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Öffentliche Apotheke: Wir müssen junge Menschen begeistern

POLITIK & WIRTSCHAFT

 
Öffentliche Apotheke

Wir müssen junge Menschen begeistern


Von Stephanie Schersch und Ev Tebroke, Berlin / Apotheker haben es häufig schwer, qualifiziertes Personal zu finden. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt will daher verstärkt um Nachwuchs werben. Es müsse gelingen, die Vorteile des Apothekerberufs deutlich herauszustellen und junge Menschen für die Selbstständigkeit zu gewinnen, sagt er im Interview mit der PZ. Darüber hinaus fehlten bislang ausreichend Studienplätze für Pharmazie.

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PZ: Wenn Sie ein Abiturient fragt, warum er ausgerechnet Pharmazie studieren sollte, was antworten Sie dann?

 




Friedemann Schmidt möchte mehr junge Menschen für die Arbeit in der Offizin begeistern. Er setzt dabei auf den Einsatz der Apotheker vor Ort.

Fotos: PZ/Zillmer


Schmidt: Das Pharmaziestudium qualifiziert für sehr unterschiedliche Tätigkeitsfelder. In der öffentlichen Apotheke oder der Krankenhausapotheke haben Sie die Möglichkeit, nah am Menschen zu arbeiten. Auf der anderen Seite kann man sich aber auch für einen Job in der Pharmaindustrie entscheiden, wenn man lieber in einem Forschungslabor tätig sein möchte. Die Möglichkeiten nach dem Studium sind also vielfältig.

 

PZ: Trotz dieser Vorteile haben die Apotheker seit Jahren Schwierigkeiten, qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen. Warum?

 

 

Schmidt: An der Attraktivität der Ausbildung liegt es nicht. Pharmazie ist nach wie vor ein beliebtes Studienfach, für das sich mehr Leute bewerben als Plätze zur Verfügung stehen. Nachwuchssorgen haben wir vor allem in der öffentlichen Apotheke, nicht etwa in der Pharmaindustrie. Dort sind die Beschäftigtenzahlen in den letzten zehn Jahren sogar um 60 Prozent gestiegen. Offenbar begeistern sich aber nicht ausreichend junge Leute für die Arbeit in der Offizin und das muss sich unbedingt ändern. In den einzelnen Regionen kommt dieses Problem unterschiedlich stark zum Tragen, denn gerade junge Menschen arbeiten ungern auf dem Land. In den neuen Bundesländern haben Apotheker zudem deutlich größere Nachwuchssorgen als ihre Kollegen im Westen.

 

PZ: Kann man von einem drohenden Apothekermangel sprechen?

 

Schmidt: Wir müssten eher von einem Mangel an Arbeitsstunden sprechen. Die Zeit, die Angestellte heutzutage bereit sind, in den Beruf zu investieren, ist geringer als noch vor zwanzig Jahren. Viele Apotheker sind an Teilzeitarbeit interessiert. Wo ich früher einen Apotheker anstellen musste, benötige ich heute anderthalb Arbeitnehmer. Trotz konstanter Approbationszahlen sinkt somit die Arbeitskapazität und das führt zu einem Mangel.

 

PZ: Die ABDA hat vor Kurzem eine Image-Kampagne ins Leben gerufen. Welches Ziel verfolgen Sie dabei?

 

Schmidt: Wir wollen am Image der Apotheker arbeiten und das Augenmerk dabei auch auf den Arbeitsplatz Apotheke richten. Die Bewerberzahlen werden in den kommenden zehn Jahren in allen Bildungswegen sinken. Daher stehen wir im verstärkten Wettbewerb mit anderen Berufen. Es ist also wichtig, ein attraktives Bild von der Arbeit in der Apotheke zu vermitteln.

 

PZ: Welche Berufsgruppen stehen bei der Kampagne im Fokus?




»Das Interesse an der Tätigkeit in der öffentlichen Apotheke sagt viel über die Akzeptanz des Berufs an sich.«

Schmidt: Der Apotheker und sein Team. In der zweiten Jahreshälfte 2015 werden wir innerhalb der Imagekampagne noch stärker auf die einzelnen Berufsfelder und damit auf die Nachwuchsfrage eingehen. Das Interesse an der Tätigkeit in der öffentlichen Apotheke sagt viel aus über die Akzeptanz des Berufs an sich und über die Tragfähigkeit unseres Modells: der inhabergeführten Einzelapotheke, die auf wirtschaftliche Eigenverantwortung betrieben wird.

 

PZ: Das Nachwuchsproblem ist regional unterschiedlich stark ausgeprägt. Kann eine bundesweit einheitliche Kampagne die Schwierigkeiten dann überhaupt lösen?

 

Schmidt: Nein, das glaube ich nicht. Wir können von Berlin aus keine Patentlösungen liefern mit dem Ziel, etwa in Hessen das Problem der PTA-Schulen in den Griff zu bekommen oder in Leipzig das Institut für Pharmazie zu erhalten. Diese Probleme müssen vor Ort gelöst werden, wir können dabei lediglich unterstützen. Wie attraktiv der Arbeitsplatz Apotheke ist, hängt zudem ganz besonders von den einzelnen Kollegen ab. Sie müssen selbst aktiv werden und um Nachwuchs werben.

 

PZ: Die Apotheker haben immer wieder ihre wirtschaftlich unbefriedigende Situation thematisiert. Das ist keine Werbung für Berufsanfänger.

 

Schmidt: Das Nachwuchsproblem ist sicher nicht allein über eine verbesserte Honorierung zu lösen. Geld und Einkommen sind ein wichtiges Argument. Aber es steht Umfragen zufolge auf der Agenda der Nachwuchsgeneration nicht an erster Stelle. Aspekte wie eine sicherer Arbeitsplatz und ein gutes Betriebsklima gelten als wichtiger.

 

PZ: Gibt es Argumente, jungen Leuten die Selbstständigkeit schmackhaft zu machen?

 

Schmidt: Natürlich gibt es die, mehr Unabhängigkeit und ein selbstbestimmter Alltag zum Beispiel. Es muss uns gelingen, diese Vorteile besser zu kommunizieren. Zurzeit wollen 75 Prozent der Studenten nicht in die öffentliche Apotheke und die Selbstständigkeit scheut ein noch größerer Teil. Das möchte ich gern ändern.

 

PZ: Auch bei den PTA gibt es Nachwuchssorgen. Müssen die Apotheker damit rechnen, dass es künftig noch schwerer sein wird, gute PTA zu finden?

 

Schmidt: Ja, davon ist auszugehen. Die Zahlen der Real- und Hauptschulabsolventen sinken deutlicher als die der Abiturienten. Damit gibt es langfristig weniger potenzielle Bewerber für den PTA-Beruf. Hinzu kommen die Probleme mit der Finanzierung der PTA-Ausbildung in einzelnen Bundesländern. An dieser Stelle müssen die Landesorganisationen aktiv werden und dafür werben, PTA-Ausbildung als staatliche Aufgabe zu verstehen, die aus öffentlichen Haushalten finanziert werden muss.

 

PZ: Wie sieht es mit aktuellen Problemen in der akademischen Ausbildung aus: Glauben Sie an eine Zukunft für das pharmazeutische Institut in Leipzig?

 

Schmidt: Die ersatzlose Schließung ist vom Tisch. Darüber bin ich sehr froh. Ich bin optimistisch, dass wir nach der sächsischen Landtagswahl von der Politik nun relativ schnell eine klare Aussage bekommen werden, wie es weitergeht. Im Gespräch ist eine gleichberechtigte Kooperation mit dem pharmazeutischen Institut in Halle. Das halte ich für eine gute Idee, denn so könnten Ressourcen aus beiden Bundesländern gebündelt werden.

 

PZ: Der Berufseinstieg für ausländische Apotheker ist seit 2012 hierzulande einfacher geworden. Denken Sie, dass Deutschland einen Teil seiner Nachwuchssorgen auch mit Personal aus dem Ausland decken kann und vielleicht sogar muss?

 

Schmidt: Ob es den Apotheken gelingt, in größerem Umfang ausländische Kollegen zu integrieren, weiß ich nicht. Die Sprachprobleme sind oft groß und in der Apotheke ist gerade der direkte Austausch mit dem Patienten entscheidend. Der Verweis auf die Möglichkeit, ausländische Fachkräfte nach Deutschland zu holen, darf zudem nicht als Vorwand dienen, selbst nicht zu handeln. Wir brauchen hierzulande mehr Studienplätze für Pharmazie. Dauerhaft unseren Bedarf aus dem Ausland zu decken, ist sicher keine Lösung. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 37/2014

 

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