Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Hintze für Sterbehilfe in aussichtsloser Lage

NACHRICHTEN

 
Hintze für Sterbehilfe in aussichtsloser Lage
 


Im Gegensatz zu Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will Bundestagsvizepräsident Peter Hintze in bestimmten Situationen eine ärztlich assistierte Selbsttötung möglich machen. Wie er der Nachrichtenagentur dpa sagte, wolle er gerne Rechtssicherheit schaffen für Ärzte und Patienten, dass ein ärztlich assistierter Suizid in einer aussichtslosen Schmerzlage am Ende des Lebens möglich ist.»
 
Für eine Neuregelung der Sterbehilfe in Deutschland muss nach Hintzes Einschätzung das Strafrecht nicht zwingend geändert werden. «Ob wir dazu das Strafrecht weiterentwickeln müssen oder nicht, ist für mich offen», sagte er. Grundsätzlich gelte aber: «In den existenziellen Grundfragen des Lebens führt der Versuch, alles gesetzlich bis ins
Letzte zu regeln, zum Scheitern.»
 
Gröhe sprach sich am Abend zuvor bei der Eröffnung einer Palliativstation für sterbenskranke Menschen in Berlin erneut gegen eine organisierte Hilfe zur Selbsttötung aus. Ein Recht auf aktive Sterbehilfe oder einen ärztlich assistierten Suizid dürfe es in Deutschland nicht geben. Bei einer Veranstaltung der katholischen Kirche sagte Gröhe zudem, heute wisse man, dass in der Palliativmedizin die «aktive Gabe von schmerzlindernden Mitteln zulässig ist, selbst wenn dabei eine lebensverkürzende Nebenfolge in Kauf genommen wird». Es sei insofern nicht mehr die Unterscheidung aktive oder passive Sterbehilfe das Entscheidende, sondern die Intention, die Absicht. «Will ich Schmerz lindern, und ist das andere unvermeidlich. Oder will ich aktiv Lebensbeendigung, dann ist das in Deutschland unzulässig.»
 
Hintze zeigte sich in dem Gespräch mit der dpa «überzeugt, dass die Zulässigkeit der ärztlichen Assistenz beim Suizid suizidpräventiv wirkt». Die Menschen könnten sich in diesem Fall «in größerer Ruhe auf ihr eigenes Sterben einstellen ..., wenn sie wissen, dass in
auswegloser Lage Hilfe möglich ist». Hintze betonte jedoch auch: «Dabei muss die Entscheidung und die Tatherrschaft immer beim Sterbenden selbst liegen.»
 
Der CDU-Politiker, der mit seiner Auffassung eine Gegenposition auch zu Bundeskanzlerin Angela Merkel einnimmt, sagte weiter: «Für mich ist es ein klarer Verstoß gegen die Menschenwürde, wenn der Staat eine solche Möglichkeit versperrt und den Menschen zum Aushalten eines qualvollen Sterbens zwingt.
 
Er sei im Sinne von todkranken Menschen «für einen konsequenten Ausbau der palliativmedizinischen Versorgung und des Hospizwesens». Es müsse alles dafür getan werden, um das Ja zum Leben zu stärken, sagte Hintze. Aber: «Wenn die Palliativmedizin Extremschmerz und -ekel nicht mehr abwenden kann, dann ist es ein Gebot der Nächstenliebe, dass der Arzt dem Sterbenden beisteht - und ihm auch ein friedliches Einschlafen ermöglicht.»
 
Um das Thema Sterbehilfe ist eine breite gesellschaftliche Debatte entbrannt. Der Bundestag will sich im Herbst damit befassen. Ein Gesetz kommt voraussichtlich erst Mitte 2015.
 
11.09.2014 l dpa
Foto: Fotolia/mma23
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Glücksspielsucht: Experten wollen Prävention fördern

Menschen mit Glücksspielsucht und ihre Angehörigen sollten öfter die Beratungsstellen um Hilfe bitten. Dazu hat heute in Potsdam...



Deutsche Unfallchirurgen: Vorbereitung auf Terroropfer

Die deutschen Unfallchirurgen und die Bundeswehr bereiten sich gemeinsam auf die Versorgung von Terroropfern vor. Kriegswaffen wie...



Millionen Menschen sterben wegen verschmutzter Luft

An den Folgen übermäßiger Luftverschmutzung sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich mehr als sieben Millionen...



Kassen vergeben die Hälfte aller Lose exklusiv

Die exklusive Vergabe von Rabattlosen ist bei den Krankenkassen nach wie vor beliebt: In den ersten acht Monaten 2016 zielten rund 52...

 
 

Digitale Arbeit: DGB warnt vor wachsenden Risiken
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Politik aufgefordert, Risiken für die Gesundheit durch digitale Arbeit einzudämmen. Die...

Arzneiverordnungsreport: AOK kritisiert Preispolitik
AOK-Chef Martin Litsch fürchtet mit Blick auf den Referentenentwurf des Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetzes (AM-VSG) um die...

Pakistan: Erneut groß angelegte Polio-Impfaktion
Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen sollen in Pakistan binnen drei Tagen 37 Millionen Kinder gegen Polio geimpft werden. Tausende...

Brandenburg: «Wir erwarten faire Honorierung»
«Die Patienten und die Gesellschaft dürfen von uns Apothekern eine hohe Leistungsqualität erwarten. Im Gegenzug erwarten wir eine faire...

Pfizer: Keine Aufspaltung der Sparten
Der US-amerikanische Pharmakonzern Pfizer hat Gedankenspiele zur eigenen Aufspaltung vorerst ad acta gelegt. Derzeit wolle man die zwei...

Nach Urteil: «Welle der Unsicherheit» bei Patientenverfügungen
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat dem Gesetzgeber vorgeworfen, den Bürger bei der Erstellung von Patientenverfügungen allein zu...

Bund will Zulassungsregeln für Heilpraktiker verschärfen
Die Bundesregierung erwägt nach Medienberichten strengere Zulassungsregeln für Heilpraktiker. Damit würden die Hürden für neue...

Verhütung: Unter Umständen zwei Pillen danach notwendig
Zur Verhütung einer Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr werden unter anderem Levonorgestrel-haltige Notfallkontrazeptiva...

Medikationsplan: Apotheker sehen Schwachstellen
Ab dem 1. Oktober haben gesetzlich Krankenversicherte, die dauerhaft mindestens drei verordnete Arzneimittel einnehmen, Anspruch auf einen...

Sprachstörungen: Ursache immer klären!
Sprachstörungen, auch Aphasien genannt, sind immer eine rote Flagge, die Ursache dafür muss geklärt werden. Das machte der Notfallmediziner...

Volksleiden Nykturie: Oft ist es ein Alarmsignal
Häufiges nächtliches Wasserlassen, die Nykturie, kann ein Warnsignal für eine behandlungsbedürftige Erkrankung sein. «Fälschlicherweise...

Gesetzentwurf nach KBV-Skandal: Neue Vorschriften in Sicht
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zieht Konsequenzen aus dem Skandal um hohe Pensionszahlungen und rechtswidrige...

Legal Highs: Umfassendes Verbot beschlossen
Der Bundestag hat ein umfassendes Verbot von modernen künstlichen Drogen verabschiedet. Bisher konnten die Hersteller von sogenannten Legal...

Zahngesundheit: An die Dritten denken!
Gesunde Zähne hat bekanntermaßen nur, wer sie regelmäßig und richtig putzt. Oft übersehen wird aber, dass auch bei Teil- und Vollprothesen...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU