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Diabetes: Organisation fordert nationale Strategie

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Diabetes: Organisation fordert nationale Strategie
 


Das Bündnis DiabetesDE drängt erneut auf einen nationalen Diabetesplan. Mehr als 7 Millionen Menschen leben hierzulande mit der Erkrankung. In Öffentlichkeit und Politik spiele das Thema dennoch eine untergeordnete Rolle, sagte der DiabetesDE-Vorsitzende Professor Thomas Danne heute in Berlin.
 
In 17 EU-Ländern gibt es bereits nationale Diabetespläne, die Strategien gegen die Krankheit bündeln sollen. Auch Weltgesundheitsorganisation, Europäische Union und die Vereinten Nationen empfehlen, den Kampf gegen Diabetes gezielt zu koordinieren. In Deutschland tun sich Politiker dennoch seit Jahren schwer mit diesem Thema. 2013 hatten Ärzte und Betroffene daher die Kampagne «Diabetes stoppen – jetzt» ins Leben gerufen. «Diabetes muss endlich aus dem Schattendasein herauskommen», so Danne.
 
Erste Erfolge gab es bereits im Bundesrat. Im Sommer hatten die Länder die Regierung über eine sogenannte Entschließung dazu aufgefordert, einen nationalen Diabetesplan zu erstellen. Zwar ist die Forderung für die Koalition nicht bindend. Der Vorstoß sei dennoch «ein Meilenstein», sagte Danne. Zugleich kritisierte er allerdings, die Länder befassten sich in ihrem Antrag lediglich mit Diabetes Typ 2. Die Herausforderungen seien jedoch auch beim Typ-1-Diabetes nicht minder groß.  
 
Welche dramatischen Auswirkungen beide Formen der Erkrankung nehmen können, verdeutlichte Professor Thomas Haak vom Diabetes Zentrum Mergentheim. So kommt es häufig zu Folgeschäden an der Niere. Bereits heute seien mehr als die Hälfte der Menschen, die auf maschinelle oder Bauchfelldialyse angewiesen seien, Diabetiker. Rund 300.000 Patienten hätten zudem mit Fußproblemen zu kämpfen. Ursache sind in der Regel Durchblutungsstörungen oder Nervenschäden. «Aus einer kleinen Wunde kann dann schnell eine Katastrophe werden», so Haak. 40.000 Amputationen im Jahr sind die Folge. Weitere 2000 Menschen erblinden aufgrund einer diabetischen Retinopathie.
 
Zu solchen schwerwiegenden Problemen kommt es meist dann, wenn Diabetiker schlecht eingestellt sind und ihren Blutzuckerspiegel nicht in den Griff bekommen. Viele Komplikationen ließen sich verhindern, würden die Patienten besser betreut, sagte Danne. Ein Diabetesplan soll daher vor allem die Versorgungsstrukturen verbessern. Noch immer gebe es in Deutschland Regionen, in denen Menschen mit Diabetes schlechter versorgt seien als in anderen, sagte auch Privatdozent Erhard Siegel, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft. «Das darf nicht sein.» Zudem müssten besonders bei Diabetes viele Berufsgruppen interdisziplinär zusammenarbeiten. Häufig komme es jedoch zu Schnittstellenproblemen etwa bei der Kommunikation zwischen Haus- und Facharzt. Kurzfristige und regionale Lösungen könnten da nur bedingt weiterhelfen. «Wir brauchen verpflichtende bundesweite Regelungen», forderte Siegel. (sch)
 
11.09.2014 l PZ
Foto: Fotolia/ vege
 

 

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