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Hyposensibilisierung hilft bei Autoimmunerkrankungen

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Hyposensibilisierung hilft bei Autoimmunerkrankungen
 


Britischen Forschern ist es gelungen, dem Immunsystem von Mäusen mit einer Autoimmunerkrankung die Aggression gegen körpereigenes Gewebe abzugewöhnen. Sie benutzten dazu ein Verfahren, das bereits seit Langem erfolgreich zur Behandlung von Allergie-Patienten angewendet wird: die Hyposensibilisierung oder auch Immuntherapie. Dabei lernt das Immunsystem durch die wiederholte Gabe steigender Mengen des Allergens, dieses nicht zu attackieren. Wie die Wissenschaftler um Bronwen R. Burton von der Universität Bristol in «Nature Communications» schreiben, funktioniert das Prinzip auch bei Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose (MS), bei denen sich die fehlgeleitete Immunantwort ja nicht gegen körperfremde Substanzen richtet, sondern gegen eigene Zellen.
 
Den Wissenschaftlern gelang es, pathogene CD4-Rezeptor-positive T-Zellen bei Mäusen mit einer MS-ähnlichen Autoimmunerkrankung des Gehirns in anerge, also nicht mit einer Immunantwort reagierende, regulatorische T-Zellen umzuwandeln. Die Zellen setzten nach der Behandlung zudem das antientzündliche Zytokin Interleukin-10 frei, wirkten also nicht mehr autoaggressiv und entzündungsfördernd, sondern entzündungshemmend. Diese Veränderung erreichten die Forscher durch die subkutane Gabe steigender Mengen des Autoantigens. Als essenziell für den Therapieerfolg identifizierten sie die langsame Dosissteigerung.
 
Eine Analyse des T-Zell-Transkriptoms zu verschiedenen Zeitpunkten der Immuntherapie zeigte, welche Transkriptionsfaktoren hochreguliert und welche gehemmt wurden. Diese immunologischen Veränderungen waren bislang noch weitgehend unbekannt, obwohl das Verfahren bei Allergien je bereits breit angewendet wird, so die Forscher. Seniorautor Professor Dr. David Wraith kommentiert das Ergebnis in einer Pressemitteilung: «Das Verständnis der molekularen Vorgänge bei Antigen-spezifischer Immuntherapie eröffnet uns die Möglichkeit, die Selektivität der Therapie zu verbessern. Gleichzeitig gibt es uns Marker an die Hand, mit denen wir die Effektivität der Behandlung messen können. Insbesondere für Patienten, die an schwer behandelbaren Autoimmunerkrankungen leiden, sind diese Ergebnisse wichtig.» (am)
 
doi: 10.1038/ncomms5741
 
04.09.2014 l PZ
Foto: Fotolia/Kozlov
 

 

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