Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Sportmedizin: Der Demenz davonlaufen

NACHRICHTEN

 
Sportmedizin: Der Demenz davonlaufen
 


Das menschliche Gehirn ist entstanden, um Bewegung zu leisten. Darauf wies Professor Dr. Gerd Kempermann vom Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen in Dresden beim Deutschen Sportärztekongress in Frankfurt am Main hin. «Laufen macht schlau und wir leben auch länger», sagte Kempermann. Unbeweglichkeit sei generell als problematisch anzusehen. Der Referent gab die Ergebnisse einer 2013 publizierten Studie aus Dänemark wieder, in der Männer durch Laufen ihre Lebenserwartung um mehr als sechs Jahre erhöhen konnten. Bei Frauen sei der Effekt ebenso, wenn auch in einem etwas geringeren Umfang, nachgewiesen worden.
 
Kempermann bestätigte auch einen Zusammenhang zwischen körperlicher Betätigung und neurodegenerativen Erkrankungen. Demnach konnte laut einer Metaanalyse das Demenzrisiko durch Sport um etwa ein Fünftel gesenkt werden. «Das muss man mit einer anderen Maßnahme erst einmal erreichen», hob er die Effektstärke des Sports hervor. Auch bei bereits an Demenz erkrankten Menschen habe Sport einen Nutzen in Untersuchungen gezeigt.
 
Dem Referenten zufolge ist es nachgewiesen, dass sich das Gehirn verändert, wenn man läuft. In diesem Zusammenhang ging er auf die adulte Neurogenese im Hippocampus ein. In diesem Teil des Gehirns gebe es Stammzellen, die lebenslang neue Gehirnzellen bilden können. Körperliche und geistige Aktivität regen diese Stammzellen zur Teilung an, so der Mediziner. Darauf aufbauend sei die Theorie der neurogenen Reserve entstanden. Das bedeutet, dass durch regelmäßiges Training und kognitive Aktivität ein Reservoir an Stammzellen aufgebaut wird, sodass man sich auch im Alter noch gut an andere Umweltbedingungen anpassen kann. Auf diese Reserve können Menschen, die ein inaktives und langweiliges Leben führen, nicht zurückgreifen.
 
Kempermann sagte, dass Tierversuche mit Mäusen eindeutig zeigen, dass körperliche Aktivität und eine reizreiche Umgebung, die die Tiere kognitiv fordert, zur vermehrten Bildung neuer Nervenzellen im Gehirn führen. Kempermann: «Diese beiden Effekte beruhen auf unterschiedlichen Effekten und summieren sich, wenn zuerst die körperliche Aktivität erfolgt.» Sport in der ersten Schulstunde ist laut Kempermann damit auch effektiver als Schulsport am Nachmittag. Der Wissenschaftler fasste den Nutzen körperlicher Aktivität folgendermaßen zusammen: «Jeder hat eine Chance, die nichts kostet, und das ist Bewegung.» (ss)
 
doi: 10.1093/aje/kws301
 
23.09.2014 l PZ
Foto: Fotolia/lassedesignen
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Nebivolol: Herzschutz bei Chemotherapie

Der Betablocker Nebivolol kann bei Krebspatienten womöglich Schäden am Herzmuskel durch eine zytostatische Therapie mit Anthracyclinen...



Hecken: Homöopathie als Kassenleistung verbieten!

Josef Hecken will Krankenkassen verbieten, homöopathische Arzneimittel zu erstatten. Nach den Vorstellungen des Vorsitzenden des...



Impfung: Empfehlungen gegen Stress und Schmerzen

In ihren aktualisierten Empfehlungen gibt die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) erstmals auch Hinweise, wie Schmerz-...



Große Registerstudie: DOAK besser als Warfarin

Direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) sind dem Vitamin-K-Antagonisten (VKA) Warfarin zur Prävention von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern...

 
 

STIKO: Neue Empfehlungen zum Pneumokokken-Schutz
Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) hat ihre Empfehlungen überarbeitet und im Epidemiologischen Bulletin 34/2016...

Eisenmangel macht schwaches Herz noch schwächer
Ein Eisenmangel ist bei Patienten mit Herzinsuffizienz häufig und verschlechtert die Prognose. Den zugrundeliegenden Mechanismus haben nun...

Tod nach alternativer Krebstherapie: Wirkstoff im Visier
Nach dem Tod von drei Patienten einer alternativen Krebs-Praxis am Niederrhein konzentrieren sich die Ermittler auf den...

Zika-Virus auch in Singapur
In Singapur haben sich mindestens 41 Menschen innerhalb des Landes mit dem Zika-Virus infiziert. Das ergaben neue Untersuchungen kranker...

AOC setzt sich durch: Stada-Aufsichtsratschef abgewählt
Der bisherige Aufsichtsratschef des Pharma-Konzerns Stada, Martin Abend, ist bei der Hauptversammlung des Unternehmens abgewählt worden....

Patientenversorgung: Barmer-Chef fordert mehr Effizienz
Der Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Christoph Straub, hat mehr Kontrolle und Effizienz in der Patientenversorgung angemahnt. «Wir...

Afghanistan: Eine Million Kinder mangelernährt
Eine Million afghanischer Kinder unter fünf Jahren sind nach Angaben humanitärer Helfer unterernährt – und nur ein Bruchteil von ihnen...

Stada: Schlagabtausch in Frankfurt
Jedes Jahr findet in Frankfurt am Main die Stada-Hauptversammlung statt. In den vorangegangenen Jahren waren die Veranstaltungen nur mäßig...

Withaferin A bei Mäusen gegen Übergewicht wirksam
Withaferin A, ein Inhaltsstoff der Schlafbeere (Withania somnifera), hat bei Mäusen mit diätinduzierter Adipositas (DIA) zu einer...

Modellprojekt in Sachsen: Diabetes-Test bei Babys
Neugeborene sollen künftig in Sachsen für ein Modellprojekt auf ihr Typ-1-Diabetes-Risiko getestet werden. Das Screening zu einer möglichen...

Chinoxaline: Möglicher Ansatz gegen Ebola gefunden
Wissenschaftler haben einen neuen Ansatz identifiziert, um Infektionen mit RNA-Viren zu bekämpfen: sogenannte Austritt-Inhibitoren, die die...

Stada: Gut besuchte Hauptversammlung
Die bevorstehende Kampfabstimmung um den Stada-Aufsichtsrat hat zu einer Rekordbeteiligung bei der Hauptversammlung geführt. Heute sind in...

Wespen: Unterschiede im Giftcocktail erkennen
Der Spätsommer ist Wespenzeit. Für Allergiker eine bedrohliche Situation, denn ein Wespenstich kann lebensgefährlich sein. Eine...

ARZ Haan: 2015 Zuwachs von 10 Prozent
Das Geschäftsjahr 2015 ist für Abrechnungsspezialist ARZ Haan gut gelaufen: Der Umsatz stieg um 10 Prozent auf 47,8 Millionen Euro, wie der...

GKV: Kassenplus im ersten Halbjahr
Die Finanzlage der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hat sich zur Jahresmitte weiter verbessert. Die 118 Kassen verbuchten Ende Juni...

FXIa-Inhibitor: Gerinnungshemmer mit geringem Blutungsrisiko
Der ideale Gerinnungshemmer senkt das Risiko für Thrombosen, ohne das für Blutungen zu erhöhen. Diesem Ziel sind Wissenschaftler um Dr....

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU