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Naturstoffforschung: Potenzial im Meer

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Naturstoffforschung: Potenzial im Meer
 


Bislang stammen so gut wie alle unsere Arzneistoffe aus der Natur vom Land, doch die Ozeane rücken langsam in den Fokus der Forscher. «Wir brauchen zum Beispiel dringend neuartige Antibiotika», sagte die Pharmazieprofessorin Dr. Gabriele König von der Uni Bonn beim Kongress der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoffforschung im portugiesischen Guimarães. Es gebe vermutlich noch Millionen unbekannte Spezies im Meer. Von den bislang rund 31.000 erfassten Sekundärstoffen dieser Organismen hätten etwa 70 Prozent eine chemische Struktur, wie man sie bislang von Landorganismen nicht kenne. Dabei können manchmal verwandte Lebewesen, die in verschiedenen Spezies entweder an Land oder im Wasser leben, verblüffend verschiedene Substanzen produzieren, berichtete König.
 
Nachdem sich ihre Arbeitsgruppe zuvor mit terrestrischen Myxobakterien befasst hatte, die Antibiotika produzieren, fokussiert sich das Bonner Team nun auf ihre entfernten, marinen Verwandten – und ist bereits fündig geworden: Aus Nannocystis pusilla, gewonnen aus Wasserproben bei Kreta, isolierten die Wissenschaftler eine neue Substanzklasse von Polyketiden, die sie Phenylnannolone nannten. Die Substanzen haben Potenzial in der Krebstherapie: Gegen herkömmliche Zytostatika resistente Krebszellen machten sie wieder angreifbar, ohne selbst zytostatisch zu wirken. Ein anderes Molekül namens Salimabromid mit vollkommen neuartiger Struktur und antibakterieller Wirkung in vitro isolierten sie aus der Mikrobe Enhygromyxa salina aus der Ostsee.
 
Derzeit sei die Forschung an marinen Organismen jedoch noch schwierig. Oft fehlt laut König die Technik zur Anzüchtung, die Ausbeute an Sekundärstoffen ist gering oder Gene lassen sich nicht exprimieren. Es könnte sich jedoch lohnen, weiter in das Gebiet einzutauchen. In Guimarães tauschen sich diese Woche rund 650 Naturstoffforscher über neue Leitsubstanzen, Techniken und Studiendaten aus. Am 62. Internationalen Kongress der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoffforschung nehmen neben vielen Wissenschaftlern aus Südamerika, Afrika und Asien auch viele deutsche, österreichische und schweizerische Forscher von pharmazeutischen Instituten teil. (db)
 
02.09.2014 l PZ
Foto: Fotolia/caprasilana (Symbolbild)
 

 

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