzerne immer wieder aus dieser einheitlichen Gebührenregelung ausgebrochen und hatten mit Banken günstigere Konditionen für ihre Händler ausgehandelt. Im vergangenen Jahr entschied das Bundeskartellamt daraufhin, dass es so nicht geht. Das Einheitsentgelt beschränkte den Wettbewerb, so die Behörde. Sie legte fest, dass Banken die Summe künftig mit jedem Händler individuell aushandeln müssen.

 

Da es jedoch überaus kompliziert wäre, wenn künftig jede Bank mit jedem Händler einzeln verhandelt, haben sich Akteure auf beiden Seiten schon jetzt zu Gruppen – sogenannten Konzentratoren – zusammengeschlossen. Diese verhandeln gemeinsam für eine ganze Reihe von Banken oder Händlern. Auf der Bankenseite haben sich neun solcher Gruppen gebildet: Sie werden als Issuer-Konzentratoren bezeichnet. Darunter sind etwa der Bankenverband und der Deutsche Sparkassen- und Giroverband.

 

Auf der Händlerseite übernehmen in einigen Fällen Unternehmens- oder Branchenverbände die Verhandlungen. Meist wird jedoch der jeweilige Netzbetreiber verhandeln, mit dem der Händler ohnehin zusammenarbeitet. Dies hat den schlichten Grund, dass Netzbetreiber bereits über das nötige IT-Know-how und die entsprechende Ausrüstung verfügen.

 

Was bedeutet die Änderung nun für Apotheker? Wie alle anderen Händlergruppen werden auch sie sich zu Konzentratoren zusammenschließen müssen, um bei Verhandlungen eine entsprechende Überzeugungskraft zu haben. Bislang läuft die Mitgliedschaft in einer solchen Gruppe jedoch in den meisten Fällen automatisch.

 

Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg etwa hat seine Mitglieder kürzlich darüber informiert, dass diejenigen, die bereits jetzt über einen Rahmenvertrag vom Netzbetreiber VÖB-LAV Processing betreut werden, künftig auch in Sachen EC-Gebühren von selbigem vertreten werden. Über ein entsprechendes Schrei­ben des Netzbetreibers wurden die Apotheker darüber informiert, dass das Unternehmen die Verhandlungen mit den Banken übernimmt. Wer dagegen keinen Widerspruch einlegt, wird also ab November automatisch durch die VÖB-LAV Processing als Konzentrator vertreten.

 

Netzbetreiber übernimmt

 

In anderen Bundesländern sieht es ähnlich aus. Die Netzbetreiber fungieren als Konzentrator für ihre Händlerkunden, wenn diese nicht ausdrücklich widersprechen, etwa weil sie lieber durch einen Branchenverband vertreten werden wollen. Eine entsprechende Mitteilung durch den eigenen Netzbetreiber wird inzwischen fast jeder Apotheker bekommen haben, sofern er EC-Kartenzahlung anbietet. Hat er nicht widersprochen, läuft die Zusammenarbeit ab dann automatisch.

 

Obwohl die neue Regelung erst ab November gilt, wurde schon im Vorfeld fleißig verhandelt. Die VÖB-LAV Processing etwa teilte mit, dass sie sich mit den Banken auf eine Gebühr von 0,23 Prozent anstelle der bisherigen 0,3 Prozent für ihre Kunden geeinigt habe.

 

Dennoch sind nicht alle mit der jetzigen Regelung zufrieden. Der Handelsverband Deutschland erklärte, es sei noch weitaus mehr Wettbewerb vorstellbar. Momentan seien nur Netzbetreiber und große Unternehmen mit homogener IT-Struktur in der Lage, erfolgreich mit den Banken zu verhandeln. Damit die Gespräche künftig noch gerechter laufen, sollte die entsprechende Technik dem Verband zufolge jedoch so weiterentwickelt werden, dass auch kleinere Händlergruppen erfolgreich verhandeln können. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 41/2014

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 












DIREKT ZU