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Akne: Pickel, Papeln, Pusteln

PHARMAZIE

 
Akne

Pickel, Papeln, Pusteln

Von Daniela Biermann

 

Fast jeder hat in seinem Leben schon einmal Pickel gehabt. Wenn die richtige Pflege allein nicht mehr hilft, kommen Arzneimittel in der Selbstmedikation und auf Rezept zum Einsatz.

 

Akne ist eine der häufigsten dermatologischen Erkrankungen. 80 bis 95 Prozent aller Jugendlichen leiden unter Pickeln, Papeln und Pusteln. Doch Akne ist keine reine Teenagerkrankheit: Auch jeder fünfte Erwachsene leidet unter den Läsionen. Zudem können einige Arzneistoffe, zum Beispiel Barbiturate, Anabolika, Gestagene mit restandrogener Wirkung, Chloroquin, Lithium und Phenytoin, Akne verursachen.

 

Bei der Entstehung einer Akne kommen verschiedene Faktoren wie Genetik und Psyche zusammen. Vor allem aber spielen hormonelle Einflüsse wie in der Pubertät und Schwangerschaft eine große Rolle.

 

Bei der gewöhnlichen Akne (Acne vulgaris) ist die Verhornung der Haut im Bereich der Talgdrüsen gestört. Die Keratinozyten vermehren sich übermäßig, während die Abschuppung (Desquamation) nicht ausreicht. Hornmaterial häuft sich an und verschließt den Haarfollikel. Zusätzlich produzieren die Talgdrüsen (Sebozyten) zu viel Talg, der sich im Haarfollikel ansammelt. Es entsteht ein Komedo (Mitesser). Besiedelt auch noch Propionibacterium acnes den Haarfollikel, entzündet sich der Komedo und entwickelt sich zur Papel (Knötchen) oder Pustel (Eiterbläschen).

 

Sauber bleiben

 

Akne entsteht zwar nicht aufgrund mangelnder Hygiene. Doch sind die Pickel erst einmal da, ist eine gründliche Hygiene unerlässlich. An erster Stelle steht daher die tägliche Reinigung der betroffenen Hautpartien. pH-hautneutrale Präparate wie Syndets oder Waschgele entfernen überschüssigen Talg. Die Produkte dürfen nicht stark rückfetten. Zusätzlich entfetten Gesichtswasser mit einem niedrigen Alkoholgehalt (5 bis 10 Prozent) die Haut. Falls keine Entzündung vorliegt, können wöchentliche Peelings benutzt werden. Sie verbessern die Abschilferung der obersten Hautschicht, sodass der Talg besser abfließen kann. Als Pflege eignen sich fettfreie Gele, Feuchtigkeitscremes auf Öl-in-Wasser-Basis oder pflegende Cremes mit Fruchtsäuren. Waschlappen und Handtücher sollten wegen der Aknebakterien jeden Tag gewechselt werden.

 

Mit Reinigung allein bekommt jedoch nicht jeder seine Pickel in den Griff. Bis zu 30 Prozent der Akneerkrankungen müssen mit Medikamenten behandelt werden. In der Selbstmedikation stehen Salicylsäure und Benzoylperoxid (BPO) zur Verfügung, die antibakteriell und keratolytisch wirken. In der Rezeptur wird Salicylsäure in einer Konzentration von 5 bis 10 Prozent als Aknespiritus (NRF 11.23.) verarbeitet. In dieser Konzentration wirkt es komedolytisch. Aufgrund unterschiedlicher pH-Optima und der Instabilität von Erythromycin darf es nicht mit diesem kombiniert werden. Taucht eine solche Verschreibung auf, sollte die Apotheke dem Arzt eine Alternative vorschlagen, zum Beispiel zwei einzelne Rezepturen.

 

Fertigarzneimittel wie Sanoxit® Gel oder Cordes® BPO Gel enthalten bis zu 10 Prozent Benzoylperoxid. Vorsicht: Der Wirkstoff kann auch Kleidung bleichen. Für die Anwendung im Gesicht sollte aufgrund möglicher Hautirritationen eine Konzentration von 3 Prozent BPO nicht überschritten werden. Generell kann es bei allen topisch eingesetzten Arzneistoffen zu Rötungen, Hautirritationen und ähnlichen Symptomen kommen. Benzoylperoxid gilt in der lokalen Behandlung neben den Retinoiden als Mittel der Wahl.

 

Eine verschreibungspflichtige Alternative ist die Azelainsäure (Skinoren® 15 Prozent Gel oder 20 Prozent Creme). Andere Keratolytika wie Resorcin und Schwefel sind mittlerweile negativ monographiert. Sie sollten deshalb nicht mehr eingesetzt werden. Beim Gebrauch von Zugsalben, die Schieferölsulfonate (zum Beispiel Aknichthol® oder Aknederm® Salbe Neu) enthalten, muss wegen ihres foto- und nephrotoxischen Potenzials das Nutzen-Risiko-Verhältnis sorgfältig abgewogen werden, zumal sie selbst (im Gesicht angewendet) eine Teerakne hervorrufen können. In den Leitlinien zur Aknebehandlung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) wird Zink neben BPO und Azelainsäure als antimikrobielle Alternative zu Antibiotika positiv bewertet, da hier keine Resistenzbildung stattfindet.

 

Auf Rezept

 

Eine Antibiotikatherapie kommt nur bei entzündlicher Akne infrage. Erythromycin (zum Beispiel Aknemycin® Lösung) und Clindamycin (zum Beispiel Basocin® Aknegel) sind in diesem Fall Mittel der Wahl.

 

Tetracyclin (Imex® Salbe) oder Nadifloxacin (Nadixa® Creme) eignen sich wegen geringerer Wirksamkeit oder höherer Resistenzwahrscheinlichkeit weniger. Die Therapie sollte maximal vier bis sechs Wochen dauern, um eine Resistenzbildung der Aknebakterien und auch der auf der Haut ansässigen Staphylokokken zu vermeiden. In Kombination mit Zink, BPO oder Azelainsäure kann die topische Anwendung auf sechs bis acht Wochen ausgeweitet werden. Eine Kombination kann die Behandlung auch verkürzen. Es sind zahlreiche Kombinationspräparate, auch mit Retinoiden, erhältlich.

 

Als besonders wirksam bei Akne und daher als First-Line-Therapie gelten topisch angewendete Retinoide. Da sie nicht nur komedolytisch, sondern auch antientzündlich wirken, sollten sie frühzeitig angewendet werden. Tretinoin (Airol® Creme oder Lösung, Cordes® VAS Creme) und  Isotretinoin (Isotrex® Creme oder Gel) sind nicht aromatische Retinoide der ersten Generation. Motretinid ist ein Monoaromat der zweiten Generation, der allerdings nur in der Schweiz zur Aknetherapie zugelassen ist. Adapalen (Differin®) ist ein polyaromatischer Vertreter der dritten Generation. Es gilt als Retinoid mit dem günstigsten Nebenwirkungsprofil. Es ist zudem das einzige Retinoid, dass chemisch stabil genug ist, um mit BPO kombiniert zu werden (Epiduo® Gel). Ansonsten müssen solch chemisch und galenisch inkompatible Arzneimittel im Wechsel aufgetragen werden (zum Beispiel morgens und abends oder jeden zweiten Tag). Auch in dieser Applikationsform sind die teratogenen Retinoide bei Schwangeren kontraindiziert, da Einzelfallberichte über Missbildungen unter lokaler Tretinoin- oder Isotretinoin-Behandlung vorliegen.

 

Systemisch vorgehen

 

Als systemisches Retinoid kommt nur Isotretinoin (zum Beispiel Roaccutan® oder Aknenormin®) zum Einsatz. Es hemmt die Proliferation der Sebozyten und unterdrückt dadurch die Talgbildung. Isotretinoin ist laut Leitlinien das wirksamste Mittel gegen Akne. Als schwere Nebenwirkungen gelten Depressionen, Psychosen und Rhabdomyolyse. Mit oralen Tetracyclinen darf es nicht kombiniert werden, da dies zu Hirndrucksteigerung führen kann.

 

Bei einer Schwangerschaft ist Isotretinoin absolut kontraindiziert. Frauen müssen während der Einnahmezeit zuverlässig verhüten (Beginn mindestens ein Monat vor und Ende frühestens ein Monat nach der Behandlung). Dazu eignen sich besonders hormonelle Kontrazeptiva mit den Antiandrogenen Cyproteronacetat, Chlormadinonacetat oder Dienogest in Kombination mit dem Estrogen Ethinylestradiol (zum Beispiel Diane® 35, Neo-Eunomin® oder Valette®). Sie schützen nicht nur vor einer Schwangerschaft, sondern hemmen auch indirekt die überschießende Talgproduktion.

 

In Kombination mit einem systemischen Antibiotikum kann die kontrazeptive Wirkung abgeschwächt sein. Die Patientinnen sollten in diesem Fall zusätzlich mit nicht hormonellen Methoden verhüten. Eine systemische Langzeitantibiose wird mit Tetracyclinen (Doxycyclin, Minocyclin), Clindamycin oder Trimethoprim/Sulfamethoxazol durchgeführt.

 

Finger weg

 

Egal, ob bei leichter oder schwerer Akne und bei welcher Behandlung: Immer gilt es, die Haut schonend zu reinigen und die Pickel nicht selbst auszudrücken. Narben und Entzündungen können die Folge sein. Hier ist eine geschulte Kosmetikerin gefragt. Während Sonne das Hautbild nur kurzfristig verbessert, kann eine gezielte Therapie mit UV-Strahlen versucht werden. Eine spezielle Akne-Diät ist nicht nötig. Eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und frische Luft sind in jedem Fall zu empfehlen.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 13/2008

 

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